Windkraft auf Mülldeponie – ein Nein von FDP-Landratskandidatin Dr. Reinemund
Bürger fragten – die Kandidatin antwortete
FDP-Landratskandidatin Dr. Birgit Reinemund steht fest zu ihrem Nein in der Frage der Windkraft auf der Mülldeponie in Hüttenfeld und im Kreis Bergstraße. Das gefiel dem Publikum im Bürgerhaus, die kräftigen Applaus spendeten. Foto: Hannelore Nowacki
HÜTTENFELD – Auf der Mülldeponie will der ZAKB (Zweckverband Abfallwirtschaft Kreis Bergstraße) ein Windrad bauen. Dieser Plan sorgt im Lampertheimer Stadtteil Hüttenfeld weiterhin für Wirbel. Die Bürgerinitiative „Gegenwind Hüttenfeld“ (BI) will den Bau verhindern. Auch der Verein „Pro Hüttenfeld“ hat sich gegen die Windkraftanlage ausgesprochen. Zwischenzeitlich hat das Regierungspräsidium Darmstadt das Vorhaben genehmigt. Die Ergebnisse der einjährigen Windmessung sind noch nicht veröffentlicht. Doch im 2000 Einwohner zählenden Hüttenfeld zeichnet sich kein Einverständnis ab. Etwa 30 Bürger waren am Montagabend auf Einladung der Bürgerinitiative „Gegenwind“ ins Bürgerhaus gekommen, um zu hören, wie die FPD-Landratskandidatin Dr. Birgit Reinemund zu diesem Thema und anderen Anliegen steht. Wie BI-Sprecher Dr. Hartfrid Golf dem Publikum berichtete, hatte Helmut Hummel, der den Wahlkampf der FDP-Kandidatin in Lampertheim organisiert, vor einigen Tagen den Kontakt hergestellt. In seinem detaillierten Vortrag ging Golf bis ins Jahr 2011 zurück, als die Stadtverordnetenversammlung dem Bau einer Fotovoltaikanlage auf dem Südhang des Müllberges zustimmte und dem Ortsbeirat eine Beschlussvorlage für die Erweiterung des Pachtvertrages vorlag. Das Wort Windrad sei dabei aber nicht aufgetaucht. „Eine Kette von Merkwürdigkeiten und Skandalen“ nannte Golf die Vorgänge zur Genehmigung des Windrads. Eine Empörung, die er in aller Ruhe und mit stets leiser Stimme zum Ausdruck brachte. Im Brennpunkt der Auseinandersetzung mit möglichem gerichtlichem Nachspiel steht ein Gutachten. Das ursprüngliche Gutachten des ZAKB-Vogelgutachters „mit brisanten Aussagen“, wie Golf betonte, sei später aus der Akte des Regierungspräsidiums (RP) herausgenommen und im März 2014 durch ein neues, genehmeres Gutachten ersetzt worden. Als wichtigste Gegenargumente gegen den Bau des Windrades führte BI-Sprecher Golf an, dass die schwachen Winde zu keiner nennenswerten Stromerzeugung führen würden, aber mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen zu rechnen sei. Die Immobilien in Hüttenfeld würden bis zu 25 Prozent an Wert verlieren und der Natur- und Artenschutz auf der Strecke bleiben. Das Grundwasser werde verschmutzt und das Landschaftsbild verschandelt. Hüttenfeld sieht Golf als Abladeplatz für lästige Projekte benutzt, die sonst niemand haben wolle. Sein Aufruf: „Zeigen wir dem ZAKB die rote Karte“. Zufrieden stellte er fest: „Wir haben das Unsinnsprojekt um drei Jahre verzögert“. Auf dem Podium hatte auch Dr. Rainer Proetzsch Platz genommen, nach eigenem Bekunden Mitglied des Vereins „Pro Hüttenfeld“, der Golfs Argumentation stützte. Helmut Hummel, der sich offenkundig intensiv auf das Thema vorbereitet hatte, stimmte den kritischen Ausführungen im Wesentlichen zu und ergänzte diese um weitere Überlegungen. Nach den Erfahrungen mit der sich seit Jahren senkenden Mülldeponie in Lampertheim, die mit Sport- und Tennisplätzen überbaut wurde, sieht er den Bau des Windrades auf einer Mülldeponie kritisch. „Das ist sehr erstaunlich“, meinte Hummel zur Gutachtenfrage. Das RP lege sonst sehr strenge Maßstäbe an den Naturschutz an, doch „man hat es passend gemacht“. Aus dem Publikum kamen mehrere sachkundige Fragen an die Referenten und durchweg zustimmende Stellungnahmen. FDP-Landratskandidatin Dr. Reinemund zeigte sich von Golfs Ausführungen sehr beeindruckt. Was kann sie tun, wenn sie zur Landrätin gewählt wird? Rechtliche Möglichkeiten einzugreifen habe ein Landrat nicht, erklärte Reinemund. Jedoch wolle sie, wenn sie gewählt wird, als Meinungsbildnerin ihren Einfluss geltend machen. „Der Bau des Windrades auf der Mülldeponie ist mit normalem wirtschaftlichen Handeln nicht erklärbar, das ist ideologische vorbelastet“, urteilte sie, denn in Hessen sollen zwei Prozent der Fläche für Windkraft genutzt werden. Auch aus energiepolitischen Gründen sei sie gegen die Ausweitung der Windkraft, da es noch keine Speicher und dezentrale Netzanbindung gebe. Sie wolle sich gegen den Ausbau der Windkraft im ganzen Kreis Bergstraße einsetzen. Starker Applaus signalisierte die breite Zustimmung im Publikum. Weitere Fragen und Stellungnahmen betrafen die ICE-Trasse, die Hüttenfeld beeinträchtigen würde, sowie die Versorgung des Stadtteils mit schnellem Internet. Die Landratskandidatin zeigte sich als Kennerin der Trassenproblematik, sie sei jahrelang im ICE-Forum aktiv gewesen. Auch aus Rosengarten war ein interessierter Bürger gekommen - Gerhard Bleckmann wollte wissen, was die Kandidatin zu sagen hat. Hannelore Nowacki