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  • Mo., 02. Mai 2022, 19:50 Uhr
    KANU-CLUB LAMPERTHEIM 1952: Tag der offenen Tür im Jubiläumsjahr mit vielen Besuchern, Vorführungen und Mitmachangeboten

    Bootstaufen und Einweihung des barrierefreien Bootshauses als weiterer Schritt in die Inklusion

    Eine Menge Stand-up-Paddling-Boards wurden getauft, für die man Trainingsstunden buchen kann. Foto: Hannelore Nowacki


    LAMPERTHEIM – Bunte Bänder flatterten im Wind, die Bäume und der Altrheindamm schmückten sich mit strahlend frischem Frühlingsgrün, der passende Rahmen für den Tag der offenen Tür am 1. Mai, der mit Gästen aus der Lokalpolitik und Verwaltung, vom Behindertenbeirat und dem benachbarten inklusiven Kindergarten Schwalbennest, Vereinsmitgliedern und interessierten Besuchern unter freiem Himmel gefeiert wurde. Mehrere Anlässe gaben Grund zu feiern, wie Vereinsvorsitzender Manfred Oettrich in seiner Begrüßungsansprache weiter ausführte. Da ist zunächst das Jubiläum, das sich aus dem Vereinsnamen erschließt – 70 Jahre ist der Kanu-Club geworden. Erst kürzlich wurde das 400. Vereinsmitglied begrüßt. Und dank großzügiger Spender konnten weitere Boote und Stand-up-Paddling-Boards angeschafft werden. Pandemie bedingt hatten zwei Jahre keine Bootstaufen stattgefunden. Nach umfangreichen Sanierungs- und Umbauarbeiten konnte am Sonntag auch die Einweihung des barrierefreien Bootshauses gefeiert werden. Der Fahrstuhl, der amtlicherseits wegen der Höhe als Hebeeinrichtung eingestuft wurde, macht das erste Obergeschoss für mobilitätseingeschränkte Menschen zugänglich. Vorteil der Einstufung – keine jährliche TÜV-Prüfung. Auch die neuen sanitären Anlagen sind barrierefrei. Das Motto „Bewegung grenzenlos“ war auf die T-Shirts gedruckt, die zum Tag der offenen Tür am 1. Mai angeschafft und von den Vereinsmitgliedern stolz getragen wurden. Zur Bootstaufe kommen keine Sektflaschen zum Einsatz, das empfindliche Material der Kanus wird mit einem Pinsel gestreichelt, wobei die verwendete Flüssigkeit eine Besonderheit ist und auf einem Geheimrezept beruht. Oettrich ließ das Publikum wissen, dass die Rezeptur dieses Altrhein-Spargeltaufwasser von Vorstand zu Vorstand weitergegeben und verbessert wurde.  Einst von einer Spargelkönigin gesegnet, hat es die wunderbare Wirkung fortdauernder siegreicher Wettkämpfe. „Wir gewinnen Rennen um Rennen“, frohlockte der Vereinsvorsitzende auch mit Blick auf die weitere Zukunft. Bürgermeister Gottfried Störmer wünschte diesen Booten eine erfolgreiche Saison und immer eine Handbreit Wasser unter dem Kiel. „Gaaanz vorsichtig“ ging er zur Materialschonung bei der Bootstaufe von „Achilles“ vor. Sandra hielt das Gefäß mit dem geheimnisvollen Wasser. Christofer Daurer hatte das Boot mit dem Namen „Big Wave“ gespendet, das er gemeinsam mit seiner sechsjährigen Tochter Emma taufte. Landtagsabgeordneter Alexander Bauer (CDU) taufte das Boot „Torpedo“, ein vielversprechender Name. „Nomen es Omen“, war sich Bauer sicher. Stadtverordneter Helmut Hummel (FDP) war für das Boot mit dem Namen „Onkel Otto“ zuständig, das aus dem Vermögen des sich in Auflösung befindlichen Wirtschafts- und Verkehrsvereins Lampertheim finanziert wurde, dessen Erster Vorsitzender Otto Edinger ist. Auch der Fährverein, dessen Vorsitzender der Frischling-Kapitän Werner Reuters war, ist aufgelöst, was dazu führte, dass die aus beiden Vereinen bestehende Gruppe ALA, die sich für den Erhalt des Altrheins einsetzte, ebenfalls aufgelöst ist. Das Boot „Skywalker“ bekam das Spargelwasser von Marvin, Sohn von Günther Baus, Vorsitzender der Lebenshilfe. Iris Henkelmann (Grüne) taufte „Athene“. Sportwartin Ulrike Gliem, die seit März auch Inklusionslotsin des Sportkreises Bergstraße für Kinder und Jugendliche ist, erklärte der Presse, dass es sich bei diesen Kanus um ein Rennboot, einen Schüler-Zweier und vier Para-Kanus für körperlich und geistig Behinderte handelt. Erster Stadtrat Marius Schmidt (SPD) und der CDU-Fraktionsvorsitzende Alexander Scholl tauften die Stand-up-Paddling-Boards. Schmidt lobte den Kanu-Club, der von der Stadt vielfältig unterstützt werde, und die Stadt durch seine Innovationen und Leistungen bereichere. 

