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  • So., 19. Juni 2016, 19:39 Uhr
    Die Bahn baut in Bürstadt und Bobstadt vom 16. Juli bis 28. August um

    Busse im Ersatzverkehr – keine Aufzüge in Bürstadt in diesem Jahr

    An der über zweistündigen Bürgerinformationsveranstaltung zum Umbau der Haltepunkte in Bürstadt und Bobstadt im Bürgerhaus nahmen etwa fünfzig Bürger teil. Foto: Hannelore Nowacki


    BÜRSTADT – Auf der Bahnstrecke zwischen Lampertheim und Biblis werden sich die Fahrgäste aus Bürstadt und Bobstadt in den Sommerferien auf  Fahrplanänderungen und einen Pendelbusersatzverkehr einstellen müssen, denn vom 16. Juli bis zum 28. August werden die Haltepunkte von der Deutschen Bahn umgebaut. Baulärm und Baustellenverkehr während dieser sechswöchigen Umbauzeit kann für die Anwohner lästig werden. In der Bürgerinformationsveranstaltung der Deutschen Bahn am Donnerstag im Bürgerhaus stellten Vertreter der S-Bahn Rhein-Neckar und des VRN die Planungen für die Haltepunkte Bürstadt und Bobstadt vor und stellten sich den Fragen und Beschwerden der Bürger. Bürgermeisterin Barbara Schader begrüßte die Bürstädter und Bobstädter Bürger zur Veranstaltung. Wenn eines Tages der Umbau komplett erledigt und damit die Barrierefreiheit erreicht sein wird, stellt die Deutsche Bahn auch verbesserte Züge und Zugausstattungen in Aussicht. Allerdings wird auch weiterhin in Bobstadt kein Regionalexpress Richtung Frankfurt und Mannheim halten. Auch der zukünftige S-Bahnverkehr aus Richtung Mannheim wird in Biblis enden, wie VRN-Projektleiter Christian Wühl an Schaubildern verdeutlichte. Voraussichtlich 2019 wird der S-Bahnverkehr den Betrieb aufnehmen. Sven Schäfer vom Projektbüro S-Bahn Rhein-Neckar gab zunächst einen Überblick über das neue Streckennetz, das von 80.000 Menschen täglich genutzt werde und nach dem Ende der zweiten Ausbaustufe von 395 auf 550 Kilometer sowie von 105 auf 158 Stationen anwachsen werde – „eines der größten Nahverkehrsnetze Deutschlands“. Rolf Burckhart informierte über den Umbau in Bobstadt und die Bauarbeiten. Die Ausstattung mit Wartehäuschen und Beleuchtung werde erneuert und ein taktiles Wegleitsystem diene der besseren Orientierung. Die Zugänge müssen angepasst und der Bahnsteig auf 76 Zentimeter erhöht werden. An Gleis 1 werde eine Lärmschutzwand errichtet. Die Zeit sei knapp, dennoch sei mit der Baufirma vereinbart, tagsüber während zwölf Stunden zu arbeiten, nur bei Verzögerung auch nachts. Die Baufahrzeuge fahren nach Auskunft der Bahn durch Bobstadt, um über die Bergstraße zur Baustelle zu kommen, was die Anwohner wegen der befürchteten Einschränkungen und des Lärms aufbrachte. Auf Vorschlag von Bürgermeisterin Schader soll die Lage vor Ort gemeinsam angeschaut werden. Der Umbau in Bürstadt werde grundsätzlich gleich verlaufen, erklärte Burckhart, allerdings müsse hier Tag und Nach gearbeitet werden. Aufzüge seien geplant, doch werde es aus finanziellen Gründen dieses Jahr voraussichtlich noch keinen Aufzug geben. Rammarbeiten werden notwendig sein, bestätigte Burckhart auf Nachfrage von Anwohnern. Darüber sollen die Anwohner durch Postwurfsendungen rechtzeitig informiert werden, ebenso zu Nachtarbeiten und Verkehrsbeschränkungen. Über das Baustellentelefon mit der Nummer 01602189469 können die Bürger Kontakt aufnehmen.

