Burkhard Vetter spendete 500 Euro für Arbeitskreis Suchtkrankenhilfe
„Allein ist das nicht zu schaffen“
Burkhard Vetter möchte auf das Angebot der Suchtkrankenhilfe in Lampertheim und Bensheim hinweisen und die Arbeit mit seiner privaten Spende unterstützen. Gisela Finkbeiner aus Lampertheim (Mitte) und Ria Klemm aus Bensheim erklärten im Rahmen der Spendenübergabe, warum es hilft sich Hilfe zu suchen. Foto: Hannelore Nowacki
LAMPERTHEIM – „Alkohol ist immer noch ein Tabuthema“, weiß Burkhard Vetter aus eigener Erfahrung. Dennoch oder gerade deswegen hat er sich letztes Jahr entschlossen, ganz offen mit seiner Suchterfahrung umzugehen. „Das gehört zu meiner Strategie“, erklärte Vetter, denn Alkohol als „soziales Schmiermittel“ gebe es überall, bei jedem Empfang. Dabei habe er immer gedacht, „bei mir ist das Ganze noch harmlos“ – bis zum dritten Mal der Führerschein weg war. Vetter macht sich keine Illusion: „Das Suchtgedächtnis bleibt ein Leben lang“.Mit seiner privaten 500-Euro-Spende, die er am Freitag den beiden Vertreterinnen des Arbeitskreises Suchtkrankenhilfe Bensheim/Bergstraße e. V. im Sitzungssaal des Alten Rathauses übergab, will er ausdrücklich „darauf aufmerksam machen, dass es in Lampertheim eine Einrichtung gibt, an die sich die Menschen wenden können“. Der Unterstützung in der Selbsthilfegruppe in Lampertheim unter der Leitung von Gisela Finkbeiner habe er zu verdanken, dass er nicht nur alle Hürden zur Wiedererlangung der Fahrerlaubnis erfolgreich nehmen konnte. Ria Klemm, Gruppenleiterin in Bensheim, berichtete, dass sie seit 26 Jahren trocken sei – „zufrieden trocken“. Das zu betonen, ist ihr wichtig. Heimlich habe sie getrunken, doch ihrer Tochter blieb es nicht verborgen, sie gab den Anstoß zur Wahl Alkohol oder Familie. Seit 16 Jahren ist Ria Klemm Gruppenleiterin, ehrenamtlich wie auch ihre Lampertheimerin Kollegin. Damals sei sie froh gewesen, dass ihr Mann in der Selbsthilfegruppe habe miterleben können, wie sie sich verändert habe. Die Erfahrung in der Gruppe zeige, dass die Jüngeren unter vierzig alles querbeet nehmen, Ältere seien vorwiegend alkoholabhängig. Der Verein wurde 1973 in Bensheim gegründet, seit 1978 gibt es die Einrichtung in Lampertheim. Unter den 154 Vereinsmitgliedern seien Betroffene mit Suchtproblemen wie auch Angehörige. Die Treffen finden in derSeniorenbegegnungsstätte „Alte Schule“in der Römerstraße 39 im Zimmer 3 statt. Vor jeder Gruppensitzung ist eine halbe Stunde für die persönliche Beratung eingeplant. Die Stadt Lampertheim stelle den Raum kostenfrei zur Verfügung, erläuterte Finkbeiner. Für Telefon, Projektförderung und Material erhalte der Verein, der auch korporatives Mitglied des AWO-Kreisverbandes Bergstraße ist, Fördermittel von der Selbsthilfeförderung der gesetzlichen Krankenkassen Hessen. Vereinsmitglieder zahlen 10 Euro Beitrag jährlich, wenn sie können. Deshalb hat der Verein so wenig Geld, folgerte Vetter, deshalb seine Spende. Die Teilnahme an den Gruppensitzungen sei jedoch nicht an die Vereinsmitgliedschaft gebunden, betonen die beiden Ehrenamtlichen. Zeit und Geld wenden die Gruppenleiterinnen für eine Vielzahl von Aktivitäten auf wie Fahrten zu Vorträgen in der Vitos-Klinik in Heppenheim und in der Fachklinik Falkenhof. Alle Wege werden selbst finanziert. Gruppenmitglieder unterstützen die Leiterinnen in ihrer Arbeit. „Allein ist das nicht zu schaffen“, sagt Gisela Finkbeiner. Sie nennt das Erfolgsmotiv: „Man gewinnt etwas, wenn man mit Alkohol und Drogen aufhört, auch beim Rauchen - die Leute erkennen die Vorteile“. Hannelore Nowacki
Information
Das Treffen der Gruppe Lampertheim des Arbeitskreises Suchtkrankenhilfe Bensheim/Bergstraße findet jeden Montag statt. Ort: Seniorenbegegnungsstätte „Alte Schule“, Römerstraße 39, 68623 Lampertheim. Beratung von 18 bis 18.30 Uhr. Selbsthilfegruppe von 18.30 bis 20.30 Uhr. Info-Telefon 06206/54149. WhatsApp 163 420 7923. E-Mail info@suchtkrankenhilfe-lampertheim.de. Homepage www.suchtkrankenhilfe-lampertheim.de.
Die Gruppe Bensheim trifft sich ebenfalls jeden Montag. Ort: Evangelische Stephanusgemeinde, Eifelstraße 37, 64625 Bensheim. Info-Telefon 06254/7803. WhatsApp 0170 474 2728 und 176 500 31412. E-Mail info@suchtkrankenhilfe-bensheim.de. Homepage www.suchtkrankenhilfe-bensheim.de.