BÜRGERVERSAMMLUNG: Bürger fragen – die Gemeinde antwortet
Bürgermeister Scheib: „In Biblis ist nichts einfach“
BIBLIS – Ein Zeitfenster von drei Stunden hatte der Vorsitzende der Gemeindevertretung und Sitzungsleiter der Bürgerversammlung Konstantin Großmann (CDU) den Bürgern für Fragen in Aussicht gestellt, doch schon nach knapp siebzig Minuten waren alle gestellten Fragen beantwortet. Wie üblich, hatte es eine Frist zur schriftlichen Einreichung von Fragen gegeben, weitere Fragen konnten vor Ort am Standmikrofon gestellt werden. Der Einladung zur Bürgerversammlung am Mittwoch im Sitzungssaal des Rathauses waren etwa 35 Bürger gefolgt, viele Stühle blieben leer. Die Fragen hatte Großmann thematisch in vier Bereiche gebündelt. Zu „Wohnen und Bauen“ hatte Michael Reis eine Frage zur neuen Hundewiese eingereicht, die er als Fehlplanung sieht, da zu schmal und der Zaun zu niedrig. Besser findet er die Anlagen in Bürstadt und Groß-Rohrheim. Bürgermeister Volker Scheib hingegen hat von vielen Menschen nur positives Feedback erhalten, wie er berichtete. Es handele sich um einen Treffpunkt, nicht um einen Auslauf. Gleichwohl schließt Scheib eine Erweiterung in Modulen bei Bedarf und wenn möglich nicht aus. Bei einer weiteren Frage ging es um das Baugebiet in Wattenheim, darüber werde im Bauausschuss im November beraten, teilte Scheib mit, die Vorlage diene zukünftig als Schablone für die anderen Baugebiete. Zum Themenbündel „Familie, Sport, Kinder und Soziales“ waren keine Fragen eingereicht worden. Drei Fragen lagen zu den Themen „Infrastruktur und Umwelt“ vor. Der Lagerplatz der Deutschen Bahn für Baustoffe in der Kirchstraße am Gemeindesee sorge für Lärmbelästigung und Staubentwicklung lautete die Beschwerde eines Anwohners, der wissen wollte, ob nach Ende der Baumaßnahmen der vorherige Zustand wiederhergestellt werde. Bürgermeister Scheib wies darauf hin, dass hier das Regierungspräsidium (RP) mit Auflagen zuständig sei und es ein Beschwerdetelefon der Bahn gebe. Bei einer Beschwerde könne er helfen, doch sei dies die erste Beschwerde. Am Hohen Weg und später in der Pfaffenau gebe es weitere Lagerplätze. Die Verkehrslage am Ende der Nato-Straße am Rhein in Nordheim beschäftigte einen Bürger, der hier immer noch Handlungsbedarf sieht. Bürgermeister Scheib meinte, die Lage hänge von der Disziplin der Menschen ab, Parkbuchten seien dort eingezeichnet. Zuständig seien dort das RP, das Wasserschifffahrtsamt, die Wasserschutzpolizei und die Untere Naturschutzbehörde, die den Bereich dicht machen wollten. Anfang Januar gebe es eine Zusammenkunft von interessierten Bürgern in der Nordheimer Mehrzweckhalle. Günter Mössinger, Vorsitzender des Vereins für Heimatgeschichte Nordheim, beschäftigt die Frage, ob die Gemeinde Biblis die zum Abriss vorgesehene marode Heldenbrücke über die Weschnitz an anderer Stelle durch eine Querung ersetzen werde, wie es Einhausen auf eigener Gemarkung bereits am Ortseingang vorhabe.
In geschichtsträchtiger Landschaft auf der Bibliser Gemarkung steht die dem Abriss geweihte Heldenbrücke. Foto: oh
Seine Frage hatte er mit ausführlicher Begründung eingereicht und in der Bürgerversammlung mit einem geschichtlichen Vortrag unterfüttert, den die anwesenden Bürger mit Applaus belohnten und für den sich der Bürgermeister bedankte. Schon die alten Römer und die Sueben siedelten hier. Auf dem geschichtsträchtigen Boden sei ein historischer Rundweg entlang der alten Gemarkungsgrenzen geplant, doch sei er überrascht worden, dass die Brücke wegfallen soll. „Wir brauchen in dem Bereich eine Weschnitz-Querung möglichst nahe an der uralten Grenze“, betonte Mössinger, „wir brauchen Ihre Unterstützung“. Zwar sieht Scheib Bedarf an einer Querung und Lehrpfaden, aber man müsse jetzt ein Jahr abwarten, bis ein neuer Antrag gestellt werden könne und neue Erkenntnisse oder Finanzierungsmodelle vorliegen. Das Land werde sich nicht beteiligen, meinte Scheib, da es schon 25 Prozent an der Maßnahme übernehme. Der Deichabstand werde zum Hochwasserschutz von aktuell 28 Meter von Krone zu Krone auf zweihundert Meter erweitert. Großmann erinnerte an einen Parlamentsbeschluss, der im Rahmen von ISEK für einen Radwanderweg gefasst wurde, für den eine Brücke nötig sei, aber es habe ein Konzept für das Areal gefehlt. Biblis und Einhausen hätten jeweils 75.000 Euro zu tragen, doch seien einige Brücken in Biblis zu sanieren, man musste Prioritäten setzen. Zum Themenbündel „Wirtschaft und Digitalisierung“ wurden keine Fragen eingereicht. Franz Jäger meldete sich zu Wort mit einer Kritik zum Vorgehen der Gemeinde am Werrtor, das er für zu langwierig halte. Als Anlieger würde er gerne wissen, ob hier ein Wohngebiet, ein Gewerbe- oder ein Mischgebiet entstehen soll. Bürgermeister Scheib teilte mit, dass Bodenuntersuchungen gemacht wurden, auf die Ergebnisse werde gewartet. Dann werde beschlossen, in welche Richtung die Entwicklung gehe. Als Unternehmer beschäftige ihn die finanzielle Situation der Gemeinde, die Entwicklung von Gewerbe und Einwohnerzahl, fünf diesbezügliche Fragen hatte Jäger. „Nichts ist einfach in Biblis“, antwortete Scheib. In vielen Bereichen gebe es große Erfolge, doch verbringe er viel Zeit mit Altlasten, es gebe viel zu regeln. Positiv sieht er dennoch in die Zukunft: „Das kriegen wir gemeinsam hin“. In den nächsten fünf Jahren sollen 270 Wohneinheiten durch private Bauherren und Bauträger entstehen, teilte Scheib mit. Zum neuen, auffälligen Blitzer an der Darmstädter Straße in Höhe der Friedensstraße erklärte Scheib, dass es sich um ein multifunktionales Gerät mit drei Einschüben handelt, das sogar LKW-Achsen vermessen könne. Günstig für die Gemeinde sei, dass ein Einschub für mobiles Blitzen verwendet werden könne ohne die Genehmigung der Polizeiakademie einholen zu müssen. Mit einem Invest von 170.000 Euro sparsam, zudem hochwirksam und flexibel. Hannelore Nowacki
Ein Alleskönner steht am Straßenrand – eine große Blitzersäule, die noch mehr kann als Tempo messen. Foto: Hannelore Nowacki