5-Jährige in Lampertheim entgeht knapp Unfall / Verkehrsteilnehmer zu Rücksicht aufgerufen
Am Zebrastreifen unbedingt anhalten!
Die fünfjährige Alexa macht alles richtig: Sie benutzt auf dem Weg zur Kita den Zebrastreifen und wartet, bis die Autofahrer angehalten haben. Leider wird der Zebrastreifen jedoch von vielen Verkehrsteilnehmern ignoriert – eine echte Gefahr für Fußgänger und besonders für Kinder. Foto: Benjamin Kloos
LAMPERTHEIM – Seit über 65 Jahren gibt es Zebrastreifen in Deutschland. Immer wieder kommt es an Fußgängerüberwegen zu Missverständnissen zwischen Verkehrsteilnehmern – und dadurch zu gefährlichen Situationen, von denen besonders Kinder häufig betroffen sind. So wie am vergangenen Montag in Lampertheim, als die fünfjährige Alexa einmal mehr auf ihrem Weg in die Kita Falterweg am Zebrastreifen in der Bürstädter Straße auf rücksichtslose Autofahrer stieß – leider kein Einzelfall!
Alexa ist seit diesem Sommer ein Vorschulkind der Kita Falterweg. Im Kindergarten lernt sie nun, selbständiger im Straßenverkehr zu werden, da sie nächstes Jahr alleine in die Schule laufen soll.
Also bringt Alexa nun ihre Mutter zum Kindergarten statt umgekehrt, sozusagen mit vertauschten Rollen, damit Alexa üben, üben, üben kann. Nur ein Riesenproblem gibt es unterwegs: Den bereits erwähnten Zebrastreifen in Höhe der Bäckerei HUG der Bürstädter Straße. „Da stehen wir und stehen. Ein Erwachsener läuft mal eben schnell rüber, Kinder müssen aber stehen bleiben, bis rechts und links beide Autos stehen. Es sind am Montag morgen 7 (!) Fahrer einfach vorbei gefahren, obwohl da so ein kleines Mädchen steht und im § 26 der StVO steht, dass Fahrzeugführer anhalten MÜSSEN”, so Nadine Schneibel im Gespräch mit dem TIP. „Das ist total verwirrend für meine Tochter und riesig gefährlich war es vor einigen Tagen, als ein PKW-Fahrer, der zuvor angehalten hat, einfach plötzlich wieder losgerast ist, da Alexa ihm wohl zu lange schaute, weil das von rechts kommende Auto noch nicht stand. Gut, dass ich sie festgehalten habe!!!”
Der TIP machte sich am Donnerstag persönlich ein Bild von der Situation vor Ort und sprach mit Alexa und Nadine Schneibel – mit erschreckenden Beobachtungen. Denn sowohl auf dem Weg des TIP-Redakteurs zur Kita Falterweg zu Alexa wurde der Zebrastreifen missachtet, als auch auf dem Heimweg von Alexa. Hier fuhren gleich mehrere Autofahrer sowie ein Fahrradfahrer ohne eine Reaktion über den Zebrastreifen. Aber es gab auch einige wenige Lichtblicke, nämlich Fahrer, die rechtzeitig abbremsten und anhielten – an diesen sollten sich alle Verkehrsteilnehmer ein Beispiel nehmen.
Rücksicht nehmen
Allgemein gilt: An Fußgängerüberwegen haben Fußgänger, Rollstuhlfahrer und Nutzer von Krankenfahrstühlen sowie Radfahrer, die ihr Fahrrad wie einen Tretroller benutzen, absoluten Vorrang. Auto-, Motorrad- und auch Radfahrer müssen sich mit mäßiger Geschwindigkeit dem Überweg nähern und gegebenenfalls warten. Es ist verboten auf bzw. bis zu fünf Meter vor dem Zebrastreifen zu halten oder zu parken. Stockt der Verkehr, müssen Fahrzeuge vor dem Überweg halten. Generelle sollten alle Verkehrsteilnehmer defensiv und rücksichtsvoll fahren, um Verkehrsunfälle zu vermeiden.
Handy weglegen
Handy am Steuer – das kann nicht nur teuer werden, sondern sorgt vor allem dafür, dass Auto-, aber auch Fahrradfahrer abgelenkt sind und Gefahrensituationen nicht rechtzeitig erkennen und zu spät reagieren. Immer wieder kommt es vor, dass Fahrer mit Handy in der Hand einfach über Zebrastreifen fahren, ohne darauf zu achten, ob jemand diesen überqueren möchte.
Vorsicht vor tiefstehender Sonne
Im Herbst und Winter tritt noch eine weiteres Problem auf: Durch die tiefer stehende Sonne sind Autofahrer häufig geblendet. Der ADAC gibt in diesem Bereich Hinweise zum richtigen Verhalten in dieser Situation: Saubere Frontscheiben sind immer sinnvoll, im Herbst aber ganz besonders. Denn Schmutz und Schlieren streuen das auf das Fensterglas einstrahlende Licht. Das führt zu noch stärker Blendung durch die Sonne. Deshalb gilt: Scheibenwischer in Schuss halten, regelmäßig Wischwasser nachfüllen und ein Reinigungstuch griffbereit halten, um die Autoscheibe auf der Innenseite regelmäßig von Feuchtigkeit oder Schmutz befreien zu können. Bei tief stehender Sonne sollten Autofahrer zudem immer ausreichend Abstand halten und besonders konzentriert und vorausschauend auf den Straßen unterwegs sein. Schließlich könnte auch der Vordermann von der Sonne geblendet werden – und darauf mit plötzlichem Bremsen reagieren.
Bußgeld droht
Autofahrern droht ein Bußgeld von 80 Euro, wenn sie einen Berechtigten nicht den Zebrastreifen überqueren lassen. Wichtig: Schon beim geringsten Zweifel hat immer der Fußgänger Vorrang. Dasselbe gilt, wenn Autofahrer an einem Fußgängerüberweg überholen wollen. Kommt eine Gefährdung hinzu, sind 100 Euro fällig. In all diesen Fällen wird ein Punkt in Flensburg fällig.
Radfahrer haben auf dem Zebrastreifen nur Vorrang, wenn sie absteigen und das Fahrrad schieben. Dann gelten sie als Fußgänger und haben entsprechende Rechte. Muss ein Auto wegen eines fahrenden Radfahrers auf dem Fußgängerüberweg abbremsen oder halten, riskiert der Radfahrer ein Bußgeld für eine vermeidbare Behinderung. Kommt es zu einem Unfall, trägt der Radfahrer eine Mitschuld.
Tipps für Schulkinder
Gerade zum Herbst hin bleibt es früh morgens länger dunkel. Um dann besser gesehen zu werden, sollten Kinder helle und mit Reflektoren ausgestattete Kleidung tragen. Nicht jede Straße ist optimal ausgeleuchtet. Reflektierende Kleidung hilft, früher von Auto und Rad Fahrenden gesehen zu werden. Dies erhöht auch an Zebrastreifen die Verkehrssicherheit.
Bitte nehmen Sie Rücksicht, damit alle Verkehrsteilnehmer sicher ankommen. Benjamin Kloos /ADAC