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Mo., 23. April 2018, 12:42 Uhr
Islamfeindliche Aufkleber an Schaukästen und Fahnen der Pfarrei St. Michael angebracht
Abstoßendes Zeichen von Fremdenhass mitten in Bürstadt
Unter anderem an diesem Schaukasten der Pfarrei St. Michael wurden islamfeindliche Aufkleber angebracht. Foto: oh
BÜRSTADT – Fremdenhass, Anfeindungen gegenüber anderen Religionen und Intoleranz – und das mitten in Bürstadt: Am Freitag brachten Unbekannte Aufkleber mit fremdenfeindlichen Parolen an. Auf den Schaukästen und Fahnenmasten der katholischen Kirchengemeinde St. Michael stand islamfeindliche Propaganda – unter anderem direkt neben den Vermeidungen der Kinder- und Jugendgottesdienste sowie dem Foto des verstorbenen Karl Kardinal Lehmann.
Zu lesen war unter anderem „Islamisierung? Nicht mit uns", versehen mit dem Hinweis auf eine „Identitäre Bewegung”. Diese fordert auf ihrer Internetseite den Erhalt der ethnokulturellen Identität, die Resignation und sichere Grenzen. Auf dieser Seite sind in einem Online-Shop auch entsprechende Aufkleber zu finden, wie sie nun in Bürstadt angebracht wurden.
Bei der katholischen Kirchengemeinde St. Michael herrschte angesichts dieser „unfassbaren Schmierereien” Entsetzen und Unverständnis. Denn die Gemeinde ist seit langem bemüht, Menschen, die aus Angst vor Tod, Krieg und Gewalt ihr Leben auf einer entbehrenden Flucht riskieren, eine neue Heimat zu bieten, in der sie ohne Angst leben können. Um so bedauerlicher finden es die Gemeindemitglieder und Pfarrer Peter Kern, dass diese Menschen durch solche Aufkleber diffamiert und angegriffen werden. Anstatt sich selbst ein Bild von den Menschen, die auf der Flucht sind und waren, zu machen, wird mit pauschalen Vorwürfen und Anfeindungen agiert, die das Klima in der Gesellschaft vergiften. Die Aufkleber wurden noch am Freitag entfernt und der Polizei übergeben, die in diesem Fall die Ermittlungen aufgenommen hat. Benjamin Kloos
Kommentar: Kulturelle und religiöse Vielfalt prägen unser Land
Es war ein mehr als unerfreuliches Signal von Intoleranz, Pietätlosigkeit und Fremdenhass: Mitten in Bürstadt, der Bürgerstadt mit Herz, brachten Unbekannte am Freitag Aufkleber mit fremdenfeindlichen Parolen an. Diese Aktion ist beschämend für ein freies Land wie Deutschland, in dem Intoleranz und Angst vor dem Fremden die Gesellschaft vergiften und Ängste schüren, die – besonders mit Blick auf die Menschen, die auf der Flucht nach Bürstadt, Lampertheim, Biblis oder Groß-Rohrheim gekommen sind – in keinem Zusammenhang zur Realität stehen. Und sie ist ein deutliches Zeichen von Missachtung anderer Kulturen, anderer Religionen, anderer Lebensauffassungen.
Die „Identitäre Bewegung” fordert auf ihrer Internetseite das Bekenntnis zu „unserem Land und unseren Werten”. Dass die christlichen Werte für Deutschland und Europa eine wesentliche Rolle spielen, dass auf diesen die Gesellschaft aufgebaut ist und diese zu erhalten sind, bleibt unbestritten. Aber eines vergessen die selbsternannten Patrioten: In Deutschland gibt es das Recht auf die freie Wahl der Religion, zudem sind Deutschland und ganz Europa seit jeher von Einwanderung geprägt. Der heutige Stand des Fortschrittes war und ist nur durch die Einbeziehung von Menschen verschiedener Kulturkreise, verschiedener Religionen möglich.
Gerade die Vielfalt der Kulturen in unserem Land macht dieses so lebens- und liebenswert, gerade der Zuzug von Menschen aus anderen Gemeinden, Städten, Ländern oder Kontinenten sorgt für eine positive Veränderung – bei gleichzeitigem Beibehalten der eigenen Werte. Dies sollte niemals vergessen werden. Denn durch ein Miteinander der Kulturen kann Neues entstehen, kann sich unsere Region weiter entwickeln, können wir voneinander profitieren und die positiven Aspekte aller Kulturen zum Wohl aller vereinen.