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  • So., 19. Februar 2017, 19:30 Uhr
    Gemeinsame Resolution der Riedkommunen zum verzögerten S-Bahn-Ausbau

    Bleibt es beim neuen Termin Dezember 2020?

    Die Vertreter der Riedkommunen (von links) bei der Pressekonferenz zur Resolution: Bürgermeister Rainer Bersch (Groß-Rohrheim), Rita Schramm und Bürgermeister Felix Kusicka (Biblis), Brigitte Stass und Bürgermeister Gottfried Störmer (Lampertheim), Erster Stadtrat Walter Wiedemann und Ewald Stumpf (Bürstadt) und Erster Stadtrat Jens Klingler (Lampertheim). Foto: Hannelore Nowacki


    LAMPERTHEIM – Enttäuschung, Unverständnis und auch Ärger war bei den Vertretern der vier Riedkommunen Lampertheim, Bürstadt, Biblis und Groß-Rohrheim im Dezember aufgekommen, als sie der regionalen Presse überrascht entnehmen mussten, dass die Bahn die bereits für  Dezember 2019 angekündigte Inbetriebnahme der zweiten Ausbaustufe der S-Bahn auf der Nord-Süd-Achse um ein ganzes Jahr auf Dezember 2020 verschieben wird. Von der als „Arbeitsgemeinschaft Mittelzentrum Ried“ gemeinsam unterzeichneten Resolution an den baden-württembergischen Verkehrsminister, das Regierungspräsidium, VRN und die Bahn erhoffen sich die Vertreter der vier Kommunen zukünftig eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit frühzeitiger Kommunikation. Wenig überzeugend erscheinen ihnen die von der Bahn vorgebrachten Gründe für die erneute Verzögerung. Insbesondere die Fahrzeughersteller sollen wegen der bundesweit hohen Zahl von Inbetriebnahmen neuer Strecken mit Einsatz neuer Fahrzeuge Lieferprobleme angekündigt haben, eine reibungslose Inbetriebnahme 2019 sei daher gefährdet. Die Riedkommunen gehen davon aus, dass sich weder die Zahl der Anbieter entsprechender Fahrzeugtechnik noch die Wettbewerbsvoraussetzungen gegenüber den Vorjahren verändern werden. Eine Frage drängt sich auf: Bleibt es beim neuen Termin Dezember 2020? Terminverschiebungen gab es bereits auf 2017, dann auf 2019. Mit der Resolution verbindet die „Arbeitsgemeinschaft Mittelzentrum Ried“ auch die Hoffnung, dass die Projektverantwortlichen von weiteren Verzögerungen absehen. Bürgermeister Gottfried Störmer machte deutlich, dass die Kommunen Geld in den Umbau der Infrastruktur an den Bahnhöfen investieren, das  in dieser Zeit anderweitig hätte eingesetzt werden können, Buslinien im Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) seien bereits auf die geplanten S-Bahn-Taktungen abgestimmt worden. Schon jetzt lasse sich eine hohe Belastung der Straßen feststellen, von einem Kollaps wolle er zwar noch nicht sprechen, aber es kämen Baustellen hinzu wie auf der A6 und wenn die Hochstraße in Ludwigshafen gesperrt wird, werde es über die B47 über Rosengarten zu mehr Verkehr kommen, schon jetzt gebe es Staus Richtung Lorsch. Sein Fazit: Der ÖPNV ist nötig.   Rainer Bersch, Bürgermeister in Groß-Rohrheim, fordert eine zuverlässige Zusage für 2020. Das Image der öffentlichen Hand in Sachen Zuverlässigkeit in der Planung solcher Projekte sieht er bereits gefährdet. „Wir müssen es ausbaden“, befürchtet er ebenso wie der Bibliser Bürgermeister Felix Kusicka. Das Vorgehen der Bahn erinnere ihn an fürstliche Selbstherrlichkeit. Vorteil einer S-Bahn-Anbindung für Kommunen sei die Attraktivität für weiteren Zuzug. Erster Stadtrat Walter Wiedemann aus Bürstadt betonte, dass die Arbeitnehmer auf den ÖPNV angewiesen seien, die Verzögerung sei nicht hinnehmbar.

    Die Resolution ist unterzeichnet, verbunden mit der Hoffnung auf eine bessere Kommunikation mit den Riedkommunen Lampertheim, Bürstadt, Biblis und Groß-Rohrheim. Foto: Hannelore Nowacki


    Die Lampertheimer Stadtverordnetenvorsteherin Brigitte Stass erinnerte den Bahnhofumbau, den die Bahn den Bürgern vor etwa fünf Jahren vorgestellt hatte. Der Abbruch der Autobahnbrücke bei Sandhofen im nächsten Jahr werde zu Staus führen. Rita Schramm, in Biblis Vorsitzende der Gemeindevertretung, sieht in der Begründung der Bahn für die erneute Verzögerung nicht nachvollziehbare Ausreden. „Die Bahn ist meines Erachtens nicht mehr glaubwürdig“, meinte sie. Ein Verkehrschaos auf den Straßen der Region sieht sie kommen. Der Bürstädter Stadtverordnetenvorsteher Ewald Stumpf glaubt, „dass diese Herren gar nicht wissen, was sie machen“. Ob die Resolution helfen wird? Bürgermeister Störmer ist sicher, dass die Empfänger der Resolution sich damit beschäftigen werden. Ob eine Reaktion darauf komme? „Warten wir mal ab“. Der ausdrückliche Wunsch: „Wir hätten gerne, dass man in der Kommunikation auf uns zukommt“. Hannelore Nowacki 

    Information

    Die Resolution der „Arbeitsgemeinschaft Mittelzentrum Ried“ mit den vier Riedkommunen bezieht sich auf die am 21. Dezember 2016 veröffentlichte „Gemeinsame Pressemitteilung des Ministeriums für Verkehr, des Zweckverbandes Schienenpersonennahverkehr RheinlandPfalz Süd (ZSPNV Süd) und des Verkehrsverbundes Rhein-Neckar (VRN)“. 

    Mitgeteilt wurde, dass sich die beteiligten Aufgabenträger Baden-Württemberg, der rheinland-pfälzische Zweckverband Schienenpersonennahverkehr Rheinland-Pfalz Süd (ZSPNV Süd) und der Verkehrsverbund Rhein-Neckar (VRN) für den hessischen Kreis Bergstraße darauf verständigt hatten, den Zeitpunkt für die Inbetriebnahme der S-Bahn Rhein-Neckar Los 2 um ein Jahr auf Dezember 2020 zu verschieben. 

     

     
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