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  • Mi., 02. März 2022, 11:53 Uhr
    EVANGELISCHES DEKANAT: Besuch im Bonhoeffer-Haus 

    Altenseelsorge in der Pandemie

    Vor dem Bonhoeffer-Haus: Einrichtungsleiter Henning Krey, Pfarrerin Annelie Hesse und Dekan Arno Kreh (v.l.). Foto: oh


    KREIS BERGSTRASSE – Während insbesondere Jugendliche an den Kontaktbeschränkungen in der Pandemie leiden, kommen Ältere mit der Situation in der Regel besser zurecht. Das erklärte die Altenseelsorgerin im Lampertheimer Bonhoeffer-Haus, Pfarrerin Annelie Hesse im Gespräch mit dem Leiter der Einrichtung Henning Krey und dem Bergsträßer Dekan Arno Kreh.

    Ältere Menschen hätten aufgrund ihrer Lebenserfahrungen Bewältigungsstrategien entwickelt, betonte Annelie Hesse. Sie könnten mit Krisen besser umgehen und auch Einsamkeit besser ertragen. „Sie haben Einsamkeit zu Haus ertragen. Wenn sie dann in eine Alteneinrichtung wie dem Bonhoeffer-Haus umziehen, weil sie zu Hause nicht mehr versorgt werden können, höre ich von ihnen immer wieder, dass es hier ja viel schöner sei als zu Hause.“ Dort hätten sie den ganzen Tag allein gelebt. Hier gebe es jeden Tag soziale Kontakte, Gespräche mit Mitarbeitenden oder Mitbewohnern und die Pfarrerin komme immer wieder vorbei. „Das tut ihnen richtig gut“, so Annelie Hesse. Weil sie in einer Hausgemeinschaft leben und sich dort aufgehoben wissen, könnten auch die Angehörigen besser loslassen.

    „Für uns als Kirche ist es wichtig, trotz Abstandsgebot nah bei den Menschen sein. zu können. Es ist gut und richtig, dass wir gerade in Alteneinrichtungen wie dem Bonhoeffer-Haus präsent und ansprechbar sind“, betonte Dekan Arno Kreh. Seelsorge, Begleitung und Beistand unter welchen Bedingungen auch immer gehörten zum zentralen Auftrag der Kirche.

    Einrichtungsleiter Hennig Krey lobte ausdrücklich das Verhalten der Angehörigen in der Pandemie. „Sie haben sich an alle Spielregeln im Haus gehalten und sehr diszipliniert die Testungen, die Hygieneregeln und das Tragen von Masken auf den Zimmern beachtet.“ Die Freitagsgottesdienste, die im Bonhoeffer-Haus im Wechsel mit der katholischen Kirche gehalten werden, hätten durchgehend stattfinden können. In Präsenz und per Video-Übertragung in die Zimmer oder auf die Stationen, wie Hennig Krey erläutert. Teilweise seien sie im Freien auf dem Hof gefeiert worden.

    Die Gruppenangebote hingegen mussten nach seinen Angaben wegen der Infektionsgefahr heruntergefahren werden. Aber auch in Zeiten der strengen Kontaktbeschränkungen seien Besuche möglich gewesen. Sie hätten dann mit gebührenden Abstand draußen am großen Tor zum Hof stattgefunden. Pfarrerin Hesse kommunizierte in dieser Zeit mit den Bewohnerinnen und Bewohnern schriftlich, verteilte Karten und schrieb auch Seelsorgebriefe an die Mitarbeitenden. Telefongespräche seien dagegen schwierig gewesen.

    Der ehrenamtliche Besuchsdienst habe aus Eigenschutz und Schutz für die Bewohner seine Tätigkeit eingestellt. Voraussichtlich ab Mai solle es einen Neustart geben. Unklar sei, wie viele Ehrenamtliche weitermachen wollten und wie hoch die Bereitschaft für den Besuchsdienst sei. Dekan Arno Kreh erinnerte daran, dass Ehrenamt ein Amt auf Zeit sei. „Ich bin zuversichtlich, dass wir Menschen für den Besuchsdienst finden. Als Kirche müssen wir aber offensiv dafür werben.“

    Bei der Stange geblieben sind drei Frauen, die für die Bewohnerinnen und Bewohner des Bonhoeffer-Hauses Kuchen backen und die scherzhaft als die Drei von der Tankstelle bezeichnet werden. Weil sie den Kuchen derzeit nicht wie vor der Pandemie in der Cafeteria des Hauses anbieten können, geben sie ihn jetzt an der Eingangstür ab. zg

     

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