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Di., 16. Juli 2019, 10:41 Uhr
Wird Bienen- und Insektensterben und Naturschutz in Bobstadt nicht ernst genommen? / Stadtverwaltung weist Vorwürfe der Bürger zurück
Aufregung über Umgang mit Natur in Naturoase Chausseeallee in Bobstadt
Der direkte Vergleich: Erstrahlte in der Naturoase Chausseeallee in Bobstadt im Juni noch ein Blütenmeer ist davon im Juli nichts mehr zu sehen. Foto: Hildegard Schwara
BOBSTADT – Seit einigen Jahren freuen sich die Bobstädter Bürger über Ihre Naturoase Chausseeallee, mit schöner Teichanlage und Sitzbankgruppe sowie zwei Sitzbänken. Besonders die Hundebesitzer mit Ihren Vierbeinern sind angesichts der Wege um den Teich und der dahinter liegenden kleinen Waldfläche erfreut. Auch die Hundekottüten werden – in den meisten Fällen –benutzt und können in den beiden aufgestellten Abfallbehältern entsorgt werden.
Speziell im Monat Juni erfreute eine fantastische Blumenwiese mit vielen Wildblumenarten Herz und Augen. Bei interessierter Betrachtung konnte man Bienen, Hummeln, Libellen, Grashüpfer, Käfer und allerlei Insekten beobachten. Auf dem Boden krochen Eidechsen und viele Katzen hielten Ausschau nach Mäusen. Für das Gehör zwitscherten die Vögel und es gab täglich ein Froschkonzert. Auch zwei Wildgänsepaare kamen ab und zu am Teich an, um eine Runde zu schwimmen.
Anfang Juli dann das Entsetzen: Die Wiese war abgemäht und setzte dem Naturschauspiel ein jähes Ende. Enttäuschte Bürger haben sich an den TIP gewandt und über diese Aktion berichtet. Daraufhin fragte der TIP sowohl bei Ortsvorsteher Uwe Metzner als auch bei der Stadtverwaltung Bürstadt an, warum die Wiese ausgerechnet zum Zeitpunkt ihrer vollen Blüte abgemäht wurde. Hierzu betonte die Stadtverwaltung, dass „Wiesen in ihrer Artenvielfalt nur gefördert werden und erhalten bleiben können, wenn sie regelmäßig gemäht werden, sonst kommt es zur Verbrachung und Verbuschung. Der klassische Mahdzeitpunkt für artenreiche zweischürige Frischwiesen liegt zwischen dem 15. Juni und dem 15. Juli.” Demnach erfolgte die Wiesenmahd in der Chausseeallee am 25. Juni. Der zweite Schnitt erfolgt laut Verwaltung in der Regel im September.
Eine weitere Frage bezog sich auf die Möglichkeit, in den kommenden Jahren darauf zu achten, städtische Flächen mit Blühpflanzen nicht während deren Blütezeit zu mähen. Hierzu äußerte sich die Stadtverwaltung wie folgt: „Das muss differenziert betrachtet werden. Innerstädtische Wegränder zum Beispiel müssen anders behandelt werden als Brombeerfluren und wieder anders als magere Wiesen. Zudem muss es natürlich auch von der Bewirtschaftung her handhabbar bleiben.
Momentan ist die Wiese in der Chausseeallee sehr nährstoffreich, da es mal eine Ackerfläche war. Deshalb ist zur Zeit die Mahd zweimal jährlich erforderlich. Längerfristig könnte die Mahd auf einen Durchgang im Jahr reduziert werden, somit würde sich dann auch der Mahdzeitpunkt nach hinten verschieben. Jedoch begegnet man in der Maßnahmengestaltung vielen Meinungen. Manche monieren, dass die Chaussee-Allee „ungepflegt“ bzw. „verwildert“ sei, oder dass die Wege zuwachsen. Diese Meinung steht natürlich im genauen Gegensatz zu ‚Warum wurde die bis dato blühende Wiese abgemäht?’ Wir versuchen im Spannungsfeld Naturschutz und Bürgerwünsche einen sinnvollen Kompromiss zu erzielen.”
