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  • Mi., 21. Februar 2024, 14:17 Uhr
    Dialektpflege: Alexander Bauer hat rund 2.500 Einträge zur „Bäschdädder Sprooch“ zusammengetragen, die digital kommentiert und ergänzt werden können

    Bürstädter Mundart-Wörterbuch ist online

    Info: Im Jahr 1999 beschloss die UNESCO den 21. Februar zum „Internationalen Tag der Muttersprache zu ernennen. Dieser Tag soll erinnern, dass die ungefähr 7000 Sprachen, die auf unserem Planeten gesprochen werden, geschützt werden müssen. In Deutschland sind zahlreiche Dialekte vom Aussterben bedroht.

    „Wir sind die letzte Generation, die noch aktiv Bäschdädderisch babble dudd“, befürchtet Alexander Bauer. Foto: oh


    BÜRSTADT – Zum Erhalt der lokalen „Muddasprooch“ hat Alexander Bauer als Hommage an Bürstadts Owwerbabbler Frank Gumbel rund 2.500 Bäschdädder-Dialektwörter in einer Datenbank zusammengetragen. Das digitale Bürstädter Mundart-Wörterbuch ist auf der Internetplattform www.Mundartretter.de jetzt online.

    „Dialekt ist für mich gesprochene Heimat und ist Teil meiner Identität. Er gehört einfach zur sprachlichen Vielfalt. Das ist nichts Unwichtiges. Das ist so wichtig wie der Erhalt von Pflanzen und Tieren. Wenn er mal weg ist, ist er ausgestorben“, erläutert Alexander Bauer seine Motivation. „Mir sind Begriffe wie ‚Struwwelkopp‘, ‚zoammegemougelt‘ oder ‚Wolldouwe‘ noch geläufig. Aber schon für meine Kinder sind diese Dialektworte so fremd wie koreanische Vokabeln“, gesteht der heimatverbundene Bürstädter.

    Diese Dialektferne sei mittlerweile typisch. Lange wurde der Dialekt als „Bauernsprache“ verpönt, galt als bildungsfern und provinziell. Immer mehr Eltern vermieden aus Prestigegründen, ihren Kindern Dialekt beizubringen. Auch in Kindergärten, der Schule und den Medien werde nur noch Hochdeutsch gesprochen. Mundartkundige Großeltern sterben aus. „Wir sind die letzte Generation, die noch aktiv Bäschdädderisch babble dudd“, befürchtet Alexander Bauer.

    Dialekt macht schlau!
    Der frühere Gymnasiallehrer beklagt, dass viel zu wenig bekannt sei, dass neuere Sprachstudien zu dem Schluss kämen: Dialekt mache schlau! Wer Hochdeutsch und eine Mundart beherrsche, verfüge über einen größeren Wortschatz, kenne mehrere Begriffe für ein und dasselbe. Wer wiederum viele Synonyme kenne, tue sich leichter mit dem Erlernen von Fremdsprachen.

    Stattliche Sammlung an Dialektwörtern
    Bürstadts Landtagsabgeordneter warnt vor der „endgültigen Gefährdung der Mundart und des Mundartgebrauchs durch die modernen Massenmedien“ und wirbt aktiv für eine Aufwertung und Förderung hessischer Dialekte. In seiner Freizeit hat er sich seinem heimischen Dialekt verschrieben. Beharrlich warb er bei Frank Gumbel um Unterstützung für sein Wörterbuch-Projekt. Der Gründer der „Bäschdädder Babbler“ veröffentlicht schon seit vielen Jahren auf Facebook ein Dialektwörter-Quiz mit einheimischen Begriffen und Redensarten. Aufgrund zahlreicher Kommentare und Rückmeldung zu diesem Wissensquiz entstand im Laufe der Zeit ein „Bürstädter Almanach“ – eine stattliche Sammlung an Dialektwörter. „Dieser gesammelte Wortschatz bildet den Grundstock des „Bürstädter Mundart-Wörterbuchs“, wertschätzt Bauer die Gumbelsche Mitgift. Dazu zählt auch die Portrait-Serie Original-Bäschdädder, eine Sammlung Bäschdädder Spitznamen und eine Zusammenstellung alter Straßennamen.

    In mühevoller Kleinarbeit
    In mühevoller Kleinarbeit sammelte Bauer fortan Dialektwörter, digitalisierte Klassiker wie etwa das Lied von der „Sainawwels Kett“ oder vom „Bäschdädder Wasser“ und weiteres mundartliches Bonusmaterial. Das Hautproblem seiner Arbeit: Wie schreibt man etwas, das gerade dadurch charakterisiert ist, dass man es eben nur spricht? Wissenschaftliche Lautschrift ist nicht jedermann geläufig. Deshalb entschied er sich dafür, die im Hochdeutschen gebräuchlichen Verkürzungen oder Verlängerungen von Lauten auf die Mundart zu übertragen.“, sagt Bauer. Korrekturen und Ergänzungen seien ausdrücklich erwünscht und könnten problemlos in die Wörterbuch-Datenbank eingepflegt werden.

    Verkaufserlöse zu Gunsten der „Bürstädter Babbler“
    Am Ende entstand auch noch ein Mundart-Magazin „sellemols & heit“ mit Artikeln zur Sprach- und Dialektentwicklung, mit Erläuterungen zu Begriffen jiddischer und französischer Herkunft, einer Auflistung von Dialektschimpfwörtern und weiteren Bürstädter Besonderheiten. Erwerben kann man das Mundart-Magazin „Gesprochene Heimat“ für 5 Euro über die Wörterbuch-Homepage oder bei Veranstaltungen der „Bürstädter Babbler“, denen auch der gesamte Verkaufserlös zugutekommt.

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