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  • Fr., 14. August 2020, 09:26 Uhr
    SPD-KREISTAGSFRAKTION: Informationsbesuch beim Bodenberegnungsverband Hofheim / Grundwasser bei zwei Metern

    Beregnung als aktiver Trinkwasserschutz 

    Verbandsvorsteher Reiner Lameli und Geschäftsführer Sebastian Heiser erläuterten den Besuchern die Arbeit des Beregnungs-, Boden- und Landschaftspflegeverbandes Hofheim (BBLV) vor einer der verbandseigenen Hallen. Foto: Hannelore Nowacki


    RIEDRODE/RIED – Nicht immer fällt der Regen wie die Landwirtschaft ihn braucht, dann kommt das nötige Wasser aus den Beregnungsanlagen. 900 Brunnen mit einer Tiefe von 20 Metern auf einer zur Bewässerung erschlossenen Fläche von 10.000 Hektar im Kreis Bergstraße versorgen die Felder mit Grundwasser, das zurzeit in schon zwei bis drei Metern Tiefe anzutreffen ist.  Allerdings nur im fruchtbaren Ried wird beregnet, nicht im Odenwald. Die Geschichte der Beregnung in Südhessen reicht bis ins 19. Jahrhundert zurück, damals gab es Rieselfelder und 1895 wurde die Wassergenossenschaft Griesheim gegründet. Der 1955 in Hofheim gegründete Verband fusionierte später mit Nachbarverbänden zum heute größten Beregnungsverband im hessischen Ried. Der Verein heißt Beregnungs-, Boden- und Landschaftspflegeverbandes Hofheim (BBLV) und ist für seine Mitglieder seit über 60 Jahren neben der Beregnung mit weiteren Dienstleistungen, Maschinenkauf und –Verleih erfolgreich tätig, wenngleich in der Öffentlichkeit wenig bekannt, wie die Besucher und Verbandsvorstände einmütig feststellten. Sitz der Geschäftsstelle ist in Bürstadt. In weitem Bogen legt sich das Wasser über die Kulturen, jeder hat es schon gesehen, aber wie genau funktioniert dieser Zusammenschluss von Landwirten? Dieser Frage ging die SPD-Kreistagsfraktion am Donnerstagabend vor Ort bei den verbandseigenen Hallen in Riedrode nach. Die Fraktion mit ihrem Vorsitzenden Josef Fiedler war mit zehn von siebzehn Mitgliedern in der Urlaubszeit vertreten. Vom zwölfköpfigen Verbandsvorstand waren mit Verbandsvorsteher Reiner Lameli aus Hofheim die Vorstände aus Groß-Rohrheim, Bürstadt, Riedrode, Lorsch und Einhausen gekommen. Mit dem hauptamtlichen Kreisbeigeordneten Karsten Krug, der als Umweltdezernent teilnahm und sich als Landratskandidat vorstellte, hatte Lameli schon im vergangenen Jahr Kontakt aufgenommen. Verbandsgeschäftsführer Sebastian Heiser  informierte die Besucher einführend über Aufgaben und Organisation des Verbandes. Unter den 250 Maschinen, die der Verband aus eigenen Mitteln finanziert, sind zwei Rübenroder zum Anschaffungspreis von je 530.000 Euro im Riesenformat, Mähdrescher von riesigen Ausmaßen, Kartoffelroder, Bodenbearbeitungsgeräte, Häcksler, Schlepper und vieles mehr. Die Mitglieder zahlen zwei Euro pro Hektar Beitrag oder einen Mindestbeitrag von 24 Euro im Jahr, dazu Nutzungsgebühren für Maschinen und eine Bearbeitungsgebühr von zwei Prozent. Landwirtschaft im Vergleich früher und heute: Wo früher 200 Maschinen bei der Rübenernte eingesetzt waren, reichen heute für die 120 Zuckerrübenanbauer zwei Rübenroder, die in einer Stunde ernten, wofür der Landwirt früher 14 Stunden brauchte. So kostengünstig wie möglich wolle der Verband für seine Mitglieder tätig sein, betonte Verbandsvorsteher Lameli, Kosten deckend ohne Gewinnstreben werde gearbeitet. Für die Brunnen habe der Verein die Wasserrechte und stelle die Aggregate zur Verfügung. Mit der Wasserqualität gebe es keine Probleme. Lameli wies darauf hin, dass die Feldberegnung „aktiver Trinkwasserschutz“ sei, da sich der Düngerverbrauch reduziere. Am Ende der Vegetationszeit reiche der Stickstoffgehalt im Boden nicht einmal für eine Zwischenfrucht. Vorstandsmitglied Matthias Heiser aus Bürstadt erinnerte an frühere Zeiten, als es im Ortskern von Bürstadt noch 40 Milchviehhalter gab und in jedem Stall die Schwalben zuhause waren. „So war des“. Nicht die Landwirtschaft sei schuld am Artenrückgang. Schon lange sei die zeit- und kostenträchtige Tierhaltung im Ried zugunsten des Ackerbaus stark rückläufig. Erfreulich sei, dass die Verbraucher die regionale Landwirtschaft und den Einkauf in den Hofläden durch die Schließung von Lokalen und Kantinen während der Coronazeit vermehrt schätzen lernten. 

    Riesige Maschinen sorgen in der modernen Landwirtschaft für Effizienz. Foto: Hannelore Nowacki


    Nach fast zweistündigem Informationsgespräch und Führung durch die Hallen hatten die Besucher eine Vorstellung von moderner Landwirtschaft im Ried sowie von deren Problemen mit der Akzeptanz landwirtschaftlichen Wirkens in der Bevölkerung und Sorgen mit der weltwirtschaftlichen Preiskonkurrenz bekommen. Der SPD-Fraktionsvorsitzende Josef  Fiedler dankte den Gastgebern zum Abschluss und zeigte sich beeindruckt von den Aufgaben, der Organisation und vor allem auch von der kompletten Finanzierung des Verbandes aus aus eigenen Mitteln ohne Zuschüsse der öffentlichen Hand. Auf Kreisebene gebe es wenige Einflussmöglichkeiten zugunsten der Landwirtschaft, aber der Informationsbesuch habe dazu beigetragen, den Blick für Probleme und Strukturen der Landwirtschaft zu schärfen. Krug will sich im Zusammenhang mit dem geplanten Projekt Landschaftspflege auf Kreisebene mit den Verbandsvorständen zum fachlichen Austausch zusammensetzen, was diese sehr begrüßen und sich als Partner anbieten. Dabei werde es auch um den Flächenverbrauch gehen. Krug meinte: „So kann es nicht weitergehen“.  Hannelore Nowacki

     

     

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