Ein weiteres Thema, über das der TIP anfragte, war, welche weiteren Maßnahmen seitens der Stadtverwaltung zum Schutz und zur Unterstützung der Natur und insbesondere von Bienen und Insekten geplant oder wurden bereits durchgeführt sind und welche Ersatzpflanzungen gerade vor dem Hintergrund des immer mehr in den Bewusstsein rückenden Schutz der Natur und des gleichzeitigen Bienen- und Insektensterbens geplant oder erfolgt sind, um diesen eine Heimat zu geben. Hier strebe die Stadt Bürstadt an, auf bestimmten hochwertigen Grünflächen das Mahdregime zu verändern. Die Mahd soll dann abschnittsweise und zeitlich versetzt stattfinden. Des Weiteren werden diverse Wiesenflächen ausgemagert, um die Artenvielfalt der Blühpflanzen zu vergrößern und somit den Bienen und Insekten mehr Lebensraum zu bieten. Auch wurden auf Ackerflächen Blühstreifen für Feldlerche und andere Bodenbrüter angelegt.
Neben Bienen und weiteren Insekten fühlten sich auch Schmetterlinge in der Naturoase Chausseeallee in Bobstadt heimisch. Foto: Hildegard Schwara
Ortsvorsteher Uwe Metzner merkte an, dass die Unterhaltung und Pflege dieser Ausgleichsfläche der Stadtverwaltung obliegt und in der Regel fremd vergeben wird. „Im Ortsbeirat und auch beim Runden Tisch Natur, in dem viele Experten sitzen, wurde die angesprochene Problematik diskutiert. Am sinnvollsten wurde erachtet, dass diese Fläche zweimal pro Jahr gemäht wird. Dies soll in Abstimmung mit dem kompetenten Mitarbeiter der Verwaltung, der auch den runden Tisch Natur begleitet, erfolgen. Wenn diese Bedingungen eingehalten werden, wird sicherlich das Richtige für diese Ausgleichsfläche in Sachen Natur getan. Sicherlich sieht eine Wiese, die grade abgemäht wurde, für den Betrachter nicht so schön aus. Ist aber auch aus Sicht der Umwelt eine notwendige Maßnahme. Mehr Probleme sehe ich in der Unterhaltung der Wege, die von unerwünschten Bewuchs freigehalten werden sollen.” red
Kommentar von Benjamin Kloos
Mitdenken hilft der Natur!
Umwelt- und Klimaschutz sind derzeit zentrale Themen in der öffentlichen Diskussion. Hier spielt auch immer wieder der Schutz von Natur und besonders von Bienen und Insekten eine Rolle. Die Bürger werden nicht nur dazu angehalten, Blumen zum Wohl der Bienen und Schmetterlinge zu pflanzen sondern auch ihre Vorgärten zu begrünen und hier Steinwüsten zu verringern.
Gerade in diesem Zusammenhang sollte eine Stadt als Vorbild dienen und öffentliche Flächen nicht nur begrünen, sondern gerade blühende Wiesen, die zahlreichen Tieren und Pflanzen als Schutz und Heimat dienen, schützen und erhalten. Stattdessen wurde in Bobstadt in der der Naturoase Chausseeallee eine Wiese abgemäht, die in vollster Blüte stand und Ausdruck von Artenvielfalt war. Hierbei wurde nicht nur der Lebensraum zahlreicher Insekten, Eidechsen oder Nager vernichtet, sondern auch die Lebensgrundlage zahlreicher weiterer Tiere wie Bienen, Schmetterlinge und Insekten, aber auch der Wasservögel, die hier Schutz suchten, gedankenlos eingeschränkt.
In Lampertheim wurde auf dem Europaplatz Gemüse gepflanzt, gleichzeitig werden in Bobstadt blühende Landschaften vernichtet – aufgrund vorgegebener Mähtermine entstand so aus einem Biotop eine Einöde. Diesbezüglich stellt sich die Frage, warum es zwei festgelegte Mähtermine gibt, an denen strikt festgehalten wird. Hier wäre es sicher sinnvoll, entsprechende Flächen nach Bedarf zu mähen – zumal von einer Verbrachung oder Verbuschung zum jetzigen Zeitpunkt sicher keine Rede sein kann.
Hier hätte ein Zeichen für den Natur- und Umweltschutz gesetzt werden können, in dem man die Wiese als blühendes Biotop erhalten hätte – diese Chance wurde vertan.