Do., 16.07.2026
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  • Rhetorik-Kolumne „Zwischen den Worten“

    "... und plötzlich hört Dir jeder zu!"

    Vor einigen Wochen saß mir ein Geschäftsführer gegenüber. Fachlich brillant. Zwanzig Jahre Erfahrung. Frisch verantwortlich für 800 Menschen statt 80. Er sagte einen Satz, den ich so ähnlich seit Jahrzehnten höre: „Im kleinen Kreis überzeuge ich jeden. Aber vor der Belegschaft klinge ich wie ein anderer Mensch.” Das ist kein Rhetorikproblem. Das ist eine Lücke, die entsteht, wenn Verantwortung schneller wächst als Wirkung. Die Kompetenz war nie die Frage. Aber die Bühne ist größer geworden, und die Stimme ist dieselbe geblieben. Ich fragte ihn: „Wie beginnen Sie Ihre Ansprachen?“ Er antwortete:


    Zwischen den Worten

    Warum „Wir müssen da jetzt alle durch" keine Führung ist

    „Wir müssen da jetzt alle durch."   Ein Satz, der Zusammenhalt signalisieren soll und oft das Gegenteil bewirkt. Er klingt nach Gemeinschaft. Nach Entschlossenheit. Nach Verantwortung. Und doch bleibt nach ihm häufig etwas anderes zurück.   Distanz. Denn der Satz macht etwas Entscheidendes unsichtbar.   Unterschiede. Nicht alle stehen an der gleichen Stelle. Nicht alle tragen die gleiche Last. Und nicht alle haben die gleichen Möglichkeiten, mit der Situation umzugehen.   Wer sagt „Wir alle", vereinfacht. Und genau das ist das Problem. Die Botschaft ist klar: Es betrifft uns gleich.   Das stimmt selten. In Familien zeigt sich das, wenn


    Sunny Roofs

    Warum „Das hast du falsch verstanden" ein Machtzug ist

    „Das hast du falsch verstanden." Ein Satz, der ein Gespräch scheinbar klärt  und es tatsächlich verschiebt. Er wirkt sachlich. Fast hilfreich. Und genau darin liegt seine Stärke. Denn auf den ersten Blick geht es um ein Missverständnis. Auf den zweiten um Deutungshoheit. Wer so spricht, legt fest, was richtig verstanden ist. Und damit auch, was falsch ist. Die Botschaft ist klar: Deine Wahrnehmung zählt nicht. Das ist kein offener Angriff. Es ist ein stiller Machtzug. Denn der Satz greift nicht die Aussage an. Er greift die Wahrnehmung des anderen an. Und damit die Grundlage jedes Gesprächs. Die Folge ist absehbar. Das Gegenüber beginnt,


    Warum „Du musst das einfach lockerer sehen" mehr schadet als hilft

    „Du musst das einfach lockerer sehen."   Ein Satz,  der beruhigen soll und das Gegenteil erreicht. Er klingt nach Gelassenheit. Nach Überblick. Nach einer einfachen Lösung. Und genau das ist das Problem. Denn wer so spricht, bewertet nicht die Situation. Er bewertet die Reaktion des anderen. Die Botschaft ist klar: Dein Umgang damit ist falsch. Das wirkt oft beiläufig. Ist es aber nicht. Denn der Satz nimmt dem Gegenüber etwas Entscheidendes. Die Berechtigung, die Dinge so zu empfinden, wie sie gerade empfunden werden. Was als Rat gemeint ist, kommt als Abwertung an. Und damit verschiebt sich das Gespräch. Nicht mehr das Thema steht im Mittelpunkt.


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    Warum „Das ist doch nicht so gemeint" Gespräche scheitern lässt

    „Jetzt stell dich nicht so an, das war doch nicht so gemeint." Ein Satz, der harmlos klingt und Gespräche zuverlässig beendet. Nicht laut. Nicht sofort. Aber nachhaltig.   Der Grund liegt in einem einfachen Widerspruch: Menschen sprechen über ihre Absicht. Andere reagieren auf die Wirkung. Wer sagt „So war das nicht gemeint", spricht über sich. Wer sich getroffen fühlt, erlebt etwas anderes. Und genau hier kippt das Gespräch. Denn der Satz klärt nichts. Er verschiebt. Weg von der eigenen Aussage. Hin zur Reaktion des anderen.   Die Botschaft ist klar, auch wenn sie selten so gemeint ist: Dein Gefühl ist übertrieben.  


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