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Mo., 16. März 2020, 09:42 Uhr
Unterlegener Kandidat Sascha Holdefehr vom Wahlergebnis enttäuscht
Bürgermeister Rainer Bersch geht gestärkt aus der Wahl hervor
Applaus für den wiedergewählten Bürgermeister Rainer Bersch, Enttäuschung bei Gegenkandidat Sascha Holdefehr (hinter Bersch stehend). Foto: Hannelore Nowacki
GROSS-ROHRHEIM – Die Wahllokale waren gerade geschlossen, da füllte sich der Sitzungssaal im Rathaus. Neben Anhängern des amtierenden Bürgermeisters Rainer Bersch und des Gegenkandidaten Sascha Holdefehr, der mit Unterstützung der SPD in den Wahlkampf gezogen war, war Landrat Christian Engelhardt einer der ersten, die das Gespräch mit Bersch suchten. Amtskollegen aus der Nachbarschaft waren zur Rückenstärkung gekommen, Gottfried Störmer aus Lampertheim, Barbara Schader aus Bürstadt und Felix Kusicka aus Biblis sowie BundestagsabgeordneterDr. Michael Meister und Landtagsabgeordneter Alexander Bauer. Bersch und Holdefehr schienen gleichermaßen hoffnungsfroh auf einen erfolgreichen Wahlausgang, die Stimmung im Saal war locker bis heiter. Dann forderte Landrat Engelhardt alle auf, den Sitzungssaal zu verlassen und im Rathausinnenhof auf das Wahlergebnis zu warten – das Coronavirus sollte keine Chance zur Verbreitung erhalten. Bürgermeister Bersch wollte keine Prognose wagen, in der Wahlkabine entscheide sich die Wahl, meinte er. Eine spannende gute Stunde lag vor den Kandidaten und den Besuchern, bis das Endergebnis auf die Leinwand gebeamt wurde. Jubel und Applaus auf der einen Seite, Stille auf der anderen. Landrat Engelhardt wünschte dem wiedergewählten Bürgermeister Bersch für seine weitere Amtszeit Spaß an der Arbeit und Erfolg und überreichte ihm die Flasche Wein und einen Umschlag. Das Schreiben hatte er vorausschauend namentlich an den Sieger gerichtet, wie er zuvor im Gespräch wissen ließ. Ausnahmsweise genehmigte sich Engelhardt zur Gratulation einen Händedruck. Auch der unterlegene Holdefehr gratulierte Bersch sogleich. Die große Schar der weiteren Gratulanten einschließlich der Bürgermeisterkollegen übte sich in alternativen Gratulationsformen. Bürgermeister Bersch dankte in seiner Ansprache allen, die ihn unterstützt hatten, ganz besonders seiner Frau Heike und den Mitarbeitern. Mit Blick auf die Coronavirus-Krise sagte Bersch, es werde nicht leicht werden, Händeschütteln werde die Ausnahme bleiben, ebenso ein solches Zusammentreffen. Zu seinem Wahlerfolg mit 61,83 Prozent meinte Bersch: „Die letzten zwölf Jahre haben gezeigt, dass ich die Arbeit gut gemacht habe“. Im Gespräch mit dem TIP erklärte Bersch auf Nachfrage: „Sehr gut fühle ich mich, richtig gut“. Berechnungen habe er vorher nicht angestellt, man wisse nie, was in der Wahlkabine passiert. „Ich bin Realist und warte ab, bis es am Abend soweit ist“. Große Enttäuschung bei Sascha Holdefehr, der nach der Bekanntgabe des Wahlergebnisses im Innenhof zu finden war, umringt von seinen Anhängern. 37,79 Prozent der Stimmen sind für ihn kein Trost oder Achtungserfolg. Gegenüber dem TIP sagt er auf Nachfrage mit Nachdruck zunächst nur ein Wort: „Enttäuscht“. Und weiter nach kurzer Pause: „Ist doch klar, wenn ich gewinnen will – ich habe eindeutig mit mehr Stimmen gerechnet“. Seine Botschaft an die Groß-Rohrheimer: „Ich denke, dass Groß-Rohrheim mich dringender gebraucht hätte, als ich Groß-Rohrheim“. Mit einer Aussage über seine politische Zukunft wollte sich Holdefehr nicht festlegen, er wisse noch nicht wie es weitergehe. Nette Leute habe er hier an seiner Seite gehabt, es könne sein, dass er in irgendeiner Form lokalpolitisch mitmische. Kontakt habe er seit dem Wahlkampf mit dem Landtagsabgeordneten Alexander Bauer (CDU). Beruflich stehe eine Veränderung an, seine Stelle als Finanzbeamter in Darmstadt will Holdefehr ab August zugunsten einer Dozentenstelle bei der Außenstelle der FH Rotenburg an der Fulda in Frankfurt aufgeben. Hannelore Nowacki
Info:
Groß-Rohrheim hat gewählt: Der bisherige Bürgermeister Rainer Bersch hat dabei deutlich mit 62,21 Prozent der Stimmen deutlich vor seinem Herausforderer Sascha Holdefehr mit 37,79 Prozent der Stimmen gewonnen und bleibt damit im Amt. Die Groß-Rohrheimer setzen somit auf Kontinuität. In beiden Wahllokalen war die Lage nach Auszählung klar, Rainer Bersch kam auf 61,46 und auf 61,83 Prozent der Stimmen, Sascha Holdefehr auf 38,54 und auf 38,17 Prozent der Stimmen. Und auch bei der Briefwahl war das Ergebnis eindeutig: Hier erreichte Rainer Bersch 64 Prozent, Sascha Holdefehr 36 Prozent der Stimmen. Die Wahlbeteiligung lag bei 62,61 Prozent.