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  • Mo., 07. August 2017, 14:10 Uhr
    Landwirte und NABU auf einer Linie – Appell zum Schutz von Versorgung und Natur

    Ausgedehntes Bürstädter Industriegebiet in der Kritik

    Naturschutz und Landwirtschaft an einem Tisch vereint. NABU und Landwirte hoffen auf Unterstützung aus der Bevölkerung und Landwirtschaft für ihre Forderungen. Im Bild (von links: Michael Held (Erster Vorsitzender des NABU Bürstadt), die Ortslandwirte Erich Standfuß und Thorsten Reski, Christel Standfuß und der Lampertheimer Landwirt Dr. Willi Billau (Vorsitzender des Regionalbauernverbandes Starkenburg). Foto: Hannelore Nowacki



    RIEDRODE – Was wächst direkt vor der Haustür, um dann frisch auf den Tisch zu kommen? In und um Bürstadt herum bauen die Landwirte noch viel mehr an als Kartoffeln und Kohl, Zwiebeln und Kräuter, Spargel und Erdbeeren. Diese Regionalität steht bei Verbrauchern hoch im Kurs, doch die landwirtschaftlichen Flächen werden weniger – ganz besonders in Bürstadt und Bobstadt. Die Ortslandwirte in Riedrode schlagen Alarm, denn mit der großflächigen Ausdehnung des geplanten Gewerbegebiets „Brückelsgraben Nord“ im Verbund mit dem Gebiet „Im Mittelfeld Nord“ von Bürstadt und Bobstadt geht weitere landwirtschaftliche Fläche verloren. Eine Entwicklung, die auf die Gefährdung der Existenz und der Versorgung der Bevölkerung mit heimischen Produkten hinauslaufe, wie die Landwirte fürchten. Zum Pressegespräch am Freitagabend im Bürgerhaus in Riedrode hatten Erich Standfuß mit Ehefrau Christel und Thorsten Reski einen weiteren Landwirt am Tisch, den Lampertheimer Dr. Willi Billau, der als Vorsitzender des Regionalbauernverbandes Starkenburg den Blick über die Bürstädter Stadtgrenzen hinaus richtet und für Lampertheim eine ähnliche Entwicklung sorgenvoll betrachtet. 250 Hektar seien in den letzten zwanzig Jahren für Siedlung, Gewerbe und Verkehr verbraucht worden. Der zunehmende Flächenverbrauch besorgt auch den NABU Bürstadt, der mit den Landwirten eine gemeinsame Linie gefunden hat. Michael Held, Erster Vorsitzender des NABU Bürstadt, unterstützt die Landwirte in ihrer Forderung den Flächenverbrauch zu reduzieren und steht auch voll hinter der „Resolution gegen die Vernichtung fruchtbarer Böden“, die der Regionalbauernverband Starkenburg und BUND Hessen an die Hessische Landesregierung richten. Im Bemühen, die Versiegelung von Flächen und Verringerung von Ackerland zugunsten von Neubau- und Gewerbegebieten zu verhindern, stehe der NABU Bürstadt an der Seite der Landwirte, machte Held deutlich. Auch die geplante Umgehungsstraße im Nordosten der Stadt verbrauche fruchtbaren Ackerboden. Von der lokalen Politik fühlen sich die Landwirte abgehängt, beschrieb Billau die Lage. Andererseits ließe die landwirtschaftliche Betriebsführung ein dauerhaftes Engagement in der Lokalpolitik kaum zu, denn bis zu neun Monaten sei man mit Arbeit zu. Das sieht auch Ortslandwirt Standfuß so. Von spärlicher Information sieht sich auch der NABU betroffen, der vor einem Jahr bei der Stadt zum Stand der Planungen nachgefragt habe. Nun hoffen die Gesprächsteilnehmer aus Landwirtschaft und Naturschutz, dass sie aus den Reihen der Bauern und der Bevölkerung breite Unterstützung bekommen, mit dem Ziel einen Kompromiss für das Gesamtkonzept von Gewerbeflächen und Verkehr in Gesprächen mit der Bürgermeisterin und der Stadt Bürstadt zu finden. Hauptziel: Das Gewerbegebiet soll kleiner werden als geplant. „Wir müssen abklären, ob eine Mehrheit dahinter steht“, meinte Billau. Mit der Ausweisung von sogenannten Ausgleichsflächen verliere die Landwirtschaft doppelt, gab Billau zu bedenken. Geholfen wäre den Landwirten mit einer starken Reduzierung des Flächenverbrauchs, der in Südhessen aktuell bei vier Hektar pro Tag liege. Weit unter einem Hektar pro Tag sei die Forderung, verbunden mit einer Bodenentsiegelung anstatt Vergrößerung von Wald als Ausgleichsflächen. „Wir sind nicht mehr bereit Flächenverluste hinzunehmen – wir werden versuchen alles dranzusetzen, was politisch möglich ist“. Die Urbanisierung im Schnittpunkt der beiden Metropolregionen mit Verlusten an Natur und Ackerland, Leerstand von Wohnungen im Ortskern, gesellschaftliche Entmischung in Arm und Reich, die Gesprächsteilnehmer nahmen das große Ganze in den Blick. Hannelore Nowacki


    An der B 44 wird schon an der neuen Verkehrsanbindung des geplanten Gewerbegebietes gebaut. Foto: Hannelore Nowacki


     

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