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    ABWAHL: Seit Mittwoch ist Rainer Bersch Privatmann und Pensionär

    Bürgermeister Rainer Bersch nimmt Abwahl an und verzichtet auf Bürgerentscheid

    Rainer Bersch, gewählt für sechs Jahre, am Wahlabend der dritten gewonnenen Bürgermeisterwahl am 15. März 2020. Archivfoto: Hannelore Nowacki


    GROSS-ROHRHEIM – Weitermachen oder aufhören? Diese Frage hat der 60-jährige Rainer Bersch (parteilos, ehemals SPD-Mitglied) für sich am Dienstag entschieden und am Mittwoch, seinem letzten Tag im Amt, dem Gemeindevertretervorsteher Torsten Henzel seine schriftliche Stellungnahme übergeben, mit dem Inhalt die Abwahl zu akzeptieren und auf den Bürgerentscheid zu verzichten. Eine Woche nach der Abwahl mit zwei Drittel Mehrheit in der Gemeindevertretung hatte der Bürgermeister Zeit zu überlegen. Im Gespräch mit dem TiP erzählte Bürgermeister a. D. Bersch, dass er in diesen Tagen mit Familie und Freunden und auch mit dem ehemaligen Geschäftsführer des Hessischen Städte- und Gemeindebundes wegen einer Lösung gesprochen habe. Eine Positiv- und Negativliste habe er angelegt, letztere sei immer länger geworden, daher sein Fazit: „Es ist besser die Reißleine zu ziehen und zurückzutreten, es ist besser für die Gemeinde – denn mir ist die Gemeinde wertvoll“. Bersch geht davon aus, dass es mit dieser „speziellen Streitkultur“ in den Sitzungen nicht besser geworden wäre trotz seines Rückhalts in der Bevölkerung. Viele Aufgaben kämen auf Groß-Rohrheim zu wie die Flüchtlingsunterbringung und weitere Herausforderungen, die nur mit Rückhalt im Parlament zu meistern seien, das aber mehrheitlich kein Vertrauen mehr habe. Dreimal habe er die Bürgermeisterwahl gewonnen, doch sei er schon beim ersten Mal 2008 nicht der Wunschkandidat der SPD gewesen, bei der zweiten Wahl mit dem Gegenkandidaten Walter Öhlenschläger (Freie Wähler – Bürger für Groß-Rohrheim) habe er von der SPD Unterstützung erhalten, aber schon nicht mehr bei der Wahl am 15. März 2020, die der SPD-Wunschkandidat verlor. Darin sieht Bersch bereits den Versuch seiner Abwahl. Sein Gedanke: „Wenn man drei Mal merkt, dass die Bevölkerung mich will, könnte man das akzeptieren“. Sicher sei er, dass er beim Bürgerentscheid am 8. Oktober die Stimmenmehrheit erreicht hätte, aber er habe auch an seine Gesundheit gedacht, denn solche Bedingungen bei der täglichen Arbeit machten etwas mit einem. Kein Verständnis zeigt Bersch, wenn eine Entscheidung für die Feuerwehr und Groß-Rohrheim getroffen werde und dann Gegenwind komme. Wie er sich fühlt? „Von 100 auf null in so kurzer Zeit herunterzufahren ist nicht einfach“, sagt Bersch. Doch langweilen werde er sich nicht, jetzt habe er wieder mehr Zeit für seine Familie und Hobbys wie die computergesteuerte Modellauto-Rennstrecke im Keller. Die Rennabende mit Freunden machen ihm Spaß, woran kein Zweifel besteht, so begeistert erzählt Bersch davon. Auch mehr Fahrradfahren will er wieder. Auf eine lange Zeit im Rathaus blickt Bersch zurück, wie er dem TiP berichtet. Als Quereinsteiger wurde er 1993 Verwaltungsangestellter mit einem breit gefächerten Tätigkeitsbereich, zu Beginn im Sozialamt. Zuständig sei er für Gewerbeanmeldungen, Kinder- und Jugendarbeit, Rentenberatung und EDV gewesen und dabei Kontakt zu vielen Menschen gehabt. Zur Bürgermeisterwahl 2008 sei er angetreten, weil er in Groß-Rohrheim mitgestalten wollte, auch hätten ihn viele Leute dazu ermuntert. Beruflich sei er seit 1980 vielseitig tätig gewesen, in der Spedition, Informatik und zuletzt als kaufmännischer Leiter einer Firma für Wartung und Recycling von Transformatoren in Größen bis zu 300 Tonnen. Als die Firma ihren Sitz verlegte und im Rathaus eine Stelle frei war, habe er die Chance gesehen, näher bei seiner Familie zu sein, zudem sei seine Frau damals schwanger gewesen. Abschließend hält Rainer Bersch fest: „Das Bürgermeisteramt ist Berufung“. Der Erste Beigeordnete wird nach den gesetzlichen Vorgaben bis zur Wahl eines neuen Bürgermeisters die Amtsgeschäfte führen, in diesem Fall Peter Heß (SPD). „Ich hoffe, dass ihm bewusst ist, was auf ihn zukommt“, meinte Bersch und denkt dabei an zahlreiche zu treffende Entscheidungen und Sitzungen. Hannelore Nowacki

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