
RIED – Zur Verbesserung des Hochwasserschutzes und der Gewässer im Hessischen Ried hat Umweltstaatssekretär Michael Ruhl dem Gewässerverband Bergstraße am Mittwoch in Biblis einen Förderbescheid in Höhe von 12.653.550 Euro übergeben. Mit den Mitteln wird der erste Finanzierungsabschnitt der sogenannten Rheinflügeldeichsanierung an der Weschnitz zwischen den Ortslagen Biblis und Einhausen gefördert. Die Gesamtkosten des Projekts belaufen sich auf ca. 39 Millionen Euro. „Mit den Maßnahmen verbessern wir die Sicherheit unserer Bürgerinnen und Bürger, schaffen aber auch wieder eine naturnahe Flusslandschaft“, so Ruhl.
Darmstadts Regierungspräsident Prof. Dr. Jan Hilligardt übergab bei dem Termin den Planfeststellungsbescheid an den Gewässerverband Bergstraße. „Der Deichbau ist eine der wichtigsten Säulen des Hochwasserschutzes“, betonte der Regierungspräsident. An der Bescheidübergabe nahm auch Landrat Christian Engelhardt in seiner Funktion als Vorsitzender des Gewässerverbandes teil.
Deich wird in weiten Teilen zurückverlegt
Auf einer Strecke von rund 6,5 Kilometern sollen die kommunalen Rheinflügeldeiche an der Weschnitz zwischen Biblis und Einhausen beidseitig saniert werden. Neben der Sanierung wird der Deich in weiten Teilen des Projektgebietes zurückverlegt, um dem Gewässer wieder Raum zur Entwicklung zu geben. Das gesamte Projektgebiet umfasst rund 130 Hektar.
Die bestehenden Rheinflügeldeiche an der Weschnitz entsprechen nicht mehr den heutigen Schutzstandards und weisen Schwachstellen auf. Zu geringe Deichhöhen, zu steile Böschungen, fehlende Deichverteidigungswege sowie ein unzureichender Schutz gegen Wühltiere stellen Schwachstellen dar. Im Rahmen des Projekts werden die Deiche ertüchtigt und als Teil des Rheindeichsystems auf ein 200-jährliches Hochwasser ausgelegt. Dabei wird auch berücksichtigt, dass Hochwasser in der Weschnitz und im Rhein zeitgleich auftreten können.
Durch die abschnittsweise Rückverlegung der Deiche entsteht zusätzlicher Retentionsraum, der bei Hochwasser zur Verfügung steht. Das Rückhaltevolumen erhöht sich von rund 0,3 Millionen Kubikmetern im Bestand auf etwa zwei Millionen Kubikmeter. Damit wird ein zusätzlicher Retentionsraum von rund 1,7 Millionen Kubikmetern geschaffen – ein erheblicher Gewinn für den Hochwasserschutz und Sicherheit der Bevölkerung.
Zudem sollen mit dem Projekt die gewässerökologischen Verhältnisse an der Unteren Weschnitz verbessert werden. Die Weschnitz wurde in den 50er Jahren begradigt. Durch die Deichrückverlegung in einigen Abschnitten wird dem Gewässer wieder mehr Möglichkeit gegeben, damit sich strömungsarme und strömungsreiche Verhältnisse abwechseln können. Dies dient der Verbesserung des ökologischen und chemischen Zustands des Gewässers und der Umsetzung der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie. Weiterhin sollen landschaftsökologische Zonen, die Förderung der Freizeitnutzung entlang des Lebensraum Weschnitz sowie die Minimierung der Einschränkungen für die dort tätigen landwirtschaftlichen Betriebe durch den neuen Trassenverlauf erhalten und geschaffen werden.
Foto: HMLU
Umsetzung in mehreren Bauabschnitten
Der erste Bauabschnitt liegt im Bereich der Gemeinde Einhausen. Dort werden die Deiche erhöht und verstärkt, die Böschungen abgeflacht sowie ein durchgängiger Deichverteidigungsweg hergestellt. Im zweiten Bauabschnitt im Bereich Biblis stehen ebenfalls Maßnahmen zur Verbesserung des Hochwasserschutzes im Fokus. Gleichzeitig beginnt hier die Renaturierung der Weschnitz durch die Rückverlegung der Deiche und die Schaffung eines breiten Gewässerentwicklungskorridors. Im mittleren Abschnitt des Projektgebiets ist eine großräumige Aufweitung der Weschnitz geplant. Hier entstehen neue Lebensräume durch Seitenarme, Inseln, Kiesbänke sowie den gezielten Einbau von Totholz.
Die Bauarbeiten werden dabei möglichst umweltschonend durchgeführt; anfallende Erdmassen werden vollständig vor Ort wiederverwendet. Die Aufsicht über die Maßnahme liegt beim RP Darmstadt, ebenso das Projektmanagement, welches dem im Deichbau erfahrenen Dezernat Staatlicher Wasserbau übertragen wurde. zg
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