
LAMPERTHEIM – Der Zivilisationsbruch durch die Verfolgung jüdischer Mitbürger in der Nazizeit hat auch in Lampertheim stattgefunden. Wo bis zur Zerstörung durch Brandstiftung der Nazis am 10. November 1938 die Synagoge an der Wilhelmstraße stand, erinnert heute an der Rückseite des Parkhauses eine Bronzetafel an das damalige grausame Geschehen. An dieser Stelle wurde auch in diesem Jahr wieder der Novemberpogromnacht gedacht. Eingeladen hatten Stadtverordnetenvorsteher Franz Korb, Bürgermeister Gottfried Störmer und Norbert Fuchs vom DGB-Ortsverband alle Bürger. Im Rahmen der Gedenkstunde hielt Bürgermeister Gottfried Störmer vor über hundert Teilnehmern seine große Rede. Störmer dankte den Schülern des Lessing-Gymnasiums (LGL) für die musikalische Umrahmung und die Programmgestaltung mit Vorträgen und szenischen Darstellungen, die an das missglückte Attentat Stauffenbergs auf Hitler und an den Prozess gegen Pater Alfred Delp erinnerten.
Im ersten Teil seiner Rede ging Störmer auf die historischen Ereignisse ein, im zweiten Teil stellte Störmer die aktuelle Situation in Deutschland und der Weltpolitik mit Blick auf eine vermehrte Entwicklung der politischen Mitte nach rechts dar. Störmer schloss seine Ausführungen mit dem Appell: „Lassen Sie uns zusammenstehen, lassen Sie uns gemeinsam unsere Demokratie, unsere Freiheit und unseren Frieden verteidigen – jeder auf seine Art, aber alle gemeinsam“. Der Applaus bestätigte ihn. Störmer berichtete von seinem kürzlichen Besuch der Gedenkstätte Buchenwald, wo er einen eigenen Eindruck von der „unvorstellbaren Vernichtungsmaschinerie“ bekam und knüpfte daran einen weiteren Appell: „Es ist unsere Verpflichtung, daran zu erinnern. Ein Vergessen wäre unverzeihlich“. Störmer erinnerte daran, dass in dieser einen Nacht damals 1.400 Synagogen und jüdische Versammlungsstätten zerstört und geplündert wurden, 7.500 Geschäft jüdischer Menschen zerstört und ausgeraubt wurden, Menschen jüdischen Glaubens der Gewalt zum Opfer fielen. In Lampertheim sei die Synagoge erst am 10. November 1938 angezündet worden, die Feuerwehr sollte lediglich die benachbarten Häuser vor einem Übergreifen der Flammen schützen.
Foto: Hannelore Nowacki
„Wir sind sehr froh, dass jüdisches Leben wieder nach Lampertheim gekommen ist“, betonte Störmer und spricht sich dafür aus, für Frieden und Freiheit aktiv einzutreten und wie Joachim Gauck in seiner Gedenkrede zum 70. Jahrestag des 20. Juli 1944 sagte: „Mutig zu unseren Werten zu stehen, uns nicht mitschuldig zu machen, wenn anderen Unrecht geschieht“. In der Stellungnahme der LGL-Schülerverwaltung, die Oberstufensprecherin Franka Wernz verlas, ging es um die Verantwortung auch der nachkommenden Generationen, aus der Lektion der Vergangenheit zu lernen. Mitgefühl und Respekt, Leben in Würde und Freiheit mahnen die Schüler für alle Menschen an. „Damit uns nicht die Schatten der Vergangenheit einholen“. Vor der Gedenktafel waren die Kränze der Stadt Lampertheim und des DGB aufgestellt, Kerzenflammen leuchteten. Bürgermeister Störmer in Begleitung von Stadtverordnetenvorsteher Korb und dem DGD-Ortsverbandsvorsitzenden Lampertheim/Bürstadt Marius Gunkel legten weiße Rosen nieder, gefolgt von den Schülern, die Störmer dazu eingeladen hatte. Auf der Kranzschleife der Stadt Lampertheim war zu lesen: „Den Opfern von Terror und Gewaltherrschaft“. „Nie wieder Krieg und Faschismus“ lautete die Widmung des DGB. In stiller Andacht hörte die Zuschauerrunde dem Beatles-Song „Let it be“ zu, das die Bandcoaching-AG des LGL (Jan Aaron Snaschel, Sofie Strauß und Katharina Zanlonghi) zum Abschluss spielten und sangen.
Hannelore Nowacki













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