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Fr., 21. Januar 2022, 07:47 Uhr
PLANÄNDERUNG: 100 Millionen Euro kostet das Großprojekt / Altrheinhalle bleibt vorerst erhalten
Campus Biedensand wird trotz Einsparungen 40 Millionen Euro teurer
Das Lessing-Gymnasium wird Teil des neuen Campus Biedensand. Ein Gebäude in Modulbauweise auf dem Schulhof schafft schon jetzt mehr Platz für Klassenräume. Foto: Hannelore Nowacki
LAMPERTHEIM – Was Landrat Christian Engelhardt bei der Pressekonferenz im neuen Landratsamt am Mittwochnachmittag verkündete, war selbst für die anwesenden Vertreter der betroffenen Schulen eine Überraschung. Der Campus Biedensand, das größte aktuelle Schulprojekt des Kreises Bergstraße, wird wegen der gestiegenen Kosten für Material, Bauen und Klimaschutz nicht in der bisher geplanten Weise realisiert. Trotz der geplanten Einsparungen durch den Abschied von einer komplett neuen Bebauung berichtete Engelhardt von einer Kostensteigerung von 40 Millionen Euro, die das ursprünglich auf 60 Millionen Euro angelegte Projekt trotz Einsparung auf 100 Millionen anwachsen lässt. In der Leistungsphase I und II der Planungen wurde erkannt, dass die Kosten die Mittel übersteigen werden. Eingeladen waren Schulleiterin Silke Weimar-Ekdur vom Lessing-Gymnasium Lampertheim (LGL) und der stellvertretende Schulleiter Jérôme Dath sowie Schulleiterin Sylvia Meier und Konrektor Mario Mörstedt von der Alfred-Delp-Schule (ADS) sowie Bürgermeister Gottfried Störmer, der aus Sicht der Stadt Lampertheim die Planänderung kommentierte. Landrat Engelhardt und Johannes Kühn, Technischer Betriebsleiter des Eigenbetriebs Schulen und Gebäudewirtschaft, informierten über die nächsten Schritte und das weitere Vorgehen. Eine gute Nachricht betrifft die Sportvereine, die nun weiterhin die Altrheinhalle nutzen können, weil diese nicht abgerissen wird. Nach der neuen Planung soll erst am Ende der Bauphase im Campus Biedensand entschieden werden, ob sie abgerissen oder erweitert wird. Ursprünglich war vorgesehen, zuerst anstelle der Altrheinhalle mit dem Neubau des Lessing-Gymnasiums zu beginnen, erst am Ende der zehnjährigen Bauzeit sollte ein Hallenneubau entstehen. Unter veränderten Bedingungen gehe es jetzt um die Frage, wie sich aus dem Schulzentrum West ein Campus entwickeln lässt, meinte Engelhardt. Komplett neu aufgerollt werden die Planungsphasen I und II, die Ergebnisse der Planungsphase 0 sollen Bestand haben. In dieser ersten Planungsphase hatte der Kreis Bergstraße als Schulträger die Schulen und die Stadt Lampertheim in die Arbeit einbezogen. Ziel war, durch den kompletten Neubau nach aktuellen bautechnischen Anforderungen und Energiekonzepten den modernen pädagogischen Anforderungen mit neuen Raumkonzepten gerecht zu werden. Engelhardt nannte die vorherigen Vorstellungen als nicht zu den Möglichkeiten passend. Um die Wirtschaftlichkeit zu erfüllen, sei anders zu planen. In der Neuplanung würden die Gebäude im Rahmen des Beschlusses zum Klimaschutz klimaneutral geplant. Für den Wiedereinstieg in die Planungsphasen I und II werde ein neues Planungsteam beauftragt. Mehr Gebäude sollen beibehalten und weniger Gebäude verlegt werden. Ein weiteres Zeitfenster ergebe sich für die Stadt Lampertheim und den Landkreis für die Auslotung von Synergien im Bereich Musikschule, Kultur, Stadtbücherei, Medien und Jugendarbeit. Die Schulen und Schulgemeinden sowie die Stadt Lampertheim sollen noch einmal in die Planungen eingebunden werden. Bürgermeister Störmer äußerte sich zufrieden, dass der Kreis sich mit der Entwicklung der attraktiven Schullandschaft befasst, in dessen Zuständigkeit und Verantwortung dies liege, aber den Weg gemeinsam mit der Stadt Lampertheim gehe, die ihre Gedanken bereits eingebracht habe. Stand jetzt sei, dass der Vorentwurf kurz vor dem Abschluss stehe, daran ansetzend könne das weitere auf den Weg gebracht werden.
Die Arbeiten für den Campus Biedensand an der Alfred-Delp-Schule werden nach dem Lessing-Gymnasium durchgeführt. Foto: Hannelore Nowacki
Auf politischer Ebene müsse die Kostenfragen geklärt werden. Was die Musikschule betreffe, freue ihn, dass Engelhardt darüber spreche. Störmer begrüßte den neuen Ansatz. Gut sei, dass zugunsten der Realitäten ein Schnitt gemacht werde. Störmer kündigte an, dass die Verwaltung gerne weiter mitarbeiten und sich einbringen wolle, auch um den Verkehr und das Umfeld an den Schulen im Sinne einer Entspannung zu gestalten. Hinsichtlich Synergien von Musikschule und Stadtbücherei im Campus Biedensand gebe es den Beschluss der Stadtverordnetenversammlung vom 29. Oktober 2021. Zur Kostenfrage habe die Verwaltung noch nichts sagen können. Engelhardt sieht zur Klärung von Synergien und Kosten ein Zeitfenster von ein paar Monaten. LGL-Schulleiterin Weimar-Ekdur lag daran, dass das Kollegium, die Schulgemeinde und Eltern schnell von der Neuigkeit erfahren. In den bisherigen Arbeiten zur Phase 0 wie auch in denPlanungsphasen I und II stecke viel Herzblut, doch nun heiße es umzudenken. Auch weiterhin wolle die Schule in der Planung mitgenommen werden. Im Rückblick auf die intensive Arbeit in den bisherigen Planungsphasen und Workshops sagte ADS-Schulleiterin Meier, sie sei dankbar eingebunden worden zu sein. Die Zusammenarbeit hätten man sehr genossen. In der Haupt- und Realschule stehe die Pädagogik ganz oben. Daher begrüße sie, dass Schule in dieser Hinsicht ganz neu zu denken sei. Schon jetzt werde in der Alfred-Delp-Schule einiges umgesetzt. Technischer Betriebsleiter Kühn erklärte, dass die bisher investierte Zeit und die Erfahrungen bei der weiteren Planung mit neuer Reihenfolge helfen werden. Auch Landrat Engelhardt bekräftigte, dass die erarbeiteten Grundlagen weiterverwendet werden und fasste zusammen: Der größte Teil des Campus Biedensand werde neu sein: „Wir bauen zwei neue Schulen“. Begonnen wird mit der Neuerrichtung des Lessings-Gymnasiums. Kühn schätzt, dass frühestens in zweieinhalb Jahren die Bagger anrollen werden. Hannelore Nowacki