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Fr., 16. April 2021, 11:44 Uhr
Spendenaufruf, weil die Krankenkasse die Kosten nicht übernimmt
Bürgerstiftung Biblis unterstützt Delfin-Therapie für den kleinen Vadim
Auf dem Spielplatz an der B 44 hatte der fünfjährige Vadim mit seiner Mutter Anastasia viel Spaß an verschiedenen Spielgeräten, während Vater Denis Brumm mit der Presse, Gisela Gibtner und Roland Woll von der Bürgerstiftung Biblis sowie mit Birgit Pfirsching und Roland Hauk als Vertreter der spendenfreudigen ehemaligen Schulklasse von Ernst Wartusch sprach. Foto: Hannelore Nowacki
BIBLIS – Der fünfjährige Vadim ist ein Wunschkind und für die Eltern Denis und Anastasia Brumm schien die Welt in Ordnung. Doch als das Kind noch nicht zwei Jahre alt war, änderte sich alles. Mutter Anastasia hatte zunächst kleine Veränderungen bemerkt, die sich weiter verschlimmerten. Was war passiert? Bis die Eltern das herausfanden, dauerte es ein halbes Jahr. Frühkindlicher Autismus war die Diagnose, das zu wissen keineswegs beruhigend für die Eltern.Alles, was ihr Kind bis dahin gelernt hatte, das Sprechen und Gehen, die Kontaktfreudigkeit, alles würde sich bald gänzlich verlieren. Und die passenden Therapien zu finden war nicht einfach. Die Eltern fühlten sich alleine gelassen und wurden selbst aktiv. Aber sie mussten feststellen, dass die Krankenkasse nicht für alles aufkommt, was für Kind und Eltern hilfreich wäre. Auch die wichtige logopädische Therapie wird nur für eine Stunde pro Woche übernommen. Eine Ernährungstherapie mit der Umstellung auf wenige Nahrungsmittel hat schon geholfen. „Alles dauert so lange“, sagt der Vater, zum Beispiel ein Jahr das Warten auf das Einstufungsgespräch, danach noch ein Jahr bis zum zweiten Gespräch bei der Regionalstelle des Autismus-Therapieinstitutes Langen in Heppenheim: „Bis dahin war noch keine Therapie erfolgt“. Die Eltern sind weltweit gut vernetzt und wissen auch von anderen Eltern, dass man in USA, Russland und Israel viel weiter ist. Ihrem Kind möchten sie jedoch eine gute Zukunft sichern, ein weitgehend selbständiges Leben ermöglichen, dafür geben sie alles. Und das hat den Vorstand der Bürgerstiftung Biblis stark beeindruckt. Die Eltern hatten sich an die Bürgerstiftung gewandt, als sie nicht mehr weiterkamen. Eine einwöchige Delfin-Therapie in der Türkei hatte sich als Glücksfall erwiesen, auch drei Wochen zur Intensivbehandlung in Moskau mit Logopädie, Physiotherapie und mehr hatten Fortschritte gebracht. Der kleine Vadim sprach auf die Therapien gut an, doch für eine weitere Delfin-Therapie fehlt das Geld, ebenso für die intensivere Logopädie über die eine wöchentliche Stunde hinaus. Gisela Gibtner, Vorsitzende der Bürgerstiftung, und Stellvertreter Roland Woll kümmern sich seit ihrem ersten Treffen mit Familie Brumm um Spendengelder und Unterstützung. Ein Spendenkonto ist eingerichtet, mit dem Vorteil, dass die Bürgerstiftung Spendenquittungen zur Vorlage beim Finanzamt ausstellen kann. Eine große Spende von 800 Euro kann schon verbucht werden, gesammelt von den Ehemaligen der EKS-Gesamtschulklasse des Jahrgangs 1975 bis 1981. Der sehr beliebte Klassenlehrer war damals der kürzlich verstorbene Ernst Wartusch, der auch Gründungsmitglied der Bürgerstiftung Biblis war. Wartusch und seine Angehörigen hatten sich Spenden für einen sozialen Zweck gewünscht, davon hatten Birgit Pfirsching und Roland Hauk erfahren, sogleich eine WhatsApp-Gruppe gegründet und von ihren früheren Mitschülern diese stattliche Spendensumme einsammeln können. Das berichteten sie bei dem Treffen am frühen Donnerstagabend auf dem Spielplatz an der B 44 mit der Bürgerstiftung und Familie Brumm. Kann es sein, dass Eltern in Deutschland nicht mehr Hilfe erfahren? Roland Woll, der stellvertretende Vorsitzende der Bürgerstiftung, wollte es genau wissen und tatsächlich – es gibt keine Stelle, die die Eltern in dieser Lage an die Hand nimmt und ihnen sagt, wo welche Hilfen zu bekommen sind: „Es ist schwer sich durch diesen Dschungel zu kämpfen“, findet Woll. Bei der „ergänzenden unabhängigen Teilhabeberatung“ im Odenwald, die Woll mit dem Ehepaar Brumm aufsuchte, hörten sie von der Diplom-Sozialpädagogin, dass die Eltern alles richtig gemacht hätten. Allerdings mussten sich Denis und Anastasia Brumm von ihrem neu gebauten Haus in Bürstadt trennen und verkauften ihr zweites Auto, um die Kosten zu stemmen. Eine neue Arbeitsstelle und einen verständnisvollen Arbeitgeber hat Vater Brumm gefunden und Mutter Anastasia kann dank ihrer Halbtagsstelle im Berufsleben bleiben und sich dennoch um Vadim kümmern. Ein Glücksfall: Im Herbst kommt Vadim in den Kindergarten. Eine zweite Delfintherapie in der Türkei könnte im Mai stattfinden, das hängt auch von der Corona-Lage ab. Der Anbieter würde die Kosten diesmal von 350 Euro pro halbe Stunde auf 310 Euro reduzieren. Gisela Gibtner nannte das Spendenziel der Bürgerstiftung: Für die Delfintherapie 6.000 Euro und plus Geld für die intensivere logopädische Behandlung. Hannelore Nowacki
Information
Sonderkonto „Therapie Vadim“
Sparkasse Worms-Alzey-Ried
IBAN: DE37 5535 0010 0022 2114 95
BIC: MALADE51WOR
Bei Angabe der Adresse stellt die Bürgerstiftung Biblis zur Vorlage beim Finanzamt eine Spendenquittung aus.