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  • Fr., 10. April 2015, 10:46 Uhr
    RWE Power informierte Bürger über die Zwischenlagerung der Brennelemente / Vorträge, Dialog, Filme und Besichtigung des Standortzwischenlagers

    Eigene Brennelemente-Zwischenlagerung bis 2046 genehmigt

    Die Besucher erhalten vor dem Betreten des Zwischenlagers weitere Informationen. Foto: Hannelore Nowacki


    BIBLIS – Traumhaft schönes Frühlingswetter, blauer Himmel und strahlender Sonnenschein, das könnte zu einem Spaziergang in der aufblühenden Natur verlocken. Doch 75 Bürger und Medienvertreter hatten am Donnerstagnachmittag und am frühen Abend anderes vor. Sie waren der Einladung von RWE Power in das Informationszentrum des Kernkraftwerks Biblis gefolgt, um sich dort im Detail über ein besonders interessantes Thema informieren zu lassen:  Was passiert mit den Brennelementen? Im Rahmen ihrer Informations-Initiative „KW Biblis transparent“ hatte die Kraftwerksleitung außerdem einen Besuch des Standortzwischenlagers vorgesehen. Die Resonanz sei überwältigend gewesen, teilte Kraftwerksleiter Horst Kemmeter den Gästen im Informationszentrum mit. Wegen der begrenzten Teilnehmerzahl hätten jedoch viele Bürger bei der Anmeldung abgewiesen werden müssen. Zu Beginn hörten die Gäste Hinweise zum Gesundheitsschutz, Arbeitsschutz und Anlagenschutz. Einen Teil der strengen Sicherheitsvorkehrungen des Kernkraftwerks lernten die Gäste selbst kennen – der Personalausweis war schon beim Betreten des Informationszentrums vorzulegen und  vor dem Rundgang auf dem eingezäunten Gelände des Kernkraftwerks zum Standortzwischenlager stand ein Kontrollprozedere wie auf einem internationalen Flughafen an, einschließlich Leibesvisitation. Außerdem war ein Helm zu tragen. Den Weg der Brennelemente vom Lagerbecken zum Standortzwischenlager erklärte der Projektleiter  Brennstofffreiheit im Kraftwerk Biblis, Dr. Jan Hofmeister, in seiner detailreichen Präsentation. Bilder zeigten den neuen Lagerbehälter mit dem Markennamen „Castor® V“ in seinem inneren Aufbau.

    Kraftwerksleiter Horst Kemmeter führte die erste der beiden Besuchergruppen über das Kraftswerksgelände zum Standortzwischenlager. Foto: Hannelore Nowacki


