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    ALLZEIT GUTE FAHRT: Freiwillige Feuerwehr Mitte in Bürstadt feierte Übergabe der neuen Drehleiter mit Gästen / Rund 1,1 Millionen Euro investiert

    Sicherheit der Bürger hat ihren Preis

    Der Rettungskorb mit den Passagieren gewann langsam an Höhe bis 32 Meter – mit Blick auf Bürstadt bis zum Odenwald.
    Foto: Hannelore Nowacki

    BÜRSTADT – „Die neue Drehleiter ist ein beeindruckendes Fahrzeug“. Eine Feststellung von Bürgermeister Boris Wenz (SPD) in seiner Begrüßungsrede, die er durch eindrucksvolle Daten bekräftigte. Das zehn Meter lange neue Einsatzfahrzeug zum Preis von rund 1,1 Millionen Euro bringt es auf ein Gesamtgewicht von 16 Tonnen, angetrieben von einem 280-PS-Motor und mit modernster Technik ausgestattet. Der Rettungskorb kann auf eine Arbeitshöhe von 32 Metern ausgefahren werden, ganze 23 Meter beträgt die Rettungshöhe bis etwa ins siebte Obergeschoss, bis zu 500 Kilogramm oder fünf Personen trägt der Rettungskorb. „Die Dame in Rot“ nannte Pfarrvikar Virginijus Grigutis die neue Drehleiter, die zur offiziellen Übergabe und mit geistlichem Segen vor der Fahrzeughalle auf dem Feuerwehrstützpunkt in der Römerstraße platziert war – roter Hochglanz, Blaulicht und silbern glänzende Signalhörner, die Leiter kompakt zum Parken eingefahren. Den Segen spendete er auch den zukünftigen Besatzungen. Als Star mit neuester Technik stand die neue Drehleiter am vergangenen Samstagnachmittag nicht allein im Mittelpunkt, denn ohne den ehrenamtlichen Einsatz der Feuerwehrleute zu jeder Tages- und Nachtzeit könnten die Gerätschaften allein nichts ausrichten, wie Bürgermeister Wenz und die weiteren Redner betonten. „Dieses Engagement verdient unseren größten Respekt und unsere tief empfundene Anerkennung“, sagte Wenz und machte deutlich, dass die Drehleiter als wichtiger Baustein für die Sicherheit über die Stadtgrenzen hinaus im gesamten Kreisgebiet auch im Katastrophenschutz und bei der Unterstützung im Rettungsdienst in größeren Höhen unverzichtbar sei. So sei das Vorgängerfahrzeug von Anfang 2025 bis Mai 2026 rund 70mal im Einsatz gewesen. Sicherheit habe ihren Preis, „aber sie ist jeden einzelnen Euro wert“. Ein herzliches Dankeschön sprach Wenz dem Land Hessen für die Förderung dieses zukunftsweisenden Projekts mit 306.900 Euro aus. Die Drehleiter, ausgestattet nach den aktuellen Feuerwehr- und Katastrophenschutzstandards, gehöre zu den bedeutendsten Investitionen der Stadt Bürstadt. Am 27. Februar holte die Feuerwehr die neue Drehleiter beim Hersteller ab – und präsentierte sie im Rahmen des Jahresempfangs der Stadt Bürstadt prachtvoll beleuchtet am Rathaus. Doch bevor die Drehleiter am 1. Juni in Dienst genommen wurde, waren bereits während der Bauphase und danach zahlreiche Schulungen und Lehrgänge beim Hersteller und an der Landesfeuerwehrschule in Hessen zu absolvieren. Alles ehrenamtlich in der Freizeit. Auf diese aufwändigen Schulungsmaßnahmen als ehrenamtlicher Dienst an der Gemeinschaft ging auch der hessische Innenminister Roman Poseck (CDU) ein und nannte es „Nächstenliebe im wahrsten Sinne des Wortes“. Besonders hob er den Teamgeist und die Beharrlichkeit der Beteiligten hervor, die diesen „Quantensprung für die Leistungsfähigkeit“ ermöglichte. Kreisbeigeordneter Matthias Schimpf (Bündnis 90/Die Grünen) machte deutlich, dass die Feuerwehr stark in der Gesellschaft verwurzelt sei. Dem Minister und dem Land Hessen dankte er für die Unterstützung der Feuerwehren vor Ort. 

