
LAMPERTHEIM – Humor gehört zu den Kernkompetenzen der Volksbühne Lampertheim, meisterhaft wird das Publikum in gewohnter Lampertheimer Mundart bei Bedarf erheitert und zum Lachen gebracht – so auch bei Feier zum 100-jährigen Jubiläum am Samstagabend in der Hans-Pfeiffer-Halle. Eine Stunde war für den Sektempfang von weit über 300 Gästen eingeplant, zum Vorglühen für das weitere Programm in der aufgeheizten Halle mit Saunaklima – die Sonne hatte ganze Arbeit geleistet. Stilsicher wurden die Gäste von einem Herrn in Frack und Fliege empfangen, kein geringerer als Volksbühnen-Schauspieler Frank Burkhardt machte die gereimte Ansage, abschließend mit dem Ansporn frei nach Goethes Faus „Nun lasst uns endlich Taten sehen“. Und weil der 1. Vorsitzende Frank Griesheimer just an diesem Tag auch seinen Geburtstag feierte, wurde ihm zu Ehren ein „Happy Birthday to you, lieber Frankie“ angestimmt, gesungen nach Art der legendären Marilyn Monroe zum Geburtstag ihres geliebten Präsidenten. Michael Swietlicki, Schauspieler und Regisseur, kommentierte plauderte noch kurz aus, dass er die Volksbühne für „einen richtig geile Haufe“ hält, aber es gebe eine Dialektpolizei, die ihm den angewöhnten auswärtigen Slang abgewöhnt habe. Nun weiß er: „Loambadderisch is net oafach“. In drei Sketchen im Laufe des Abends zeigte die Volksbühne Klasse. Gleich zu Anfang entzückten Frank und Natascha Burkhardt als harmonisches Ehepaar das Publikum beim Theaterkartenkauf – sie als seine „Herzkersch“ hatte die Wahl, er, der Kurdi, folgte ihren Wünschen. Saskia Fischer an der Theaterkasse hatte ihre liebe Not. Das Gespräch im Friseursalon im nächsten Sketch drehte sich um Urlaub in Rom, das Christine Kern als motivierte Friseurin mit Sven Soldan als Kunde führte – mit einer Pointe, die beim Publikum Lachsalven auslöste. Falsch verbunden waren die Akteure beim späteren dritten Sketch, ein unfreiwilliges Telefongespräch zu dritt führte zu einfallsreichen Verwirrungen, mit herzhaften Lacherfolgen beim Publikum, aber einem ratlosen Ehemann (Sven Soldan), der beim Chefarzt (Klaus Jenner) nach dem Befinden seiner Frau gefragt hatte, aber Auskunft vom Motorradmechaniker (Michael Swietlicki) über Düsen und Kolben bekam. Als Schirmherr der Jubiläumsfeier hielt der frühere Bürgermeister Erich Maier die Begrüßungsrede und zeichnete die Geschichte der Volksbühne von der Idee 1926 bis Anfang der 1950er Jahre nach. Spielfreudige Männer in der Freiwilligen Feuerwehr entschlossen sich, ihre Begeisterung für das Schauspiel in eine eigene Theatergruppe einzubringen. In ihre Satzung schrieben sie: „Zweck der Volksbühne ist, allen Bevölkerungsschichten volksbildende Theateraufführungen zu vermitteln“. Kulturelle Teilhabe aller Bürger vor Ort war ihr Anliegen, unabhängig von deren finanziellen Möglichkeiten. Die Nazizeit habe die Volksbühne trotz staatlicher Kontrolle des Spielplans unbeschadet überstanden. Bereits neun Monate nach Kriegsende führte die Volksbühne das von den Nazi-Machthabern verbotene Lustspiel „Hurra, ein Junge“ auf, das ein jüdischer Autor geschrieben hatte. Schlag auf Schlag ging es aufwärts, hatte Maier herausgefunden, ein Riesenerfolg dann 1950/51 mit der Freilichtaufführung des „Jedermann“ von Hugo von Hoffmannsthal in der zerstörten Domkirche. Bevor Ehrenschauspieler Peter Bischof und Ehrenvorsitzender Klaus Jenner auf der Bühne die weitere Geschichte der Volksbühne bis in die Gegenwart präsentierten, angereichert mit eigenen Erinnerungen, bat Maier Ehrengäste zu Grußworten auf die Bühne. Zur Bewirtung der Gäste hatte die Volksbühne eine üppige Vorspeise und ein reichhaltiges Büffet mit Spargelgemüse von Steinmetz und Gemüsebau Schmidt auffahren lassen, zum Dessert gab es erfrischende Cremes und Eis von Oberfeld. Allen, die noch Lust auf fetzige Musik und Tanzen hatten, heizte das Trio BollWerk mit Barbara Boll, Patrick Embach und Matthias Vormehr ein.
