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  • Di., 16. November 2021, 09:51 Uhr
    AWO-SCHULDNERBERATUNG: Drei Sparkassen spenden gemeinsam 14.500 Euro

    430 Menschen persönlich beraten 

    14.500 Euro spendeten die drei Sparkassen Worms-Alzey-Ried, Bensheim und Starkenburg gemeinsam zur Unterstützung der AWO-Schuldnerberatung. Foto: Benjamin Kloos


    LAMPERTHEIM – Die Sparkassen Bensheim, Starkenburg und Worms-Alzey-Ried unterstützen die Arbeit des Fachbereichs Schuldner- und Insolvenzberatung der AWO Bergstraße zuverlässig seit 27 Jahren mit einer Geldspende. So überreichte auch in diesem Jahr Vertreter der drei Häuser den Spendenscheck über 14.500 Euro an die Leiterin der Beratungsstelle Melanie Schilling. Anlässlich der Scheckübergabe in den Räumen der Sparkasse Worms-Alzey-Ried in der Römerstraße in Lampertheim wurden die unterstützenden Sparkassen auch über die Arbeitsergebnisse und aktuellen Entwicklungen der Schuldnerberatung informiert.

    Frank Belzer, Vorstandsmitglied der Sparkasse Worms-Alzey-Ried, sowie die Vertreter der Sparkassen Bensheim und Starkenburg hoben hervor, dass es ihnen um eine nachhaltige Unterstützung gehe. Die Prävention sei dabei sehr wichtig, man müsse den jungen Menschen das Gefühl mitgeben, mit Geld umzugehen. Dies käme jedoch häufig zu kurz, daher bieten die Sparkassen auch gerne Beratung an, beispielsweise wie man mit EC- oder Kreditkarten und mit dem Online-Banking richtig umgeht. Auch die Beratung der verschuldeten Menschen sei wichtig, lobten die Sparkassenvertreter die Arbeit der AWO in diesem Bereich – gleichzeitig betonte Frank Belzer, dass die Sparkassen die AWO-Schuldnerberatung auch in Zukunft finanzielle unterstützen, auch „wenn in unseren Häusern ausschließlich eine verantwortungsvolle Kreditvergabe erfolgt, die es den Menschen ermöglicht, die Kredite auch ohne Probleme zurückzuzahlen. Denn es ist wichtig, genau hinzuschauen und die Menschen so lange zu begleiten, wie sie es sich durch ihr Gehalt leisten können.”

    Melanie Schilling hob bei der Vorstellung der Arbeit der Schuldnerberatung hervor, dass derzeit glücklicherweise kaum Wartezeiten vorhanden seien. Zunächst findet eine telefonisch Beratung statt, nach circa drei Wochen kommt es dann zu einem persönlichen Termin. Erfreulich sei, dass es im vergangenen Jahr keine Erhöhung bei der Jugendverschuldung gab. „Es wurde durch Corona allerdings auch erschwert, Schulden zu machen, da vieles geschlossen war. Generell ist mehr Zurückhaltung in allen Bereichen zu erkennen, gerade aber bei den Jugendlichen und jungen Erwachsenen.”

    Laut dem neuen Schuldner-Atlas der Creditreform ist die erwartete Schuldenwelle bisher ausgeblieben, allerdings sei grundsätzlich zu beobachten, dass sich wirtschaftliche Krisen hier erst verzögert abbilden, daher gäbe es noch lange keine Entwarnung, wie Melanie Schilling klarstellte. Dennoch sei die Überschuldungsrate bereits im dritten Jahr deutlich zurückgegangen, man habe den niedrigsten Stand seit 15 Jahren und damit seit der Einführung des Schuldner-Atlas erreicht. Zudem liegt die Überschuldungsrate erstmals unter 9 Prozent. Hierfür sei vor allem die sogenannte „weiche Überschuldung” als Ursache zu nenne, hier gab es einen Rückgang von 15 Prozent. Zu dieser zählen negative Zahlungsstörungen, ebenso wie Inkassotätigkeiten. 

    Im abgelaufenen Jahr 2020 wurden von den Beratungsfachkräften der AWO 430 Personen persönlich beraten und betreut – darunter nahezu gleich viele Frauen wie Männer: Stark vertreten war die Altersgruppe 25 bis 50 Jahre. Die Beratung findet überwiegend in den Büros der Nibelungenstraße 164 in Bürstadt statt. Ratsuchende die über das Job Center in Mörlenbach Kontakt suchen, können direkt am Standort des Job Centers in Mörlenbach beraten werden. „Leider kommen die Menschen immer erst sehr spät zu uns, doch auch hier sind noch keine direkten Auswirkungen von Corona spürbar“, so Melanie Schilling weiter. Aber: Die Energie- und Mietpreise gehen nach oben, die Mietpreissituation im Kreis Bergstraße ist bereits deutlich angespannt und für unsere Klienten sehr schwierig”, legte sie den Finger in eine Wunde, die die gesamte Gesellschaft betrifft. „Was ebenfalls zunimmt ist das Problem der Niedriglohneinkommen, dies wird sich auch in Zukunft immer stärker bemerkbar machen.”

    Als Ursachen der Überschuldung nannte Melanie Schilling in erster Linie  Arbeitslosigkeit, Erkrankungen, Sucht und Unfälle aber auch Trennung und Scheidung und das Konsumverhalten. Grundsätzlich sei die Beratung der AWO-Schulderberatung kostenfrei – und bietet Unterstützung bei aktuellen Krisen, bei der Analyse der Verschuldungssituation, bei Haushalts- und Budgetplanung, bei der Vermittlung mit Gläubigern aber auch Infos zum Zwangsvollstreckungschutz. Die Schuldnerberatung ist telefonisch unter 06206/9877-180 oder per E-Mail unter schulderberatung@awo-bergstrasse.de zu erreichen.

    Prävention beginnt in der Schule

    Melanie Schilling berichtete zudem von der Präventionsarbeit, die von der Sparkassen-Spende profitiere. Damit es gar nicht erst zu einer Überschuldung kommt, bietet die AWO-Schuldnerberatung seit 2009 im Bereich Prävention Schulen ein Projekt an, das unter dem Titel „Mein Auto, mein Konto, meine Wohnung!“ mittlerweile an zahlreichen Schulen aller Schulzweige durchgeführt wird. Im Simulationsspiel, welches in Coronazeiten glücklicherweise auch vermehrt digital angeboten werden kann, lernen die Jugendlichen, wie der fiktive Azubi Anton seinen ersten Haushalt gründet und dabei zahlreiche ökonomische und rechtliche Entscheidungen zu treffen hat. 

    Im Jahr 2022 soll ein weiterer Schwerpunkt folgen: „Wir haben die Idee, auch den Übergang zur Rente präventiv zu begleiten. Denn auch hier lauern viele Gefahren, da nicht nur weniger Geld zur Verfügung steht sondern es immer auch wieder zu Trickbetrügereien kommt, auf die wir aufmerksam machen wollen. Und wir wollen vor Verträgen schützen, die besonders SeniorInnen telefonisch angeboten, aber nicht benötigt werden”, so Melanie Schilling. Benjamin Kloos  

     
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