    Ein  drucküberwachtes Doppeldeckelsystem sorge für die Dichtheit. Dieser „Castor® V“ für die Zwischenlagerung von jeweils 19 Brennelementen aus Druckwasserreaktoren unterscheide sich in der Funktion grundlegend von den Transportbehältern mit verglastem radioaktiven Inhalt, wie sie aus den Rücktransporten aus dem Ausland bekannt wurden. Der „Castor® V“ bestehe aus einem Guss und habe seine Widerstandsfähigkeit unter verkehrsrechtlichen Anforderungen hinsichtlich Feuer, Fallhöhe und Wasserdruck nach Vorgaben mehrerer technischer Regelwerke bewiesen und deshalb sowohl die bauartbezogene wie auch standortbezogene Genehmigung erhalten. Mehr als 700 Prüfschritte bei der Fertigung sollen die Fehlerfreiheit der Bauteile gewährleisten. Ein „Castor® V“-Behälter kostet 2 Millionen Euro. Im Zwischenlager ist nicht nur Platz für die benötigten 51 Castor-Behälter, die Lagerkapazität reiche insgesamt für 135 „Castor® V“. Diese sechs Meter hohen Kolosse im blauen Rippenmantel wiesen nach der Beladung eine Außentemperatur von 75 Grad Celsius auf, erklärte Kraftwerksleiter Kemmeter bei der Besichtigung, mittlerweile seien sie durch den natürlichen Luftzug in der Halle auf 25 bis 30 Grad Celsius abgekühlt. Allein diese passive Belüftung reiche aus, hob Kraftwerksleiter Kemmeter hervor. Außerdem sei die Mischlagerung zusammen mit 150 Mosaik-Fässern genehmigt, die vor allem mittelradioaktive Abfälle aufnehmen. „Alle Grenzwerte bei der Lagerung halten wir natürlich ein“, betonte Kemmeter. So betrage die Strahlung im Mantelbereich  zulässige  0,45 Milli-Sievert in der Stunde. Fast auf Armeslänge durften sich die Besucher einigen Castoren im zugelassenen Bereich nähern. Am Kernkraftwerkstandort Biblis ist die Zwischenlagerung für 40 Jahre bis 2046 genehmigt, machte Kemmeter deutlich. Warum sind überhaupt Zwischenlager nötig? Kemmeter wies auf die Entscheidung der Politik hin, da bislang kein Endlager gefunden wurde. Für die Handhabung der „Castor® V“-Behälter, die im beladenen Zustand 130 Tonnen wiegen, stehen ein wuchtiger Schleuswagen und Hubgerüstkran zum horizontalen Transport und zum Aufrichten zur Verfügung. Bereits 2012 seien zwei gleichlautende Anträge auf Rückbau beider Kraftwerksblöcke gestellt worden. Kraftwerksleiter Kemmeter erwartet die Rückbaugenehmigung für Block A bis Anfang 2016. Dann können 23 „Castor® V“-Behälter beladen werden. Block B könnte bis 2017 brennstofffrei sein. Die Entladung der Brennelemente brauche jeweils ein Jahr – fünf Tage dauert der Weg vom Lagerbecken bis zum Standortzwischenlager mit Verschließen und Versiegelung. Wie sicher ist das Zwischenlager? Kraftwerksleiter Kemmeter nannte beeindruckende Zahlen: Die ein Meter dicken Betonwände sind zehn Meter hoch und gründen auf 16 Meter tiefen Pfahlkonstruktionen, verbaut wurden 3.000 Kubikmeter Beton. Damit sei das Lager sicher gegen Gefahren wie Erdbeben und Angriffe geschützt. Nachgerüstet werde nach jeweils aktuellen Erkenntnissen. Für Fragen standen Kraftwerksleiter Kemmeter und mehrere Fachleute zur Verfügung. Die Empfehlung von Kraftwerksleiter Kemmeter: Aktuelle Informationen findet man auf der Homepage des Unternehmens www.rwepower.com. Hannelore Nowacki

    Sechs Meter ragen die blauen Castor-Behälter im Zwischenlager in die Höhe. Der Bereich mit beladenen Castoren war für die Besucher durch eine Kette abgesperrt und bewacht. Foto: Hannelore Nowacki


    Eindrücke von Besuchern

    Und wie kamen  Dialog und Besichtigung bei den Besuchern an? „Für mich bleiben trotzdem viele Fragen offen“, meinte Sonja Lauseker aus Biblis. Sie treibt die Frage um, was in 40 oder 50 Jahren ist. „Für mich bleibt die Unsicherheit, die in der langen Zeit verborgen ist“. Für einen älteren Bibliser, der nicht genannt werden will, stand hingegen fest: „Man hätte es weiterlaufen lassen können“. Aus dem etwa dreizehn Kilometer entfernten Worms war der 18-jährige Maurice Eschmann zusammen mit seinen Eltern gekommen - vor allem, weil man nicht so oft die Möglichkeit habe einen solchen Einblick zu bekommen. Nach den Vorträgen, zwei Filmen und der Besichtigung meinte der junge Mann: „Ich fühle mich sicher“. Auch habe er Vertrauen, bekräftigte er. Auch 40 Jahre Zwischenlager würden ihm nichts ausmachen.

    Video online

    Bewegte Bilder und Eindrücke von der Infoveranstaltung finden Sie unter www.tip-verlag.de oder direkt im TIP-TV auf youtube unter https://www.youtube.com/watch?v=BiEPWFZbn64

     

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