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  • Mi., 08. März 2023, 14:52 Uhr
    NATURSCHUTZ: Invasive Art als Gefahr für Bienenvölker / Gegenüber Menschen friedlich / Weitere invasive Arten im Kreis

    Asiatische Hornisse auf dem Vormarsch

    Die Asiatische Gelbbeinhornisse ist als invasive Art eingestuft. Foto: Imkerverein Worms / Sebastian Besier


    KREIS BERGSTRASSE – Sie kann fliegen wie eine Libelle und lauert in der Luft stehend mit Vorliebe schwer beladenen Honigbienen bei deren Rückkehr am Einflugloch des Bienenstocks auf. Auch für Hummeln, Wildbienen und sogar für heimische Wespen ist die eingeschleppte Asiatische Gelbbeinhornisse (Vespa velutina nigrithorax) eine Gefahr, denn die „generalistischen Beutegreifer“ verfüttern das filetierte Brustfleisch ihrer Opfer an die Brut. Adulte Tiere laben sich hingegen überwiegend an Fruchtsäften reifer Äpfel, Birnen oder etwa Trauben. Generell sind Hornissen im Grunde friedlich und für Menschen ungefährlich. Stiche der eingeschleppten Art entsprechen denen einheimischer Hornissen und Wespen. Angewandt werden sie hauptsächlich dann, wenn ihre Nester in Gefahr zu sein scheinen.

    Auch im Kreis Bergstraße ist die Asiatische Hornisse wie auch im benachbarten Worms keine Unbekannte: Der Unteren Naturschutzbehörde (UNB) des Kreis sind insbesondere nach Meldungen von Imkern sowohl Sichtungen als auch Nester der Asiatischen Hornisse aus dem vergangenen Jahr bekannt. Aus dem Jahr 2023 liegen bislang keine Meldungen über Sichtungen vor, hier steht die Saison allerdings noch bevor. Die UNB geht aktuell davon aus, dass im vergangenen Jahr zahlreiche Jungköniginnen ausgeflogen sind, die in diesem Jahr neue Staaten gründen werden.

    Verlust ganzer Bienenvölker

    Erste Imker in Deutschland beklagen den Verlust ganzer Völker, denn schnell realisiert die Asiatische Hornisse – nicht zu verwechseln mit der in den USA eingeschleppten Asiatischen Riesenhornisse (Vespa mandarinia) alias „Mörder-Hornisse“ –, dass in der Nähe von Bienenständen reiche Beute zu holen ist. Bis zu 80 Prozent ihrer Beutetiere können dann Honigbienen sein. Erfahrungen aus Spanien und Frankreich illustrieren, dass auch gewerblicher Obst- und Weinanbau bedroht sind.

    Die Königin der Asiatischen Hornisse baut in der Regel im Frühling zunächst ein kleineres Ursprungsnest in niedriger Höhe in Büschen und Sträuchern und später ein Hauptnest in der Größe eines Medizinballes in den Baumkronen hochwachsender Bäume. In schwindelerregender Höhe werden sie dort hauptsächlich erst im Spätherbst entdeckt, wenn kein Laub mehr die Sicht nimmt – und zwischen 200 und 600 Jungköniginnen pro Nest ausgeschwärmt sind. Im Extremfall sogar bis zu 1.000 Jungköniginnen. Charakteristische Merkmale der Asiatischen Gelbbeinhornisse sind ein dunkelbrauner bis fast schwarzer Rücken und zwei unterschiedlich breite gelbe Binden am Hinterleib. Ihr Kopfschild ist gelb, wie auch ihre Beinspitzen. Die unter Naturschutz stehende Europäische Hornisse hat eine rötliche Brust, rot-braune Beine und einen gelben Hinterleib mit dunklen Punkten.

    Links ist die Asiatische Hornisse (Vespa velutina) und rechts die Europäische Hornisse (Vespa crabro) dargestellt. Graphik: HLNUG / Lisa Schwarz


    Asiatische Hornissen bitte melden


    Beim Hessischen Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) können Sichtungen gemeldet werden, das HLNUG kümmert sich auch um die Entfernung der Nester. Die Untere Naturschutzbehörde unterstützt dabei im Rahmen ihrer Möglichkeiten, etwa indem sie dem HLNUG, deren Velutina-Beauftragten und Imkern durch Auskünfte und Recherchen zu Fragestellungen hilft, zu denen diese keinen oder nur sehr zeitaufwändig Zugang haben oder bei denen die UNB durch Ortskenntnisse helfen kann. Zudem hat die UNB im vergangenen Jahr an einem Monitoring des HLNUNG teilgenommen. Dabei wurden Hornissenlockstofffallen in Heppenheim aufgehängt und täglich kontrolliert, da diese Lockstoffe auch die geschützten heimischen Hornissen anziehen. So sollten asiatische Hornissen gefangen und deren Nest lokalisiert werden. Das Eintragen von Sichtungen ist unter der folgenden Internetadresse möglich: https://meldeportal-hessen.multibasecs.de/CloudPages/136/AddBeobachtung.aspx?ID_Art=1051572&Type=N

    Invasive Arten als Problem

    Im Kreis gibt es zudem mehrere weitere invasive Arten, die Probleme bereiten, zum Beispiel den amerikanischen Signalkrebs, der den heimischen Steinkrebs verdrängt oder den Waschbären, der als Allesfresser Vögeln, Kleinsäugern und Amphibien massiv zusetzt. Bei den Pflanzen sind das indische oder drüsige Springkraut „Impatiens glandulifera“, und der Japanische Staudenknöterich „Fallopia japonica“ häufig durch unsach- und unrechtmäßige Ablagerung von Gartenabfällen und Bodenmaterialien verbreitet worden. Für das Monitoring und die Maßnahmen gegen invasive Arten sind aber überkreisliche Institutionen wie das HLNUG und das Regierungspräsidium in Darmstadt oder – wie im Fall des Beifußblättrigen Traubenkrautes (Ambrosia) -  das Julius Kühn-Institut des Bundes zuständig. Die Kreisverwaltung unterstützt diese Institutionen, berät Bürgerinnen und Bürger auf Anfrage oder leistet – wie etwa bei einer Veranstaltung zur Asiatischen Tigermücke am 30. März um 18 Uhr im Bürgerhaus Bürstadt – Aufklärungs- und Öffentlichkeitsarbeit. Florian Helfert / Benjamin Kloos

     

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