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Fr., 05. April 2019, 09:07 Uhr
CDU- und FDP-Fraktionsvorsitzende verteidigen Neubaugebiete und neue Gewerbeflächen
Bebauungsplan Mainstraße Nord mit Nachverdichtung richtungsweisend
Die Koalitionspartner, CDU-Fraktionsvorsitzender Jürgen Eberle (links) und FDP-Fraktionsvorsitzender Burkhard Vetter, stellten im Jahrespressegespräch den Sachstand zu zahlreichen Themen vor – mit einem stolzen Resümee. Foto: Hannelore Nowacki
BÜRSTADT – Wie wird sich Bürstadt weiter entwickeln und was wurde schon erreicht? Beim Jahrespressegespräch, zu dem der CDU-Fraktionsvorsitzende Jürgen Eberle und der FDP-Fraktionsvorsitzende Burkhard Vetter ins Back- und Brauhaus Drayß am Mittwoch eingeladen hatten, ging es vor allem um den Sachstand der Themen Wohnen und Gewerbeflächen. Denn Bürstadt ist beliebt, hier wollen über 600 Bauwillige gerne in ihr neues Eigenheim einziehen und die CDU-/FDP-Koalition möchte ihnen diesen Traum ermöglichen. Der Knackpunkt dabei: Das Bauland wird knapp. Zudem sammelt die Interessengemeinschaft „Ackerflächen erhalten“ (IG) zurzeit Unterschriften gegen die Bebauung des Langgewanns in Bobstadt, was beide Lokalpolitiker kritisch sehen, wenngleich Vetter auch Verständnis äußerte. Allerdings hält er die von der IG genannte Zahl von 270 leer stehenden Wohnungen in Bürstadt nicht mehr für aktuell, da diese aus dem Mikrozensus von 2011 stammt. Sollte der Bürgerentscheid Erfolg haben, wäre die Stadt für drei Jahre daran gebunden und könnte keine Ackerflächen aufkaufen, gab Vetter zu bedenken. Das sollte jeder abwägen. Auf Nachfrage des TIP teilte Bürgermeisterin Barbara Schader mit, dass fast 800 Bauwillige ihr Interesse an einer Bauplatzbewerbung bei der Stadt bekundet haben. Diese würden angeschrieben ihre Bewerbung abzugeben, wenn ein Bauplatz verfügbar wäre.
Knappes Bauland
Beide Lokalpolitiker wiesen darauf hin, dass zukünftig kaum noch Flächen für Neubaugebiete zur Verfügung stehen werden, größere Neubaugebiete werde es nach dem Sonneneck nicht mehr geben. Auch der Regionalplan sehe das nicht vor und die Landesregierung setze ebenfalls auf innerstädtische Nachverdichtung. In Bürstadt werde das Baugebiet „Mainstraße Nord“ (Steinlache) exemplarisch für die weitere Entwicklung sein und zeigen wie innerstädtische Nachverdichtung aussehen kann. „Wir halten diesen Bebauungsplan für eine zukunfts- und richtungsweisende Maßnahme“, erklärte Eberle mit Blick auf die neu geschaffenen Möglichkeiten der dortigen Grundstücknutzung. Im kompletten Gebiet gelte ein einfacher Bebauungsplan: „Man kann maximal bauen“. In diesem alten Wohngebiet zwischen Mainstraße, Bahnübergang und B 44 mit großen Grundstücken und Gärten könne angebaut, aufgestockt, abgerissen und in zweiter Reihe gebaut werden, über die Gebäudehöhe gebe es keine Aussage im Bebauungsplan. Beide Fraktionsvorsitzende sehen hier Potenzial für senioren- und behindertengerechtes Wohnen im Familienverband der Generationen, günstig mit kurzen Wegen zum Einkaufen und Bahnhof. In Sachen Sozialwohnungen sei die Gemeinnützige Baugenossenschaft Bürstadt mit 12 Wohneinheiten in der Burgunderstraße aktiv geworden, betonte Vetter und Eberle nannte die Möglichkeit für weitere Sozialwohnungen nach dem Aufstellungsbeschluss in der Römerstraße.
Arbeiten und Gewerbe
„Einen Spagat zwischen Wohnen und Gewerbeflächen zu finden“ strebt Vetter an, „dem Wunsch der Menschen zu bauen muss man Rechnung tragen“. Wachstum könne man nicht von heute auf morgen stoppen, auch an Steuereinnahmen sei zu denken. Zu beachten sei, dass viele ortsansässige Firmen in Bürstadt Flächen suchen. Kleinteiliges und mittelständisches Gewerbe mit Flächen von tausend bis fünftausend Quadratmetern sollen laut Eberle besonders in Bobstadt zum Zuge kommen, Wohnen und Arbeiten bevorzugt in einem Gebiet. In Bobstadt könnte noch im Zwerchhaag gebaut werden. Mit Stolz blicken Eberle und Vetter auf Bürstadt, wie es sich „schön nach vorne entwickelt hat“. Vetter weiß von Nachbarkommunen, die nach Bürstadt schauen. „Das ist uns nicht in den Schoß gefallen“, befand Vetter, „ein großes Netzwerk von Ehrenamtlichen, von Menschen, die sich eingebracht haben, gehört dazu“. Hunderte von Arbeitsplätzen seien im neuen Gewerbegebiet am Brückelsgraben geschaffen worden und mit 17.000 Einwohnern sei Bürstadt ein Mittelzentrum, das bei Investoren punktet. Auf der Habenseite verbuchen beide Politiker das Jugendhaus und die „sehr gute Arbeit“ der Verwaltung zum Thema Fördergelder beim Programm „Soziale Stadt“ und „Aktive Kernbereiche“ sowie den Supermarkt in der Innenstadt und das neue Bahnhofsumfeld. „Die Stadt ist vorzeigbar geworden“, stellte Eberle sehr zufrieden fest und Vetter weiß von Müttern, die sich nun gerne in Bürstadt treffen anstatt in Nachbarorten.
Prioritäten und langfristige Pläne
Weitere Pläne sind mehr Fachärzte, denen Immobilien angeboten werden könnten. Die Hundewiese sei auf der diesjährigen Prioritätenliste der Verwaltung, die viele Projekte bearbeite. Vom Sport- und Bildungscampus als Leuchtturmprojekt und Vorbild erwartet Vetter eine Signalwirkung. Nichts übereilen wollen die Koalitionspartner beispielsweise bei der Abwasserreinigung. Bei dieser langfristigen Entscheidung für Jahrzehnte seien Kosten und Nutzen zu klären und was auf den Bürger zukomme – möglichst günstig bei stabilen Preisen. Jedoch dürfe es nicht wie in Lampertheim mit dem ZAKB passieren. Die Koalitionspartner streben in dieser Frage das größtmögliche Einvernehmen im Stadtparlament an. Eberle sieht den nächsten Kommunalwahlen im März 2021 guter Dinge entgegen, da die CDU mit 180 Mitgliedern und „starkem Zulauf“ auch Jüngerer, die mitarbeiten wollen, gut aufgestellt sei. Dem Ortsverband der FDP sind Vetter zufolge Mitglieder und Mandatsträger durch Wegzug abhandengekommen, weshalb er auf neue Mitglieder setzt, die große Chancen auf ein Mandat hätten. Hannelore Nowacki