Hinter einer Öffnung der Biedensand-Freibäder stehen aufgrund der Corona-Pandemie dicke Fragezeichen / Sanierung des Hallenbades im Zeitplan
„Alles reine Spekulation!“
Obwohl eine Öffnung laut Jens Klingler unrealistisch scheint, laufen die Saison-Vorbereitungen wie der Wechsel des Filtermaterials im Freibad auf vollen Touren. Foto: Robert Lehr
LAMPERTHEIM – Jens Klingler wirkt gelassen angesichts der Großbaustelle in den Biedensand-Bädern. Denn obwohl das Hallenbad wegen seiner grundlegenden Sanierung derzeit eher einem Gerippe gleicht, ist der Fortgang der dortigen Arbeiten nicht das größte Problem des Ersten Stadtrates der Stadt Lampertheim.
„Hier sind wir trotz Pandemiebestimmungen voll im Zeitplan“, konstatiert Klingler zufrieden, der kraft seines Amtes auch als Geschäftsführer der beliebten Freizeiteinrichtung fungiert. „Seit dem Beginn der Sanierung im März letzten Jahres machen wir gute Fortschritte und hoffen nach einer Verzögerung jetzt wie geplant am 15. September 2020 wieder öffnen zu können“.
Über diesem Termin allerdings schweben jetzt dunkle Wolken in Folge der Corona-Pandemie. Was nicht nur Jens Klingler umtreibt, ist die Frage, ob und wie – wenn überhaupt – das große Freibad zu seinem regulären Saisonstart am 15. Mai geöffnet werden kann.
Ein echter Freizeitmagnet
Das beheizte Schwimmerbecken, das Edelstahl-Nichtschwimmerbecken mit seiner 72 Meter langen Wasserrutsche, das Kinderplanschbecken sowie der Badesee mit ca. 40.000 qm Wasserfläche und die großen Liegeflächen gelten als Freizeitmagnete im Sommer. Daneben bieten zahlreiche andere Attraktionen wie ein Beachvolleyballfeld oder die Tischtennisplatten Abwechslung für Besucher.
„Und das nicht nur für Lampertheimerinnen und Lampertheimer“, weiß Klingler. So kämen aus dem ganzen Ried und auch aus Worms viele Badegäste. Schmunzelnd fügt er an, dass man manchmal sogar das Gefühl haben könne, ein „Vorstadtbad von Mannheim“ zu sein.
Eröffnung unrealistisch
„Es ist alles reine Spekulation, was einen baldigen Start der Freibadsaison hier angeht“, so Jens Klingler. Im Moment sieht er angesichts der geltenden Kontaktbeschränkungen und Hygienevorschriften keine Möglichkeit, die Freizeiteinrichtung überhaupt zu öffnen. Dabei weiß der Erste Stadtrat genau um deren enorme Bedeutung für Erholung, Sport, Spaß und Entspannung.
„Es sind nicht nur die Vereine, denen bereits durch die Sanierung des Hallenbades die Trainingsmöglichkeiten fehlen“, sondern die 8.000 Gäste, „die in Spitzen täglich die Bäder besuchen“. Aber auch für viele, meist ältere Menschen, die ärztlich verordneten Wassersport machen müssten oder solche, für die Schwimmen einfach eines ihrer Lebenselixiere darstellt, blieben solche Möglichkeiten zunächst auf unabsehbare Zeit verschlossen. „Ganz zu schweigen von dem Druck, der nicht nur auf Familien lastet, wenn das Thermometer im Hochsommer mal wieder auf 40 Grad steigt“. Da wollten die Menschen verständlicherweise raus und „an und in das Wasser zum Abkühlen.“
Angesichts der derzeitigen Situation sieht Jens Klingler dafür jetzt noch keine realistischen Chancen. „Ob geregelte Zugangskontrollen, die geltenden Abstandsregelungen oder die aufwändigen Hygienevorschriften – das alles macht einen geregelten Betrieb unmöglich“. Auch gebe es vom Land derzeit noch keinerlei Vorgaben bezüglich der Öffnung und dem Betrieb der Freibäder. Es sei eben „ein sehr schmaler Grad zwischen den betriebswirtschaftlichen Gründen für eine Eröffnung und dem sinnvollen Schutz der Gesundheit“.
Gleiches gelte aber auch für die Wiedereröffnung des sanierten Hallenbades am 15. September, so Klingler. „Sollte es bis dorthin keine wirksame Corona-Impfung oder ein entsprechendes Medikament geben, sehe ich auch beim Hallenbad relativ schwarz“. Auch hier handele es sich zwangsläufig „noch um Spekulationen“. Robert Lehr