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  • Mo., 03. April 2023, 14:46 Uhr

    Asiatische Tigermücke in Bereichen von Bobstadt und Bürstadt angekommen

    Die Erste Kreisbeigeordnete und Gesundheitsdezernentin Diana Stolz (vorne) hatte zur Infoveranstaltung über die Gefahr und Bekämpfung der Asiatischen Tigermücke die Bürger und die Experten (v. l.) Dipl.-Biologe Dirk Reichle (Wissenschaftlicher Direktor der KABS), Diplom-Biologe Artur Jöst sowie Dr. Elisa Stickler und Dr. Andreas Larem vom Hessischen Landesamt für Gesundheit und Pflege (HLfGP) ins Bürgerhaus eingeladen. Foto: Hannelore Nowacki


    BÜRSTADT – Augen auf – die Tigermücke soll sich nicht ausbreiten können, ihre weitere Ansiedlung und Vermehrung muss verhindert werden. Ende März, Anfang April beginnt die Tigermückensaison, also höchste Zeit, alle Möglichkeiten der Eiablage trockenzulegen. Die Gesundheit zu schützen und die Lebensqualität im Ried und Kreis Bergstraße und natürlich auch anderswo zu erhalten, war Thema der Informationsveranstaltung am Donnerstag im Bürgerhaus mit Experten aus der Wissenschaft und den Behörden des Kreises Bergstraße. Sensibilisieren und auf diese gefährliche Stechmückenart aufmerksam zu machen, darauf kommt es den Fachleuten zunächst an.

    Diese schwarz-weiß gestreiften kleinen Plagegeister überhaupt zu erkennen und den Befall der Stadtverwaltung zu melden, sind neben Vorbeugemaßnahmen im eigenen Umfeld die besten Voraussetzungen, diesen Gesundheitsschädling zu bekämpfen. So ist es im Infektionsschutzgesetz in Verbindung mit der Schädlingsbekämpfungsordnung auch vorgesehen. Grundstückseigentümer in Hessen sind zur Meldung an die Stadtverwaltung und zur Bekämpfung sogar verpflichtet. Die meisten Meldungen kommen von aufmerksamen Bürgern. Jeder kann mithelfen und etwas bewirken, war die Botschaft – und bei Befall sollte man die Tigermücken-Bekämpfer aufs Grundstück lassen. Wie bei der hier heimischen Stechmücke, der ungeliebten Rheinschnake, geht die Kommunale Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnakenplage (KABS) an allen bekannten Brutplätzen mit dem bekannten biologischen Mittel auch gegen die Tigermücke vor.

    An der Informationsveranstaltung auf Einladung des Kreises Bergstraße nahmen die Erste Kreisbeigeordnete und Gesundheitsdezernentin Diana Stolz, die Präventionsbeauftragte Reinhild Zolg und Bürgermeisterin Barbara Schader teil. Mit der Resonanz waren sie sehr zufrieden, denn über fünfzig Bürger waren gekommen, die nach den Vorträgen ihre Fragen und Erfahrungen einbrachten. An zwei Leuchtmikroskopen konnten sich die Besucher selbst ein Bild von der Tigermücke und weiteren eingewanderten tropischen Stechmückenarten machen. Diplom-Biologe Artur Jöst, Leiter der AG Exotische Stechmücken bei der KABS, hatte die präparierten Tierchen mitgebracht.

    Auch Roland Wendling schaute intensiv durch die Linsen. Auf keinen Fall will er, dass der Teich im Garten seines Vereins der Garten- und Naturfreunde Bürstadt zur Brutstätte der Tigermücke wird. Wenig später war klar: In belebten Teichen mit Fischen und Fröschen werden die Eier gefressen, erklärte Referent Jöst. Tagaktiv ist diese kleine schwarz-weiß gestreifte Stechmücke und sehr stechfreudig, das merken seit einiger Zeit mehrere Einwohner in Bürstadt und Bobstadt. Ein Aufenthalt auf der Terrasse, dem Balkon oder im Garten wird für Erwachsene und Kinder ganz schnell zur Qual – Tür zu und drinbleiben, heißt es für sie, wenn andere die schöne Jahreszeit draußen genießen. Jöst wünscht sich, dass alle Bewohner in den betroffenen Bereichen die Tigermückenbekämpfer hereinließen.

