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HISTORISCH: Ausstellung des Vereins für Heimatgeschichte Nordheim und des Vereins für Briefmarken- und Münzenkunde Biblis

Geldscheine und Münzen als Zeitzeugen

NORDHEIM – Zur Ausstellungseröffnung „Vor 100 Jahren Inflationsjahr in unserer Heimat und die Währungsreform von 1923“ am Nordheimer Weihnachtsmarkt, 10. Dezember, um 14.00 Uhr durch Bürgermeister Volker Scheib im Alten Rathaus Nordheim ist die Bevölkerung recht herzlich eingeladen.

Die galoppierende Inflation des Jahres 1923 kam nicht von ungefähr. Es ging ihr eine jahrelange schleichende Inflation voraus. Mit einer der Hauptgründe war die Finanzierung des 1. Weltkriegs mit Kriegsanleihen. Ein Wertpapier das weit verbreitet war und für dessen Einlösung nach dem Sieg die besiegten Feinde herangezogen werden sollten. Es kam nicht so. Deutschland musste 1918 kapitulieren und bekam seinerseits im Versailler Vertrag untragbare Reparationen von den Siegermächten aufgebürdet. Als diese nicht mehr geldlich aufzubringen waren, verlangten die Sieger Naturalwerte. Frankreich forderte immense Kohlenlieferungen besonders für seine Stahlwerke in Lothringen. Damals war die ganze Industrie auf die Dampfkraft angewiesen und es entbrannte ein heftiger Streit um die hochwertigen Ruhrkohlen. Frankreich marschierte ab 8. Januar im Ruhrgebiet ein um sich die Steinkohle zu sichern. Die Deutsche Reichsregierung förderte den passiven Widerstand der Arbeiter und die Eisenbahner traten in den Ausstand um den Kohlenabtransport zu verhindern. Frankreich sperrte die Besatzungsgrenze hier am Rhein und wollte die Bahnbediensteten zur Arbeit zwingen. Wer nicht kam wurde ausgesperrt und musste innerhalb von 24 Stunden seine linksrheinischen Dienstwohnungen verlassen. Auf der streng kontrollierten Wormser Straßenbrücke kam es zu langen Staus von Möbeltransporten der Eisenbahner, die besonders in Bürstadt und Hofheim vorübergehend eine neue Bleibe fanden. Die Franzosen wollten nun mit ihren wenigen eigenen Eisenbahnern die Lücke schließen. Selbst Feldbahnfahrer der Baustellen wurden auf die Loks gestellt. Aber die Franzosen kamen mit den ihnen fremden Deutschen Signalanlagen und Verkehrsvorschriften nicht zurecht. Unfälle und Entgleisungen waren an der Tagesordnung. Der Bahnverkehr brach weitestgehend zusammen, was auch dem Eisenbahnknotenpunkt Biblis zu schaffen machte. Die einheimische Wirtschaft erlitt Einbußen durch die darnieder liegende Transportwirtschaft, was wiederum die Inflation zusätzlich anheizte. Erst am 6. November 1923 fuhr wieder der erste Zug über die Wormser Eisenbahnbrücke. Er zog 19 Wagen mit Kartoffeln für die hungernde Stadtbevölkerung mit sich über den Rhein.

Mit zahlreichen Notverordnungen hat die Reichsregierung versucht den immensen Schuldenberg abzubauen. Was nur teilweise gelang und letztendlich zu anhaltender Arbeitslosigkeit und Verelendung erheblicher Bevölkerungskreise führte.

Die zahlreichen Geldscheine und Münzen legen immer noch ein Zeugnis ab für die schwierige Lebenssituation, die unsere Urgroßeltern zu meistern hatte.

Eintritt frei. Geöffnet am Weihnachtsmarktsonntag von 14 bis 18 Uhr. zg

Datum/Zeit
Datum - 10/12/2023
14:00 - 18:00

Ort
Altes Rathaus Nordheim

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