    Barrierefreies Bootshaus für Inklusion

    Ein Vereinsheim sei nur vollwertig, wenn es für alle zugänglich ist, sagte der Vereinsvorsitzende Oettrich, bevor er das Mikrofon an seinen Vorgänger Torsten Ohl weiterreichte, der auf die vergangenen viereinhalb Jahre zurückblickte, in denen das Thema Inklusion und Neugestaltung des Vereinsheims aufgekommen waren. Sponsoren halfen bei den Kosten, aber auch der Fahrstuhl ist eine Spende. Eine berührende Geschichte erzählte Ohl von einer Familie in Rastatt, deren verstorbener Sohn Elias Strönisch einst diesen Fahrstuhl brauchte. Seinen  Namen hat der Kanu-Club auf dem Fahrstuhlgehäuse angebracht. Dem Verein dankte er für die Eigenleistungen in diesen Jahren – eine Dachsanierung mit PV-Anlage und Wechselrichter wurde installiert, barrierefreie Toiletten eingerichtet. Für Brandschutzmaßnahmen mussten jedoch 50.000 Euro zusätzlich ausgegeben werden, von denen eine größere Last beim Verein blieb, auch wenn Unterstützung von der Stadt Lampertheim, vom Land Hessen und Kreis Bergstraße gekommen sei.

    Im Jubiläumsjahr des Kanu-Clubs wurden die 70 Jahre, die Bootstaufen und die Einweihung des sanierten, jetzt barrierefreien Bootshauses gefeiert. Im Bild Vereinsvorsitzender Manfred Oettrich, der den Taufpinsel an den Ersten Stadtrat Marius Schmidt übergibt. Foto: Hannelore Nowacki


    Dann kam Corona, doch in dieser Zeit konnten über 400 Mitglieder gewonnen werden, was Ohl auch auf die virtuellen Trainingsangebote  zurückführt. Bürgermeister Störmer gratulierte dem Kanu-Club und hob die lösungsorientierte  Herangehensweise bei Problemen als „Aktivposten“ hervor. Menschen mit Behinderung gehören „in unsere Mitte“, betonte Störmer, was beim Kanu-Club ermöglicht werde. Mit dem Aktionsplan Inklusion wolle die Stadt Lampertheim dies mit Unterstützung von Magistrat, Stadtverordneten und den fünf Arbeitsgruppen erreichen. Die Arbeitsgruppe Sport, Kultur und Freizeit mit Sprecher Günther Baus werde am Samstag, 7. Mai mit einem Informationsstand auf dem Schillerplatz sein, kündigte Störmer an. Der Vorsitzende des Behindertenbeirats Jochen Halbauer hofft auf viele Nachahmer des Kanu-Clubs, der auf die Umsetzung stolz sein könne. Bei vier Vor-Ort-Begehungen habe er die Dynamik gespürt. Auch die Idee mit dem T-Shirt gefalle ihm. Anschließend überreichte er dem Vereinsvorsitzenden Oettrich die noch namenlose Rollstuhl-Ente, während er das ersehnte T-Shirt erhielt.   Hannelore Nowacki

     

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