    Ein Wunderwerk der Technik ist die neue Drehleiter, die den aktuellen Anforderungen entspricht – und Ergebnis beharrlicher Teamarbeit. Im Bild (von links): Kreisbrandinspektor Markus Stracke, Wehrführer Christian Schembs, Stadtbrandinspektor a. D. Uwe Schwara, Innenminister Roman Poseck, Bürgermeister Boris Wenz, Stadtbrandinspektor Manuel Hildebrandt, Kreisbeigeordneter Matthias Schimpf und Stadtverordnetenvorsteher/MdL Alexander Bauer.
    Foto: Hannelore Nowacki

     

    Zur Drehleiter gratulierte Stadtverordnetenvorsteher Alexander Bauer (CDU) mit dem Hinweis, dass die Feuerwehr moderne Technik brauche. Kreisbrandinspektor Markus Stracke erinnerte an die Familien und Angehörigen, die das ehrenamtliche Engagement mittragen und wünschte der Feuerwehr Bürstadt Mitte allzeit gute Fahrt. Ein Umtrunk und Imbiss folgte. Viele Besucher ließen sich eine Fahrt im Rettungskorb bis in 32 Meter Höhe nicht entgehen. 

    Eine lange Geschichte – 20 Jahre mit viel Engagement

    Einfach die neue Drehleiter nach einem Katalog bestellen? Das funktioniert nicht, wie in den Reden zu hören war - ein ziemlicher langer Weg stand der Bürstädter Feuerwehr von der ersten Idee bis zur Indienststellung bevor. In seiner Zeit als Stadtbrandinspektor habe Uwe Schwara entscheidend dazu beigetragen und die Beschaffung maßgeblich auf den Weg gebracht, dies hervorzuheben sei ihm ein ganz besonderes Anliegen, sagte Bürgermeister Wenz. Sein Dank galt ebenso dem amtierenden Stadtbrandinspektor Manuel Hildebrandt, Wehrführer Christian Schembs und allen beteiligten Verantwortlichen. Viele Jahre der Planung, zahlreiche Gespräche und Überzeugungsarbeit seien nötig gewesen, berichtete Hildebrandt, der seit April dieses Jahres Stadtbrandinspektor ist. Die Entstehungsgeschichte sei keine Erfolgsgeschichte eines Einzelnen, betonte Schwara in seiner Rede, viele Personen hätten über Jahre Ausdauer bewiesen. Zu den ersten Aufgaben nach seiner Wahl 2003 zum Stadtbrandinspektor habe 2004 die Erstellung des ersten Bedarfs- und Entwicklungsplans der Feuerwehr Bürstadt gehört – den erkannten Gefährdungen wurde die erforderliche Ausstattung gegenübergestellt. Damals habe das Bauamt zwar 24 sogenannte kritische Gebäude mit einer Brüstungshöhe von mehr als acht Metern ausgewiesen, aber die Anschaffung eines Hubrettungsfahrzeugs schaffte es damals nicht in die Planaufstellung. Ein Meilenstein wurde 2012 mit dem Kauf eines gebrauchten Teleskopgelenkmastes von der BASF-Werkfeuerwehr erreicht, Baujahr 1998. Eine einmalige Chance sei dies gewesen. Bis das Fahrzeug bei der Feuerwehr Bürstadt stand, habe es viele Gespräche gegeben, politische Beschlüsse mussten gefasst, Haushaltsmittel umgewidmet werden. Und der Feuerwehrverein Bürstadt Mitte gab Geld dazu. Erst im Bedarfs- und Entwicklungsplan 2014 sei das Fahrzeug als notwendiger Bestandteil der Ausrüstung wie auch die Ersatzbeschaffung festgeschrieben worden. Nicht nur an die Gegenwart denken, sondern die Weichen bereits für die Zukunft zu stellen, sei ihm wichtig gewesen, erklärte Schwara. Nachdem es gemeinsam mit dem Kreisbrandinspektor 2022 gelungen sei, die Ersatzbeschaffungen im Bedarfs- und Entwicklungsplan des Kreises Bergstraße zu verankern, habe die Stadt Bürstadt den Förderantrag beim Land Hessen stellen können, die Zusage erfolgte im März 2023. Mit der Vorbereitung, Ausschreibung und der technischen Umsetzung hatte sich das Drehleiter-Planungsteam einschließlich der Feuerwehrspitze befasst, unterstützt von der Stadtverwaltung, der Kommunalberatung, wie Wehrführer Christian Schembs berichtete. Viele Tipps für das Leistungsverzeichnis habe es von den Feuerwehren Viernheim und Bensheim gegeben, deren Drehleitern besichtigt wurden. Mit 188 DIN-A4-Seiten hatte die  Ausschreibung einen beachtlichen Umfang. 

    Hannelore Nowacki

     

    Weitere Bilder von der Drehleiter-Übergaben finden Sie unter

    https://tip-suedhessen.de/einweihung-der-neuen-drehleiter-der-freiwilligen-feuerwehr-buerstadt-mitte-am-11-juli

     

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