Foto: Hannelore Nowacki
Anerkennung für das kulturelle und soziale Engagement
Kreisbeigeordnete Astrid Pfenning nannte die Theaterstücke Kultur für alle und gelebte Heimatkunde, besonderer Dank gebühre der Volksbühne für ihre Spenden. In Anerkennung dieser Leistungen überreichte sie im Namen des Kreises Bergstraße und des Kreisausschusses einen Umschlag. Auch Bürgermeister Alexander Scholl gratulierte und sprach seine Anerkennung für die jahrzehntelange Kontinuität in Sachen Humor und sozialem Engagement aus, verbunden mit einer Jubiläumszuwendung der Stadt Lampertheim auf das Vereinskonto. Die Stadt brauche solche starken Vereine. Er freue sich schon auf die Premiere des neuen Stücks am 8. November. Kultur bringe Menschen zusammen und bringe Freude, sagte Spargelkönigin Lina I. mit Blick auf 100 Jahre Volksbühne und deren Zukunft. Herbert Eichenauer, Vorsitzender des Fördervereins Domkirche, ergriff das Wort für alle kulturtreibenden Vereine der Stadt, um in seiner kurzen Laudatio hervorzuheben, dass die Volksbühne ein Verein sei, der selbstlos tätig ist und andere Vereine im sozialen und kulturellen Bereich finanziell unterstützt und darüber hinaus durch Mundart auch Auswärtige in Euphorie versetze. Pfarrerin Sabine Sauerwein wünschte dem Verein auch in Zukunft so gesegnet zu sein wie in den letzten 100 Jahren und sprach ein irisches Segenswort.
Erfolgsgeschichte mit Mundart und Spenden
Peter Bischof und Klaus Jenner erzählten auf der Bühne im Dialog von der Erfolgsgeschichte der Volksbühne Anfang der 1950er Jahre, die bis Anfang der 1960er Jahre anhielt. Im Ensemble waren 23 Männer und 16 Frauen, Rollen wurden öfter doppelt besetzt, gespielt wurde an verschiedenen Örtlichkeiten. Hauptsächlich schwere Stücke habe man gespielt, wusste Jenner. Schon damals habe es die „schönschde Biehnenbilder“ gegeben. Aus dem Nähkästchen geplaudert erfuhr das Publikum von allerlei Querelen in der Gruppe, hauptsächlich von Besserwissern in der Führung verursacht. Und als das Fernsehen seit Anfang der 1960er Fahre die Leute auf dem Sofa zuhause festhielt, gingen die Zuschauerzahlen rapide zurück. Aufgaben? Den Verein auflösen? Das kam für Peter Bischof gar nicht in Frage, der damals als 16-Jähriger dagegen war: „Uffgeleest wird nix“. Glücklicherweise wäre das laut Satzung nur einstimmig gegangen. Aufwärts ging es 1966 mit Aufführungen in der Notkirche. Jula Bischof betreutge ab 1972 die Jugendgruppe mit Herzblut. 1977 wurde zum ersten Mal wieder vor 100 Zuschauern gespielt. 1979 dann der Durchbruch zum fortdauernden Erfolg mit Loambadda Platt. Großer Applaus für die beiden Erzähler, das Publikum erhob sich von den Plätzen. „Ohne unsere Mitglieder und unser Publikum wäre es uns nicht möglich all das zu tun“, bekräftigte Vorsitzender Griesheimer und erinnerte an die verstorbenen Mitglieder, den früheren Geschäftsführer Gerhard Baum, Michael Tschirner und Ilse Prüssing: „Ohne sie wäre der Verein nicht das, was er heute ist“. Ein Höhepunkt des Abends war die Spendenübergabe von insgesamt 8.000 Euro an acht Vereine und Organisationen: 4.000 Euro für Aktion für krebskranke Kinder – Kinderplanet Heidelberg, 1.000 Euro für die Tafel Lampertheim und jeweils 500 Euro für die Diakoniestiftung, den Behindertenbeirat, die PaHoRi Palliativ- und Hospiz-Initiative im Ried, Hospizverein Bergstraße, Förderverein Domkirche und Deutsches Rotes Kreuz Ortsverein Lampertheim.
Hannelore Nowacki
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