
HOFHEIM – Ob wagemutig auf dem Trapez, unterhaltend als cleverer Clown oder unerschrocken als Fakir auf dem Nagelbrett – die Kinder der Nibelungenschule Hofheim erlebten sich selbst und ihre Mitschüler jüngst noch einmal von einer anderen Seite. Eine ganze Woche lang stand für die Grund- und einige der Hauptschüler nicht Deutsch oder Mathe im Vordergrund, sondern die Welt in der Manege.
Zusammen mit dem Projektzirkus Hein hatte die Nibelungenschule eine Projektwoche zum Thema „Zirkus“ auf die Beine gestellt. Für die Kinder im Alter von sechs bis 14 Jahren bedeutete das: Erst drei Tage Proben und dann zwei große Auftritte vor gut gefüllten Zuschauerbänken im Scheinwerferlicht.
Das auffällige, rot-gelbe Zirkuszelt mit Platz für 280 Zuschauer war auf dem Hofheimer Sportgelände errichtet worden. Schon beim Auf- und später auch beim Abbau halfen die Eltern der Nibelungenschüler fleißig mit, um einen reibungslosen Ablauf zu gewährleisten. Die 15 Klassen der Jahrgangsstufe eins bis sieben verteilten sich auf zehn verschiedene Gruppen: Zauberer, Akrobaten, Jongleure, Fakire, orientalischen Tänzer, Hula-Hoop-Tänzer, Trapezkünstler, Clowns, Seiltänzer und Moderatoren.
Von geschulten Trainern des Zirkus Hein wurden die Kinder in ihren jeweiligen Gruppen betreut. Der Zirkus war bereits 1933 gegründet worden – damals noch als klassischer Zirkus. Heute haben Jeremy Hein und sein Team als Projektzirkus durch ihre Arbeit mit Schulen viel Erfahrung im Umgang mit Kindern. So durften die Hofheimer Schülerinnen und Schüler ihren Trainern für diese Woche auch voll und ganz vertrauen, wenn sie ihnen Kunststücke am Trapez, akrobatische Hebefiguren oder anspruchsvollere Jonglage-Einlagen zutrauten.
Die ersten drei Tage der Projektwoche stand ganz im Zeichen der Proben, ehe für die letzten beiden Tage dann die großen Aufführungen anstanden: am Donnerstag die Klassen 1, 3 und 7, am Freitag die Klassen 2, 4, 5 und 6. Zwei Auftritte mit einer jeweiligen Dauer von rund zwei Stunden hatten die Kinder zu bewältigen. Die Aufregung, das Erlernte nun auch im Scheinwerferlicht im mitunter bis auf den letzten Platz gefüllten Zirkuszelt und vor den Eltern, Großeltern oder Geschwistern zu zeigen, war bei vielen Grund- und Hauptschülern groß.
Doch dass besondere Anspannung auch zu besonderen Leistungen führen kann, war nur eine von vielen Erfahrungen, die die Schülerinnen und Schüler in ihrer Zirkuswoche mitnahmen. Entsprechend glücklich waren sie nach ihren großen Auftritten, die sie in schillernden Kostümen und kreativ geschminkt absolvierten. „Ich war vorher sehr aufgeregt, aber es hat sich super angefühlt, es dann geschafft zu haben“, sagte ein Viertklässler, dem zudem die Musik in der Manege besonders gefiel.
Auch das Publikum ging nahezu durchgehend über die zwei Stunden mit, klatschte immer wieder im Rhythmus und bejubelte die Darbietungen. Und so blickte man nach der anstrengenden, aber auch sehr erfüllenden Projektwoche in strahlende Kindergesichter. „Es hat wirklich sehr viel Spaß gemacht“, sagte eine glückliche Zweitklässlerin.
Auch die Schule um Leiterin Cornelia Schürer zeigte sich mit dem Ablauf der erstmals in dieser Form an der Nibelungenschule durchgeführten Zirkuswoche sehr zufrieden. Durch die fünf Tage voller Herausforderungen und besonderer Erfahrungen haben viele Kinder neue Talente oder Grenzen entdeckt und an Selbstvertrauen gewonnen. Zudem kam es beim Proben auf gegenseitige Rücksichtnahme, Zusammenhalt und Teamwork in den altersmäßig sehr gemischten Gruppen an. Nicht nur ein Zirkustraining, sondern auch eine Persönlichkeitsschulung also – und ein Gewinn in jeder Hinsicht. zg
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