BEWEGTER KINDERGARTEN: Zertifikate an drei Bürstädter und eine Bibliser Betreuungseinrichtungen überreicht / Nicole Reinhardt agiert als Schirmherrin
Bewegung für Kinder von größter Bedeutung
In der Kindertagesstätte Sonnenschein erhielten mit der Kita Sonnenschein, der Kita Kunterbunt und der Kinderkrippe Entdeckernest aus Bürstadt sowie der Kita Glückskäfer aus Biblis vier Kinderbetreuungseinrichtungen ihre Zertifikate zum Projekt „Bewegter Kindergarten”. Foto: Benjamin Kloos
BÜRSTADT — Im Wald tollen, rückwärts laufen oder auf einem Bein balancieren – viele Kinder können das heute gar nicht mehr. Oft sind die motorischen Fähigkeiten nicht so weit entwickelt, wie sie es sein sollten. Das haben die Ergebnisse der Schuleingangsuntersuchungen der letzten Jahre gezeigt. Um dem entgegenzuwirken, hat der Kreis Bergstraße das Projekt „Bewegter Kindergarten“ ins Leben gerufen. Dabei geht es vor allem darum, dass die Kinder mit einfachen und spielerischen Mitteln im Kindergarten die eigene Beweglichkeit verbessern. In Bürstadt haben mit der Kita Sonnenschein, der Kita Kunterbunt sowie der Krippe Entdeckernestdrei Kinderbetreuungseinrichtungen an der ersten praktischen Fortbildung teilgenommen, in Biblis mit der Kita Glückskäfer eine Einrichtung.
Aufgrund der Corona-Pandemie konnte bisher leider keine Zertikatübergabe stattfinden – dies wurde am Dienstag nachgeholt. Positiv: 14 weitere Kindertagesstätten und -krippen haben sich mittlerweile kreisweit für dieses sinnvolle Projekt, dessen Schirmherrin die Lampertheimer Kanu-Olympiasiegerin Nicole Reinhardt ist, angemeldet.
Die Erste Kreisbeigeordnete und Gesundheitsdezernentin Diana Stolz erläuterte die Ziele des Projektes „Bewegter Kindergarten”. „Die Schuleingangsuntersuchungen der letzten Jahre haben in alarmierender Form deutlich gemacht, dass dringender Handlungsbedarf besteht. Denn die Bewegungsarmut der Kinder nimmt immer weiter zu. Zehn Prozent der Kinder sind übergewichtig, bei Kindern mit Migrationshintergrund liegt der Anteil noch höher. Extremer sind die Zahlen zudem bei der Fein- und Grobmotorik, hier herrscht häufig ein hohes Defizit. Und das im Alter von fünf bis sechs Jahren, wo Kinder sich normalerweise viel bewegen sollten. Daher müssen wir früher ansetzen. Reimar Bezzenberger hat das Konzept ‘Bewegter Kindergarten‘ erarbeitet und ich bin ihm sehr dankbar dafür. Denn durch Corona hat sich das Problem weiter verstärkt, viele Kinder haben sich noch weniger bewegt. Um so wichtiger ist es, dass hier bereits so gute und wichtige Arbeit geleistet wird”, so die Gesundheitsdezernentin. „Wir haben mit Nicole Reinhardt eine kompetente Schirmherrin, die dem Projekt ein Gesicht gibt. Und wir hoffen, das Sie bereits viel in den Alltag Ihrer Einrichtung integrieren konnten und auch Familien sich immer mehr mit diesem wichtigen Thema auseinandersetzen”, wandte sich Diana Stolz an die anwesenden Erzieherinnen und Erzieher. Dabei sei das Konzept des „Bewegten Kindergartens“ sehr überzeugend, denn es geht darum, mit einfachen Mitteln Bewegung in den Alltag der Kinder zu integrieren. Ziel soll dabei sein, dass die Kinder nicht mehr wie derzeit zu häufig nicht mehr auf einem Bein stehen oder rückwärts laufen können – „denn dies darf nicht sein, daher bin ich den Kindertageseinrichtungen sehr dankbar für ihr Engagement.”
Bürgermeisterin Barbara Schader war angesichts dieses Projektes „sehr bewegt. Es ist alarmierend und erschreckend, wie bewegungsarm unsere Kinder sind. Dabei ist Bewegung gerade in jungen Jahren sehr wichtig, deshalb haben wir uns als Stadt auch das Ziel der gesunden Stadtentwicklung gesetzt. Kinder sollen hier gesund wachsen können. Wichtig ist auch, dass Kinder mehr in Bewegung lernen und nicht nur im Sitzen.”
Auch Bürgermeister Volker Scheib fand lobende Worte für das Projekt. „Wir brauchen aber auch das Elternhaus, das ist Bewegung ist. Es liegt vor allem an der Trägheit unserer Gesellschaft und nicht an der Bewegungsfreude der Kinder. Daher muss es für alle finanziell und zeitlich möglich sein, dass sich die Kinder bewegen können.”
Nicole Reinhardt, Olympiasiegerin 2008 und Schirmherrin, stellte klar, dass sie dieses Projekt gerne unterstützt. „Mein Leben ist geprägt von Sport, bereits von Kindesbeinen an. Ich habe selbst eine kleine Tochter und möchte, dass diese sich bewegt, um das Lernen zu fördern. Dabei geht es keineswegs um Leistungssport, sondern vielmehr um eine frühstmögliche Förderung, damit Bewegung im Alltag selbstverständlich wird. Dabei ist es wichtig, die Bewegung für Kinder im Spiel zu integrieren und in den Alltag mit einzubeziehen. Ich habe selbst einen Teil der Fortbildung mitgemacht und viel für den Alltag übernommen.”
Abschließend berichteten die Vertreterinnen der Kinderbetreuungseinrichtungen über ihre Erfahrungen mit dem Programm. Dabei stellten sie klar, dass Bewegung das ist, was Kinder brauchen. Und dass diese viel aufmerksamer sind, wenn sie sich bewegt haben und ausgelastet sind. „Die Fortbildung hat wichtige Impulse gebracht”, waren sich alle einig. Benjamin Kloos