    Die Lärmschutzwand in Bobstadt soll auf einer Seite 330 Meter, auf der anderen Seite 300 Meter lang werden, mit einer Lücke für den Bahnübergang. Die Höhe von drei Metern bemesse sich ab Schienenoberkante, erklärte Diplom-Ingenieurin Sabine Weiler, letztlich komme sie auf zwei Meter Höhe. Auf Nachfrage von Anwohnern ging sie detailliert auf die Förderung des passiven Lärmschutzes mit Schallschutzfenstern ein. Die Bahn biete für Wohnräume wie Schlaf- und Kinderzimmer zusätzlich einen Schalldämmlüfter an, der wie ein geöffnetes Fenster wirke. Knackpunkt beim passiven Lärmschutz ist jedoch der Eigenanteil der Hauseigentümer mit 25 Prozent und die Einschränkung, dass nur Gebäude, die vor dem 1. April 1974 errichtet wurden, förderfähig sind. Wer auf eigene Kosten einen Schalldämmlüfter einbauen lassen will, müsse mit 400 Euro rechnen, erhalte aber die günstigen Konditionen der Bahn. Wer höherwertige Fenster haben möchte, beispielsweise Aluminiumprofile statt Holz, müsse die Preisdifferenz selbst tragen. Alle betroffenen Anwohner werde die Bahn von sich aus anschreiben. Die bestehenden Lärmschutzwände in Bürstadt werden durch neue hochabsorbierende Wände ersetzt, teilte Weiler mit. Während der Sommerferien und Bauzeit vom 16. Juli bis 28. August fahren die Züge zu veränderten Zeiten. Wegen des zeitweise eingleisigen Bahnbetriebes zwischen Lampertheim und Biblis hat die Bahn ein Ersatzkonzept vorgelegt. Zwischen Bürstadt und Bobstadt wird ein Pendelbus verkehren, um den Regionalexpress in Bürstadt erreichen zu können. Ein Ersatzbus in beiden Richtungen fährt samstags und sonntags zwischen Biblis und Lampertheim, wenn kein RE70 fährt. Die Bushaltestellen für den Schienenersatzverkehr und geänderte Fahrzeiten sind in einem Faltblatt von Deutscher Bahn und VRN enthalten. Im Internet unter www.bahn.de/ris oder www.bahn.de/bauarbeiten wie auch auf der Homepage des S-Bahn-Ausbaus www.ausbau-rheinneckar.de sind weitere Informationen erhältlich. Hannelore Nowacki

    Information

    Kritische Fragen und aufgebrachte Beschwerden gab es bei dieser Veranstaltung reichlich, deutliche Hinweise auf eine längere Leidensgeschichte von Anwohnern, was Lärm und Baustellentätigkeit der Bahn betrifft. Auch die Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit der Bahnverbindungen macht offenkundig vielen Bahnkunden zu schaffen. Ein Manko wurde deutlich: Bei Problemen einen Ansprechpartner bei der Bahn zu finden, scheint schwierig zu sein. Daher brachten einige Diskussionsteilnehmer ihre Anliegen auch schon eindringlich während der Vorträge zur Sprache und bestanden darauf, dass die Bahnvertreter diese weiterleiten und ihnen Kontaktdaten nennen. Lautsprecherdurchsagen an den Bahnsteigen, auch nachts, haben das Potenzial, Anwohner zu belasten und die Nachtruhe zu stören, wie heftige Redebeiträge zeigten. Der Wunsch von Anwohnerseite: Schon vor dem Umbau eine bessere Lösung für nicht störende Durchsagen einzuplanen. Referent Schäfer versprach den Anwohnern: „Wir nehmen die Bitte mit“. Anwohner bemängelten in diesem Zusammenhang, dass der zuständige  Fachmann der Bahn nicht anwesend war.

     

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