Fränkischer Königshof Zullestein Vorgängerbau der Festung Burg Stein
50 Jahre Ausgrabung Burg Stein
Das Burg Stein Ausgrabungsteam um Juni 1970: U. Wagner, vier spanische Arbeiter, Dr. Werner Jorns (v.l.). Foto: oh
NORDHEIM – Der vor 1970 rund drei Meter hohe, mächtige Schutthügel im Steiner Wald, Schlossbuckel genannt, bewegte schon lange die Erzählungen der Bewohner der Umgebung. Aber auch den Fachwissenschaftlern gab er schon viele Jahrzehnte Rätsel auf. War die urkundlich mehrfach erwähnte, und im 30-jährigen Krieg von der spanischen Besatzung abgebrannte Festung Burg Stein, identisch mit dem Zullestein aus dem Lorscher Codex vom Jahr 806, oder gab es zwei verschiedene Örtlichkeiten.
Im Baugesuch zum Kernkraftwerk Biblis wurden finanzielle Mittel für eine archäologische Untersuchung der Kraftwerksbaustelle eingeplant. Der Kraftwerksbaugrund erwies sich als fundleer und RWE und Hochtief AG unterstützten dann die Ausgrabung des nahen Schlossbuckels.
Im Sommer 1970 wurde mit zwei Suchschnitten die archäologische Untersuchung des Schlossbuckels vom Landesamt für Denkmalpflege, Außenstelle Darmstadt, Dr. Werner Jorns begonnen. Die Baufirma Hochtief stellte vier spanische Saisonarbeiter ab. Die örtliche Aufsicht hatte Udo Wagner aus Groß-Zimmern.
Obwohl in mühevoller Handarbeit mit Kellen und Schaufeln gearbeitet wurde, konnten noch 1970 zahlreiche Mauerfragmente frei gelegt werden, die einen ersten Eindruck der Gesamtanlage zuließen.
Anhand der sehr zahlreichen Keramikfunde war bald der Nachweis erbracht, dass der fränkischeKönigshof Zullestein mit Rheinhafen und späterem Marktrecht, der Vorgängerbau der Festung Burg Stein war. Das allein war schon eine wissenschaftliche Sensation.
Aber die Überraschungen wurden noch gesteigert, indem römische Mauerzüge erkannt wurden, die zu einem spätrömischen Ländeburgus der Zeit des Kaisers Valentinian I. um 370 nach Christus gehörten. Der Wissenschaft waren diese militärischen Verteidigungsanlagen entlang des Rheins und der Donau schon einige Zeit vom Grundriss her bekannt. Aber keine war noch so gut erhalten wie die Burg Stein.
1973 wurde die Anlage von RWE konserviert und mit einer Aussichtsplattform ausgestattet, der Naturpark Bergstraße sorgte für eine Rasthütte und stellte eine große Informationstafel auf. Jahrelang hat RWE noch notwendige Pflege- und Unterhaltungsarbeiten unterstützt.
Leider musste vor knapp 10 Jahren die morsche Aussichtsplattform entfernt werden, eine Neuerrichtung sollte mit einer längst fälligen großen Sanierung der Burg Stein erfolgen. Vor einem Jahr wurde mit der Sperrung der neuen Natostraße am Biblis-Nordheimer Rhein, der Fußweg für Burg Stein Besucher verlängert, was besonders Interessenten mit Kleinkindern, ältere und kranke Leute von einem Besuch der archäologischen Ausgrabungsstelle von europäischem Rang abhält. zg
Die Burg Stein – westliche Mauern mit Aussichtskanzel im November 2008. Foto: oh