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  • Do., 16. Dezember 2021, 16:30 Uhr
    VEREIN FÜR HEIMATGESCHICHTE: Bauhof Biblis fand bei Pflanzaktion alten Chausseestein aus den 1850er-Jahren

    Chausseestein als einzigartiges historisches Denkmal

    Große Freude über den gefundenen Chausseestein in Nordheim: Günter Mössinger (2.v.l.) erläuterte von Ortsvorsteherin Renate Weissbrodt (2.v.r.) und Bürgermeister Volker Scheib (r.) die Bedeutung des Fundes. Foto: Benjamin Kloos


    NORDHEIM – Im Rahmen des Programmes „100 Bäume für Biblis” wurden durch den Bauhof der Gemeinde entlang der neuen Nato-Straße in Nordheim alte deutsche Sorten an Äpfeln, Birnen und Kirschen gepflanzt. In diesem Zusammenhang wurden auch Bäume aus dem Altbestand ersetzt. Dabei hat das Bauhof-Team einen alten Chausseestein aus Sandstein gefunden und direkt an Ort und Stelle wieder aufgestellt. 

    Günter Mössinger vom Verein für Heimatgeschichte in Nordheim, zeigte sich am Donnerstag bei einem Pressetermin vor Ort von dem unerwarteten Fund begeistert: „Wir haben mit dem Stein eine richtige Weihnachtsüberraschung geschenkt bekommen! Der Chausseestein ist recht einzigartig. Die Bauhofmitarbeiter sind bei ihrer Pflanzaktion auf den umgestürzten Stein gestoßen und haben diesen geborgen. Es ist ihnen hoch anzurechnen, dass sie diesen direkt an der gleichen Stelle wieder aufgestellt und nicht etwa entsorgt haben, so dass er jetzt wieder sichtbar ist.”

    Bei dem Stein handelt es sich um einen sogenannten Chausseestein, von denen es einst viele entlang der gut ausgebauten Straßen auch rund um Biblis und Nordheim gab. „Der Ursprung für diese Steine liegt bei Napoleon. Denn dieser hat darauf Wert gelegt, dass in seinem gesamten Reich Chausseen ausgebaut wurden. Vorher war der Weg relativ schmal und nicht unterbaut”, erläuterte Günter Mössinger im Beisein von Bürgermeister Volker Scheib und Ortsvorsteherin Renate Weissbrodt. Dies habe sich unter Napoleon geändert: „Dieser wollte Straßen mit einem massiven Unterbau und einem Feinbelag darauf, damit seine Grande Armée in Sechser-Reihen durch sein Reich marschieren konnte”, ergänzte Günter Mössinger. So sei auch der alte Herdweg in Nordheim ausgebaut worden. Den Soldaten folgten schon bald die Händler, da die Chausseen aufgrund ihrer Struktur ideal für den Warentransport waren.  

    Mitte der 1850er-Jahre habe schließlich die Gemeinde Biblis finanziell gut dagestanden und auch viel in die Infrastruktur investiert und diese ausgebaut – so sei in diesem Zeitraum auch die Weschnitzbrücke verstärkt worden. 

    Daher hatte der Gemeinderat von Biblis bei der Landesregierung den Antrag gestellt, dass Nordheim aufgrund der sehr guten Handelsmöglichkeiten eine neue Fähre und eine dazugehörige Straße erhält. Denn Biblis hatte einen Wald, der hervorragend gehegt und gepflegt wurde, und nun sollte vermehrt Holz aus diesen reichen Waldungen in das waldarme Rheinhessen verkaufen werden. Dabei wollte man sich den Umweg über die Wormser Schiffbrücke sparen und somit viel Zeit einsparen. „Die Initiative zum Bau ging wohl zuerst von Biblis aus und nicht von Nordheim. Es kam dann nach und nach zur Verwirklichung, aus dem Herdweg wurde die Rheiundürkheimer Straße, die Chaussee wurde an dieser Stelle neu gebaut”, so Günter Mössinger in seinen Ausführungen. 

    Der runde Sandstein trägt in einem schön ausgehauenen Feld die Zahl 62 – oder auch 6,2. „Es könnte die Entfernung in 100-Meter-Schritten von Biblis bedeuten”, vermutet Günter Mössinger – und dies könnte durchaus hinkommen, denn Nordheim hat bereits sehr früh postalisch zu Biblis gehört und liegt über die alte Trassenführung etwa in dieser Entfernung. „Ein Chausseestein an der Bushaltestelle in Nordheim zeigt passend hierzu auch die 5,0“, wie der begeisterte Altertumsforscher erwähnte. „Der Stein ist klein, aber oho und steht an seinem Originalstandort. Damit ist er der letzte Zeuge der Aufwertung dieser Straße vom einfachen Feldweg zur Chaussee. Ich bin dem Bauhof sehr dankbar, dass er diesen Stein an seiner alten Wirkungsstätte entdeckt und wiedererrichtet hat.” Benjamin Kloos

     

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