Mi., 19.08.2026
Die Gratiszeitung für Lampertheim und das hessische Ried
  • Startseite
  • Sport
  • Termine
  • Stellenmarkt
  • Fr., 26. Oktober 2018, 08:21 Uhr
    Forschungsprojekt zur Kriegsbrücke über den Rhein mit LGL-Klasse 9 

    Da war mal eine Brücke

    Die lange Dürre bringt an den Tag, was der Rhein sonst für sich behält – vermutete Reste der Kriegsbrücke. Foto: Hannelore Nowacki


    NORDHEIM – Der Verein für Heimatgeschichte Nordheim hat schon viel über die Geschichte der Kriegsbrücke über den Rhein herausgefunden, von deren Existenz nur noch Reste übrig geblieben sind. Aber seit Mittwoch liegt einiges auf dem Tisch, rostige Teile, die zur Brückenkonstruktion gehörten, wurden ausgegraben und dokumentiert. Mit Feuereifer fing die Klasse 9e des Lessing-Gymnasiums Lampertheim am Vormittag mit der Arbeit an und wurde damit aktiver Teil des Forschungsprojektes, das der Hessische Minister für Wissenschaft und Kunst Boris Rhein auf Initiative des Landtagsabgeordneten Alexander Bauer (CDU) finanziell unterstützt. Eine erste Einführung in die Geschichte vermittelte Vereinsvorsitzender Günter Mössinger den Schülern in der Nähe der Gaststätte „Fährhaus“  mit Blick von oben auf den Rhein, in der große Runde mit dabei mehrere Zeitzeugen, Heimatforscher aus dem Ried, Vereinsmitglieder und Bürger. Der große Strom hat sich in die Fahrrinne in linksrheinischer Ufernähe zurückgezogen, die Muschel- und Kiesbänke liegen weitläufig frei. Ganz nahe heran ans klare Rheinwasser ging die Gruppe. Im etwas tieferen Wasser ragen dicke runde Holzstämme und ein Eisenträger heraus. Mit hohen Gummistiefeln und Maßband ausgerüstet, geht ein Schüler zum genauen Ausmessen hin. Und dann kommt ein Frachtschiff, schiebt Wasser vor sich her. Ortsvorsteherin Renate Weissbrodt weiß, was gleich passieren muss – das Wasser werde sich zurückziehen und überraschend wiederkommen. So kam es auch, doch es dauerte eine ganze Weile, bis das Wasser wieder um die Schuhe schwappte. Zeit genug, in der Schüler die Hölzer und den dunklen Stahl noch einmal näher in Augenschein nehmen konnten. Geschichtslehrer Sören Kielmann teilte die 29 Schüler im Alter von 14 bis 16 Jahren in Gruppen auf, die für ihre Spezialaufgaben die nötigen Werkzeuge vom Verein erhielten. Mit Spaten, Spitzhacke, Besen und Schubkarre machte sich die Freilegungsgruppe an die Arbeit. Nur von Laub bedeckt war das erste großflächige Betonfundament, runde Löcher als Holzhalterungen links und rechts. Auf der Wiese zeigte der Grasbewuchs an, wo weitere Brückenfundamente verborgen waren, auch im Wald wird noch mehr vermutet. Nur ein Teil konnte in der kurzen Zeit freigelegt werden, 18 Fundamente haben die Schüler erkannt, je nach Einschätzung können es auch 22 Stellen sein. Erstaunliche Fundstücke haben die Schüler ausgegraben, Teile der Stahlkonstruktion und Flaschenglasscherben aus der Zeit vor 80 Jahren. Sarah Lindemann war begeistert von diesem Ausflug in die Geschichte. „Ich finde es cool, dass wir neu entdecken können, was vor 80 Jahren hier war“. Rebecca Docter hatte zuvor nicht gewusst, dass es so etwas gibt. „Das war sehr spannend“, meinte sie, „ich würde so etwas auch nochmal machen, wenn es möglich wäre“. Dass so viele Zeitzeugen gekommen sind, hat die beiden Mädchen überrascht, sie freuen sich auf die Gespräche mit ihnen. Die Heimatforscher wissen von Fotografien, dass die Brücke eine Holz- und Stahlkonstruktion war. Alle Flächen und Löcher hat die Vermessungsgruppe mit Maßband sorgfältig vermessen.

    Geschichtsunterricht mit Schaufel und Schubkarre war geboten, um zu entdecken, was seit dem Krieg verborgen war. Foto: Hannelore Nowacki


    Eine Gruppe hat die Kartierung vorgenommen, alles wurde notiert und Zeichnungen angefertigt, die Fotogruppe lieferte das Bildmaterial und eine weitere Gruppe war für die Archivierung zuständig. „Das haben sie alles toll gemacht“, lobte der Vereinsvorsitzende die jungen Leute. Begeistert äußerte sich Lehrer Kielmann:  „Eine solche Möglichkeit zu arbeiten, mit Besen und Spaten in der Hand, gibt es ganz selten“. Im Unterricht sei die Exkursion vorbereitet worden und werde noch mehrfach behandelt, um dann eine Dokumentation und eine öffentliche Veranstaltung präsentieren zu können. Darauf freut sich schon Günter Mössinger. Zeitzeugen wie Theo Held und Walter Schmidt haben die Kriegsbrücke als Kinder und Jugendliche gesehen und sind sogar manchmal auf ihr zum anderen Rheinufer gelangt, von Nordheim nach Rheindürkheim und zurück. „Wir hatten Verwandtschaft drüben und mein Vater hat drüben gearbeitet“, erzählte Schmidt, der Jahrgang 1935 ist. In den letzten Kriegstagen wurde die Brücke von der Wehrmacht gesprengt. Das Militär habe stets Vorrang auf der 1939 von der Firma Holzmann errichteten Brücke gehabt, denn sie diente, wie Vereinsvorsitzender Mössinger weiß, dem Feldzug nach Westen, nach Frankreich. Dafür reichte die bis dahin verkehrende Fähre nicht aus. Einige wenige Fotografien gebe es noch, auch Bruno Gündling, Heimatforscher aus Bürstadt, hat welche in seiner Sammlung. „Die sind aber von der anderen Rheinseite her aufgenommen worden“, sagt Mössinger, „wir hätten gerne Bilder aus der Nordheimer Perspektive“. Hannelore Nowacki

     
    Anzeige Online StellenmarktAnzeige dkge 1x1Anzeige dkge 2x2
    Anzeige TicketshopAnzeige NK Worms und RheinhessenAnzeige 3 Anzeige - 2