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  • Do., 02. April 2020, 12:37 Uhr
    Ein Interview mit der Geschäftsführerin Uta Herwig und Pflegedienstleiter Björn Burwitz der Ökumenische Diakoniestation Lampertheim

    Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die ambulante Pflege

    Die Mitarbeiter und Kollegen der Ökumenischen Diakoniestation formulieren ein eigenes Anliegen an ihre Senioren, aber auch den Rest der Bevölkerung, das machen sie mit ihrer Fotoaktion sehr deutlich: „Wir sind weiter für Euch unterwegs - Bleibt bitte für uns daheim". Foto: oh


    TIP: Wie hat sich die Arbeit der Ökumenischen Diakoniestation zu Zeiten von Corona geändert?

    Uta Herwig: Wir haben aktuell vormittags in der Zeit von 8 bis 12 Uhr und  nur nach telefonischer Vereinbarung geöffnet. Außerdem sorgen wir dafür, dass nur noch ein Mitarbeiter beziehungsweise eine Mitarbeiterin pro Büro anwesend ist. 

    Das heißt: neben der Pflegedienstleitung sind maximal noch zwei Mitarbeiter anwesend.

    Björn Burwitz: Zunächst einmal werden wir die Arbeit der Diakoniestation gegenüber unseren Patienten und Patientinnen weiter erbringen. Wir haben allerdings in Absprache mit den Angehörigen die Versorgung individuell angepasst. Das heißt: die Angehörigen, die aktuell zu Hause sind, versorgen ihre Familienmitglieder im gleichen Haushalt selbst. Patienten ohne Angehörige werden weiter von uns versorgt. Dadurch sind weniger Mitarbeiter von uns im Einsatz; aber das ist auch eine Maßnahme zum Schutz unserer Mitarbeiter.

    TIP: Was bedeutet die Coronakrise für die Tagesbetreuung „Meine Zeit“?

    Björn Burwitz: Die Tagesbetreuung in der Kaiserstraße ist besonders betroffen von der Coronakrise. Aufgrund der gesetzlichen Vorgaben haben wir diese vorerst bis zum 19. April 2020 geschlossen. Genauso betroffen ist auch die Einzelbetreuung in der Häuslichkeit. Hier sind wir nur noch bei den Patientinnen und Patienten, die sozial vereinsamen würden. Schlussendlich wurden die Hausbesuche auf ein absolutes Minimum reduziert. Die Pflegeberatungsbesuche nach § 37 (3) SGB XI wurden vom Gesetzgeber ohnehin ausgesetzt. Da müssen wir abwarten. Aber unser Menüservice findet statt, ebenso die notwendigen Begleitungen zum Arzt und nach wie vor bieten wir unseren Einkaufservice an.

    TIP: Welche besonderen Maßnahmen müssen sie derzeit treffen?

    Björn Burwitz: Zu den ohnehin gültigen Hygienemaßnahmen wie zum Beispiel hygienische Händedesinfektion und das Tragen von Schutzausrüstung sind die Kollegen jetzt auch mit Schutzmaske unterwegs, wie es vom Robert-Koch-Institut empfohlen wurde. Besonders dankbar sind wir für die gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit unserer Hygienebeauftragten und den Kollegen in der Pflege. Wir erfahren hier eine wertvolle Ergänzung zu der täglichen Routine und stellen fest, dass die Sorgen auf viele Schultern verteilt, den Einzelnen weiniger belasten.

    TIP: Wie gewährleistet die Ökumenische Diakoniestation den Schutz der Senioren, aber auch der Mitarbeiter?

    Uta Herwig: Unsere Senioren schützen wir, indem wir uns selbst schützen und darauf achten, dass wir gesund bleiben. Besonders wichtig ist es, dass wir alle Beteiligten umfassend aufklären, sowohl über das Virus, aber auch über die effektiven Schutzmaßnahmen. Dafür müssen wir ausreichend Desinfektionsmittel, Handschuhe und Schutzmasken zur Verfügung stellen. Gott sei Dank sind wir gut vernetzt mit der Stadt Lampertheim und den ortsansässigen Apotheken, die uns unkompliziert mit Desinfektionsmittel unterstützen. Die Lorscher Firma Prisman beispielsweise hat uns in der vergangen Woche insgesamt acht Kanister gespendet. Vielen Dank hierfür.

    TIP: Wie reagieren die Senioren auf die derzeitige Ausnahmesituation?

    Björn Burwitz:  Wir erfahren derzeit eine große Zustimmung für die Maßnahmen, so einschränkend sie teilweise für den Einzelnen sind. Das bedeutet aber auch, dass wir dringende pflegerische Versorgungen eben nur nach Abwägung aller Risiken aufnehmen können. Aber auch hier stoßen wir auf großes Verständnis der Senioren und deren Angehörigen. 

    TIP: Sicher ist die Angst und der Redebedarf bei den Senioren gestiegen. Haben Sie im Moment überhaupt die Zeit für lange Gespräche?

    Uta Herwig: Gerade jetzt sind wir Gesprächspartner besonders gefragt, einfach weil unsere Besuche manchmal das Highlight des Tages sind. Die Kolleginnen und Kollegen wissen das und sind darauf eingestellt. Wir als Betrieb geben hier die erforderlichen Freiräume. Das gehört zu unserem Selbstverständnis als diakonisch-kirchliche Einrichtung.

    TIP: Wie reagieren die Angehörigen? Was raten sie den Angehörigen?

    Björn Burwitz: Natürlich sind die Angehörigen sehr besorgt. Die pflegebedürftigen Familienmitglieder sind schließlich die erklärte Risikogruppe. Wir können an dieser Stelle nur das raten, was auch die Bundeskanzlerin rät: Abstand ist die beste Fürsorge! 

    Fehlende persönliche Besuche und Kontakte könnten durch den Einsatz der modernen Kommunikationsmittel ersetzt werden. Weiterhin gilt für alle,  Ruhe zu bewahren und besonnen zu bleiben. Die Diakoniestation in Lampertheim steht allen Fragen , die diese Krise mit sich bringt, offen gegenüber. 

    TIP: Vielen Dank Frau Herwig und Herr Burwitz, dass sie sich die Zeit für das Interview genommen haben! 

     

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