    Um eine Ausweitung des Befalls festzustellen, stelle die KABS entsprechende Fallen auf. Aus der asiatischen Waldmücke ist durch Anpassung ein Kulturfolger geworden, dessen Eier gegen Kälte und Trockenheit resistent sind. Gefährlich sind diese Plagegeister, weil sie lebensbedrohliche Krankheitserreger übertragen können, die zum Beispiel das Dengue-, Chikungunya- und Zika-Fieber auslösen. Darüber klärten Dr. Andreas Larem und Dr. Elisa Stickler vom Hessischen Landesamt für Gesundheit und Pflege (HLfGP) im Detail auf. Bislang kommen Erkrankungen eher bei Reiserückkehrern vor. Der Stich an sich sei nicht gefährlicher als ein sonstiger Mückenstich, war zu erfahren, schützen könne man sich mit den üblichen Mitteln, die vorzugsweise den Wirkstoff DEET enthalten.

    Unter dem Mikroskop war die sehr kleine Tigermücke zu sehen – unverkennbar mit weißen Streifen, nur bis zu einem Zentimeter groß. Foto: Hannelore Nowacki


    Was jeder tun kann

    Was kann jeder tun? Auf jeden Fall der Stadtverwaltung melden und die Bekämpfer der KABS unterstützen. Bei gesundheitlichen Fragen ist das Gesundheitsamt in Heppenheim zuständig sowie der Hausarzt. Bei weiteren Fragen rund um das hessische Tigermücken-Monitoring sowie Empfehlungen zur Prävention und Bekämpfung wende man sich an das Hessische Landesamt für Gesundheit und Pflege (HLfGP). Diplom-Biologe Jöst berichtete in seinem Vortrag über die erstaunlichen Fähigkeiten der Tigermücke sich in kleinsten, stehenden Wasseransammlungen zu vermehren und vom Blut der Menschen zu ernähren, die sie zu jeder Tageszeit überfallen und gerne mehrere Menschen nacheinander stechen. Alle können verhindern, dass auch an nicht offensichtlichen Stellen selbst kleinste Wassermengen länger, also bis zu fünf oder sechs Tagen, stehen bleiben wie in Spielsachen, in Ablaufrinnen vor Garagen und Kabelschächten, in Pflanzkästen mit Wasserreservoir und Blumenuntersetzern, im Halter von Sonnenschirmen, im Wasser auf Abdeckplanen und in verstopften Dachrinnen. Sogar Temperaturen von bis zu minus 10 Grad überdauern die Eier. An mehreren Fundorten in Hessen ist die Tigermücke seit zwei Jahren nachgewiesen. Eine Anwohnerin der Schanzenstraße berichtete von fünfzehn Stichen in einer Viertelstunde. Am liebsten lebt diese gefährliche, relativ kleine Stechmücke in warmen Gegenden wie am Oberrhein und hier im Verbreitungsgebiet des Netzwerks Ortsnahe Versorgung Ried (NORIE), begünstigt noch durch den Klimawandel. Im Hafen von Genua landete sie 1990 mit einer Reifenlieferung aus Georgia/USA an und hat mittlerweile Italien erobert und den Weg über die Alpen mit allen möglichen Transportmitteln nach Deutschland gefunden, wo 2007 der erste Nachweis gefunden wurde. Meldung der Asiatischen Tigermücke mit E-Mail und Bild an tigermuecke@kabsev.de. Kontakt Task-Force „Tigermücke“: Artur Jöst (artur.joest@kabs-gfs.de). Hannelore Nowacki

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