Schülerbetreuung Räuberleiter e.V. bereitet sich auf möglichen Ansturm nach dem Lockdown vor
„Aktuelles Problem verschärft sich“
Die Zeit, die Schüler und Paten miteinander verbringen, soll von einem freudigen Miteinander geprägt sein. Damit unterscheidet sich das Angebot der Schülerbetreuung Räuberleiter von der herkömmlichen Nachhilfe. Viel wichtiger ist den Ehrenamtlichen die spielerische Vermittlung von Wissen, die Freude am Lernen und das Aufzeigen von Perspektiven und Möglichkeiten. Foto: Anja Kuhn Photodesign
LAMPERTHEIM - Normalerweise treffen sich die Paten der Schülerbetreuung Räuberleiter e.V. mit den Kindern regelmäßig einmal in der Woche. Ziel des Vereins ist es, Kindern aus sozial benachteiligten Familien die bestmöglichen Chancen zu bieten. Den Patenkindern soll geholfen werden, die Hürden in Schule und Alltag besser zu überwinden, ihre Stärken und Schwächen auszuloten sowie die Neugierde am Lernen zu wecken – eine Unterstützung für eine bessere Zukunft. An Paten fehlt es dem Verein nicht, es gibt sogar eine Warteliste, aber die Treffen sind derzeit aufgrund des zweiten Lockdown seit November kaum mehr möglich. „Unsere Treffen sind total eingeschränkt und zeitweise gar nicht möglich“, berichtete Stefanie Wadle, die Vorsitzende der Schülerbetreuung Räuberleiter. Bereits im Frühjahr stoppte der Lockdown die Treffen. Da viele der Paten zur Risikogruppe zählen, gehen die Ehrenamtlichen kein Risiko ein. Auch mit Telefonterminen und Videotelefonie kommen die meisten Paten nicht weiter, denn der überwiegende Teil der Paten-Schüler besucht die 3. bis 5. Klasse. „Das sind Kinder, die sich ohnehin oft schlecht konzentrieren können. Bei Video-Treffen schaffen sie es einfach nicht, dabei zu bleiben“, erklärte die Vorsitzende. Nächsten Problem: viele Familien besitzen gar keine endsprechenden Endgeräte. Eine der Patenschaften habe allerdings erfolgreich komplett auf Video-Telefonie umgestellt. „Der Junge ist allerdings bereits volljährig und weiß selbst mit der Technik umzugehen“, so Wadle. Dennoch versucht sich der Verein gerade jetzt auf die „Zeit danach“ vorzubereiten.
Denn eins ist sicher: Besser wurden die Voraussetzungen für die Kinder im Lockdown nicht. Im Gegenteil: Stefanie Wadle geht davon aus, dass aufgrund der Unterrichtsausfälle noch viel mehr Schüler Unterstützung brauchen werden, da ihnen schlicht der Schulstoff fehlt. „Normalerweise wäre es am besten wenn mein Patenkind das Jahr wiederholen würde“, berichtet zum Beispiel Räuberleiter-Pate Ralf Gliem, der einen Jungen betreut, der die 6. Klasse besucht. Um seinem Patenkind besser helfen zu können, hat Gliem versucht Kontakt zur Schule aufzunehmen. „Da kam sehr wenig Unterstützung“, musste er jedoch leider feststellen.
Nach dem ersten Lockdown hat er im Sommer und Herbst versucht, den fehlenden Schulstoff aufzuarbeiten, aber jetzt geht eben gar nichts mehr. „Da müsste doch von der Schule vielleicht die Einsicht kommen, dass manche Schüler das Jahr doch besser wiederholen“, findet er und ist der Ansicht, dass das „Sitzenbleiben“ den Kindern in vielen Fällen nützen könnte. „Das aktuelle Problem verschärft sich jedenfalls“, ist Wadle überzeugt. Nicht alle Kinder bekämen Unterstützung, weder von zu Hause, noch von den Lehrern. „Alles fällt flach und die Schere wird weiter“, meinte sie. Problematisch sei zudem, dass die Kinder durch den Unterrichtsausfall auch komplett aus der Lernübung kämen. „Wir versuchen uns nun mit Manpower vorzubereiten, denn mehr Kinder werden mehr Hilfe brauchen“, ist sie sicher. Deshalb freut sich der Verein über jede Unterstützung, die er bekommen kann. Gesucht sind weiterhin Paten, aber auch ganz besonders Menschen, die sich auch im Bereich Organisation und Öffentlichkeitsarbeit einbringen möchten.