
LAMPERTHEIM – Als Zivilcourage versteht die Bürgerstiftung Lampertheim auch sozialen Mut, der in unserer Gesellschaft zur Selbstverständlichkeit werden müsse. Dafür will die Bürgerstiftung werben und mit der Verleihung der Auszeichnung „Courage in Lampertheim“ Anreize schaffen. So steht es auf der Homepage unter „Projekt Zivilcourage“ und in der Präambel nennt die Bürgerstiftung vor allem soziale, ökologische und kulturelle Anliegen, die sie im Sinne des Gemeinwohls zur Verbesserung der Lebensqualität in der Stadt Lampertheim unterstützt. Entsprechend diesem Anspruch zeichne die Bürgerstiftung die diesjährigen Preisträger aus, erklärte der Vorsitzende des Vorstandes Erich Maier beim Festakt im Römersaal, an dem vom Vorstand auch Dieter Goll und Ela Liermann teilnahmen. Bekannt sind die Preisträger durch ihre ehrenamtliche Tätigkeit und öffentlichen Aktionen seit Jahren. Zur Auszeichnung aller drei Preisträgergruppen gehört die Oscar-Skulptur, eine Urkunde und 500 Euro Preisgeld. Bürgermeister Gottfried Störmer begrüßte die Ehrengäste und Preisträger als Vorsitzender des Stiftungsrates und betonte, dass die Veranstaltung als Zeichen des Zusammenhalts jene ins Licht rücken solle, die sich für die Stadtgesellschaft einsetzen. Musikalisch setzte das Ensemble der Musikschule Lampertheim zum feierlichen Auftakt, Zwischenspiel und Ausklang klassische Akzente: Maximilian Kohls und Henrike Stöckinger am Klavier, Catherine Li an der Violine.
Archivfoto: Hannelore Nowacki
Bei EMIL wird Integration gelebt
Mit ihrem Engagement bringen sie stetig neue Impulse ins Stadtleben und tragen mit ihren jeweiligen Gruppen zur Verbesserung der Lebensqualität bei, wie die soziale Hilfsinitiative „Einfach miteinander in Lampertheim“ in der Emilienstraße in einem stadteigenen Gebäude, die als „EMIL“ bekannt ist. In seiner Laudatio beschrieb Maier die Entwicklung bei EMIL seit 2015 als hunderttausende Menschen aus Syrien nach Deutschland flohen. Frank Hurrle, Musiklehrer bei der Musikschule, tat sich mit weiteren Unterstützern zusammen, anfänglich um Deutschkurse und freies WLAN zu organisieren, bald wurden ausrangierte und gespendete Fahrräder gemeinsam mit Flüchtlingen repariert – der Rad-Repair-Shop als Standbein des heutigen EMIL-Projektes entstand. Gegen kleines Geld können Geflüchtete und Sozialpass-Inhaber ein verkehrssicheres Rad erwerben. Mittlerweile ungefähr tausend Fahrräder hat die Reparaturgruppe mit Einsatz und Können flott gemacht, beteiligt sind neben Frank Hurrle, Dieter Graef, Stefan Weis, Roman Stöckinger und „Alleskönner“ Abdullah Ghaznavi. Eine Elektrowerkstatt mit Elektromeister Harald Macioszek und eine Schneiderwerkstatt mit Hassan Huseini aus Afghanistan sind hinzugekommen. Zur Stammmannschaft mit Paul Bitto, Touran Chaharmali aus dem Iran, Homyra Ghaznavi aus Afghanistan und Sanan Tibi aus Syrien gehört von Anfang an Rita Lüling als eine der Initiatoren sowie Jörg Lüling. Zu tun gibt es eine Menge, denn gespendetes Geschirr, Schulsachen, Bücher, Spielzeug und Babysachen werden im Lädchen angenommen, einsortiert und abgegeben.
Archivfoto: Hannelore Nowacki
Forschernetzwerk fördert Forschergeist in Schulen und Kitas
Ziel des Forschernetzwerks ist, junge Menschen für die Naturwissenschaften zu begeistern. Dieter Goll machte in seiner Laudatio auf das Lampertheimer Forschernetzwerk deutlich, dass dies gelingt und zugleich die Sprachkompetenz gefördert werde. Ein Jahr nachdem die Partnerschaft von Lessing-Gymnasium (LGL) und den drei innerstädtischen Grundschulen gegründet war, entstand 2008 das Forschernetzwerk mit allen Kindertagesstätten und Grundschulen in Lampertheim und den Ortsteilen, dabei sind die Alfred-Delp-Schule, LGL, die Hofheimer Nibelungenschule, die Biedensandschule und die Elisabeth-Selbert-Schule. Koordiniert und organisiert wird das Forschernetzwerk seit 2007 von Diplom-Biologin Dr. Sabine Nieter. Forscherecken in Kitas und Forscherwerkstätten in den Schulen sind eingerichtet. Am Forschertag im Stadtpark werden die Ergebnisse der Öffentlichkeit präsentiert – über 500 Besucher werden gezählt. In naturwissenschaftlichen Arbeitsgemeinschaften kommen besonders begabte Grundschüler, sogar aus den Nachbargemeinden, wöchentlich zwei Stunden zusammen. Eine Projektsteuerungsgruppe mit Teilnehmern aus allen beteiligten Einrichtungen ist für die konzeptionelle Arbeit verantwortlich. Beim bundesweiten Wettbewerb „Deutscher KiTa-Preis“ 2020 kam das Forschernetzwerk unter die zehn Finalisten und wurde mit einem 1.000-Euro-Preis belohnt.
Archivfoto: Hannelore Nowacki
Behindertenbeirat – Betroffene werden zu Beteiligten
Der Behindertenbeirat blickt bereits auf 10 Jahre ehrenamtliches Engagement zurück und war seit Gründung am 6. November 2015 Triebfeder für Inklusion, wie der Erste Stadtrat Marius Schmidt in seiner Laudatio betonte. Der Gründung seien eine lokale Agenda-Gruppe und vier Gesprächsrunden vorausgegangen, bevor die Mitglieder des Behindertenbeirats im Rahmen einer Stadtverordnetenversammlung benannt wurden. Erste Vorsitzende war Petra Brandt, die in der jüngsten Parlamentssitzung als Stadträtin vereidigt wurde, Nachfolger wurde 2021 Jochen Halbauer, der auch Gründungsmitglied war. Auf Stetigkeit im Einsatz und die Zusammenarbeit mit der Lebenshilfe sei ein Teil des Erfolges zurückzuführen. Zur Erfolgsgeschichte gehöre: „Nicht beim Erreichten stehenbleiben“. Die Erfolgsbilanz fülle eine ganze DIN-A4-Seite, aus der Schmidt einiges vortrug: Das alte Rathaus erhielt eine Rampe, es gab Aktionen für Gehwegabsenkungen und Behindertenparkplätze, die inklusive Jobmesse, den Lifter im Freibad, barrierefreie WC-Anlagen an der Domkirche und am Alfred-Delp-Platz, das Sommerfest im Park und vieles, vieles mehr.
Hannelore Nowacki
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