Kerwe am Sonntag mit Frühschoppen – ein Dorf feiert und lacht
Auch ohne Zylinder geht‘s
Auf die Riedroder Kerwe muss einer getrunken sein – dazu gab es viele Anlässe bei der „Kerweredd“. Foto: Hannelore Nowacki
RIEDRODE – Die Kerwe lief auf Hochtouren. Rund um den Dorfbrunnen war das Kerwedorf aufgebaut und ein rasantes Fahrgeschäft gab es auch. Nur der Kerwebaum war am Sonntag noch aufzustellen und die Kerwerede zu halten, nachdem ein weiterer Höhepunkt beim Frühschoppen im vollen Festzelt über die Bühne gegangen war. Schon zum vierten Mal hatten die Bensheimer Blütenweg-Jazzer mit Bandleader Bruno das Publikum mit ihrem fröhlichen Dixieland-Sound begeistert und auch Fans über die Grenzen von Riedrode hinaus angelockt. Nach einem Umzug der Kerweborsch und Mädels durch den kleinsten Ortsteil Bürstadts erhielt der Kerwekranz ein paar Spritzer, ruckzuck war der blauweiß geringelte Kerwebaum am Brunnen ins Loch eingepasst.
Markige Sprüche hallten ans Ohr, wie es bei der Kerwe Brauch ist. „Die Kerwe ist unser“, soviel stand fest. Moni & Wolf mit Mr. Sax gaben den Tönen den Gute-Laune-Schwung. Im Biergarten und im Festzelt war der Samstag ein ganz heißer Tag und auch die Nacht war für so manchen Riedroder und die Hälfte der Kerweborsch nicht zum Schlafen da. So kam es, dass die Kerweredd Maximilian Molitor und Sebastian Kreiling ganz ohne Zylinder auskommen musste und Mundschenk Fabian Kreiling beinahe den großen Weinpokal gänzlich vergessen hätte. Aber das Tolle an der Sache, fast hätte es keiner im Festzelt bemerkt. Doch ein kundiger Zwischenruf „wo sind die Zylinder“ – brachte den ersten Lacherfolg. Fassanstich und die Freibierausgabe an die Gäste im dicht besetzten Zelt zeugten von großer Routine. Erwartungsvoll richteten sich die Blicke zur Bühne, wo die Kerweborsch ihren Durst löschten, um für die nächsten Stunden gerüstet zu sein. Entzückende Kerwemädels haben ihr Amt übernommen.
Kerwevadder Molitor stellte Miriam Hoffmann und Laura Kolander vor, auch unter die Kerweborsch haben sich drei neue gemischt. Ortsvorsteherin Kirstin Garb sah trotz kurzer Nächte beste Voraussetzungen für ein weiteres Gelingen der Kerwe, denn „der Brunne ist geputzt“ und das Organisations-Team hatte mit viel Einsatz für diese vier Tage geschuftet. Bei Kerwe-Ur-Ur-Opa Bernd Deckenbach liefen alle Fäden zusammen, das brachte ihm als Dank einen Sack Zement und andere Aufmerksamkeiten ein, die er vor Publikum auf der Bühne auspacken durfte. Viel zu lachen hatten die Riedroder mit vertiefter Ortskenntnis bei der Kerwerede, die traditionell als „Kerweredd“ gehalten wird. Wer war wieder dran? „Mir zwoo kenne des doch widder mache, do henn die Leit a was zu lache“. Zum Beispiel beim Thema Weihnachtsbaum, ein krummes Gewächs, das Riedrode berühmt machte. Ein Besuch im Bürgerhaus lohnte sich für alle Liebhaber der hohen Backkunst.
Hannelore Nowacki
Gleich ist es geschafft. Wenn der Kerwebaum steht, kann es im Festzelt zur Sache gehen. Foto: Hannelore Nowacki