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  • Fr., 18. Dezember 2015, 10:53 Uhr
    Sonderausstellung am Sonntag zum Wiederaufbau der Simultankirche vor 60 Jahren

    An Heiligabend 1955 erklangen die neuen Glocken

    Die Sonderausstellung zog bereits viele Besucher an, wie hier bei der Eröffnung. Foto: Hannelore Nowacki


    NORDHEIM – Die Simultankirche hat eine bewegte Geschichte von Zerstörung im Zweiten Weltkrieg und Bemühungen um den Wiederaufbau hinter sich. Was die Einwohner Nordheims unter schwierigen materiellen Bedingungen 10 Jahre nach Kriegsende erreicht hatten, zeigt die Simultankirche in ihrer heutigen Erscheinung. Die Sonderausstellung im Burg-Stein-Museum im Alten Rathaus am 20. Dezember von 10 bis 12 Uhr bei freiem Eintritt erinnert mit einzigarten Ausstellungsstücken an diese Zeit. Haushaltspläne der Gemeindevertretung geben erstaunliche Einblicke – auskunftsfreudige Zahlenwerke in Mark und Pfennig. Gemeinsam erinnern Pfarrer Arne Polzer und der Verein für Heimatgeschichte Nordheim mit dieser Sonderausstellung an die Zeit zwischen Zerstörung und gelungenem Wiederaufbau – mit Exponaten aus dem Kirchenarchiv, Beständen der Gemeinde und des Vereins. Ein eindrucksvoller Modellbau bringt die Kirche im Kleinformat in den Blick. Amerikanische Granaten hatten im März 1945 ein nahegelegenes Gehöft in Brand gesetzt, das Feuer griff  auf die Kirche über, die völlig niederbrannte. Lange fehlte es an Geld und Material für den Wiederaufbau, doch in bemerkenswerter Gemeinschaftsleistung von Gemeindemitgliedern und Einwohnern beider Konfessionen, mit Unterstützung der beiden Kirchen und der Politik kam das Geld für den Wiederaufbau zusammen. Der Anstoß war von den Nordheimer Frauen gekommen, später trug eine Pfennigsammlung mit Hilfe der Schuljugend zum nötigen Budget bei. Dennoch reichte das Geld nicht für eine Empore und Hochaltar, nicht für eine neue Turmuhr. Auch hatte die Währungsreform 1948 die Guthaben von Kirche und Gemeinde ersatzlos gestrichen. Vor 60 Jahren, im Mai 1955, wurde die Kirche mit einem Konfirmationsgottesdienst feierlich eingeweiht. Das Rathausglöckchen rief noch bis in den Dezember zum Gottesdienst. Der Betrag von 7.9345 DM für die neuen Glocken kam durch Beitragsmitteilungen an die Einwohner Nordheims zusammen, eingesammelt von Gemeinderats- und Kirchenvorstandsmitgliedern.  Am Heiligen Abend 1955 beim Gottesdienst erklangen erstmals die neuen Glocken. Ein besonderes Anliegen äußerten bei der Ausstellungseröffnung Pfarrer Arne Polzer und Günter Mössinger, Vorsitzender des Vereins für Heimatgeschichte: Wer noch Fotografien der Simultankirche aus der Zeit vor der Zerstörung, aus der Zeit des Wiederaufbaus und der Einweihung in Besitz hat, möge diese Fotos dem Verein kurzfristig zur Herstellung von Duplikaten zur Verfügung stellen. Auch Fotos vom zerstörenden Brand der Simultankirche sind bislang nicht bekannt, befinden sich vielleicht aber in Familienalben. Die Sonderausstellung ist nur noch am Sonntag geöffnet. Hannelore Nowacki

     

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