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    BÜRGERMEISTER VOLKER SCHEIB IM GESPRÄCH: Überlegungen zum Ende der sechsjährigen Amtszeit in Biblis

    „Arbeiten bis zum letzten Tag – das liegt an meiner Einstellung“

    Im Hintergrund das alte Rathaus mit dem neuen Turm, der in der Amtszeit von Bürgermeister Volker Scheib gebaut wurde.
    Foto: Hannelore Nowacki

    BIBLIS – Nur noch wenige Tage waren es am Montag bis zum letzten Tag seiner sechsjährigen Amtszeit als Bürgermeister von Biblis. Eigentlich habe er Urlaub teilte Bürgermeister Volker Scheib (parteilos) zu Beginn des Gesprächs mit dem TiP mit. Aber Urlaub haben und Urlaub nehmen ist der Unterschied auf den es ankommt: „Arbeiten bis zum letzten Tag, das liegt an meiner Einstellung“. Offensichtlich hadert Bürgermeister Scheib nicht beim Verzicht auf einen ganzen Monat Urlaub, denn es stehen Aufgaben an. Im Bürgermeisterbüro sieht es nach Arbeit aus. Am Dienstag der kommenden Woche ist letzter Arbeitstag: Ein letztes Gespräch unter vier Augen mit dem neuen Bürgermeister Konstantin Großmann (CDU) steht an, bei dem auch besprochen wird, was nicht öffentlich behandelt werden kann. Im Rahmen einer Arbeitssitzung am kommenden Montag mit Großmann und dem Hauptamtsleiter finde die förmliche Übergabe statt. Sein Nachfolger habe sich seit Dezember bei den Abteilungen im Rathaus einarbeiten können und an Sitzungen teilgenommen. 

    Bürgermeister Volker Scheib in der Woche vor dem Ausscheiden aus dem Amt in Vorfreude auf den neuen MC-Platz hinter dem Rathaus.
    Foto: Hannelore Nowacki

     

    2020 als Bürgermeister angetreten um Biblis voranzubringen

    Nach dem letzten Arbeitstag im Rathaus kommt nicht etwa der Liegestuhl im Garten oder der Ruhestand, nein: Mit jetzt 63 Jahren gehe er noch ein paar Jahre arbeiten. Seinen ruhenden Schmiedebetrieb werde er nach diesen sechs Jahren nicht mehr hochfahren, erklärt Scheib. Das sei nicht wirtschaftlich. Eine Pension wie sie in Hessen früher gesetzlich vorgesehen war, erhalte er nicht. Aber das sei ihm schon vor seiner Bürgermeister-Kandidatur 2019 bewusst gewesen und habe ihn nicht davon abhalten können. „Ich habe die Aufgabe gesehen – meine Motivation war Biblis nach vorne zu bringen und einen gewissen Herrn Bühler als möglichen Bürgermeister  zu verhindern“. Beides sei gelungen. „Das Amt zu übernehmen war wichtig, ich habe ganz viele Veränderungen herbeigeführt und an vielen Stellen Altlasten beseitigt“, resümiert Scheib, „das Neubaugebiet Helfrichsgärtel III ist heute ein Vorzeigequartier“. Zu verdanken sei das seinem breiten Kreuz und seinem vollen Engagement. Am Ende seiner Amtszeit zieht Scheib ein positives Fazit: Vieles habe er anschieben und bewegen können, was jetzt in der Umsetzung oder Fertigstellung sei. „Alle Projekte sind durchdacht geplant und finanzierbar“, betont Scheib auch im weiteren Gesprächsverlauf. Finanzierbar ist für ihn ein Schlüsselwort. Auch schwierige Haushaltslagen habe er bewältigt – 6 Millionen Euro mussten an RWE erstattet werden. „Alle Haushalte waren genehmigungsfähig“. Wegen der Coronakrise, die gleich zu Beginn seiner Amtszeit über einen Zeitraum von zwei Jahren andere Aufgaben verlangte, hätten ihm für gestaltende Arbeit im Grunde nur vier anstatt sechs Jahre zur Verfügung gestanden. Mit der Zuweisung von Geflüchteten 2023 waren der Verwaltung weitere Aufgaben zugewachsen. „Sehr wichtig war mir immer, guten Kontakt zu den Bürgern aufzubauen, denn der Bürgermeister ist vor allem den Bürgern verpflichtet“. Ihn freue, dass seine Bürgersprechstunden samstags durchgehend über die Jahre immer gut besucht gewesen seien. Von sich sagt Volker Scheib: „Ich bin kein Selbstdarsteller“. Und: „Für viele war ich der Bürgermeister der Herzen“. Einer, dem auch die älteren Menschen am Herzen liegen. Einladungen zu Geburtstagen habe er gerne angenommen, auch noch am kommenden Montag und  Dienstag. Das Wahlergebnis, das ihn das Bürgermeisteramt kostete, gehe ihm immer noch im Kopf herum. Und noch ein Gedanke beschäftigt Scheib: Als parteiloser Bürgermeister habe er in der Gemeindevertretung oftmals eine Blockadehaltung wahrgenommen, ein Knackpunkt, denn dadurch seien Projekte verzögert oder wie beim Werrtor nicht mitgetragen worden.

    Viele Projekte durchgezogen, vieles auf der Zielgeraden

    Aus der Vielzahl an Beschlüssen und Projekten, die in sechs Jahren umzusetzen waren, geht Bürgermeister Volker Scheib zunächst auf die Baustelle hinter dem Rathaus ein, den MC-Platz, der im Juni fertig werde und für das Gurkenfest zur Verfügung stehe. Weitere Einweihungen nach seiner Amtszeit stünden bevor. Scheib nennt vier große Straßenprojekte, die durchgezogen wurden und vier weitere in Vorbereitung. Barrierefreiheit im öffentlichen Raum war Scheib wichtig: Bordsteine wurden abgesenkt, in den Ortsteilen noch nicht abgeschlossen. Ausgebremst werde das Mobilitätskonzept durch den Glasfaserausbau.  Klimafreundliche Grünflächenkonzepte werden erstellt und Stück für Stück umgesetzt. Bauhofmitarbeiter werden entsprechend weitergebildet. Über Etappen-Erfolge in den Bereichen Wohnen und Gewerbeansiedlung sowie die ärztliche Versorgung freut sich Scheib. In den letzten fünf Jahren habe es 258 Gewerbeanmeldungen gegeben und was die Gewerbesteuer betreffe, stehe Biblis sehr gut da. Gelungen sei ihm durch Eigentümerumlegung im Gewerbegebiet ein Areal von 5.000 Quadratmetern zur Planung freizubekommen und im Helfrichsgärtel IV und V werde auf 5,5 Hektar ein Wohngebiet für alle Bauformen entwickelt, einschließlich geplanter Kinderbetreuung. Am Rübgarten könne auf 750 Quadratmetern ein Ärztehaus gebaut werden, die Planung sei sofort möglich, auch für ein MVZ. Scheibs Resümee: „Man sieht ganz viel in Biblis“.

    Hannelore Nowacki

     

     

     

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