Die Gratiszeitung für Lampertheim und das hessische Ried
Sie sind hier: Startseite » Nachrichten » „Damit Kinder aus suchtbelasteten Familien nicht allein gelassen werden”
Mi., 15. Februar 2023, 14:28 Uhr
AWO BERGSTRASSE: Veranstaltungen der Suchthilfe und Prävention PRISMA am 1. März für Schulklassen, Familien und Fachkräfte / Unterstützung durch Sparkassenstiftung Starkenburg
„Damit Kinder aus suchtbelasteten Familien nicht allein gelassen werden”
Die AWO Suchthilfe und Prävention PRISMA lädt zu einer besonderen Veranstaltung für suchtbelastete Familien ein – unterstützt durch die Sparkassenstiftung Starkenburg. Foto: Benjamin Kloos
LAMPERTHEIM – Kinder aus suchtbelasteten Familien gibt es in unserer Gesellschaft viele, nur leben sie oft im Schatten und können übersehen werden. In Deutschland wachsen rund drei Millionen Kinder in einer suchtbelasteten Familie auf. Fachleute gehen von einer deutlich höheren Dunkelziffer aus, da es nicht für alle Zielgruppen eine Datengrundlage gibt. Es ist daher davon auszugehen, dass jedes fünfte Kind in einem suchtbelasteten Umfeld aufwächst.
Anlässlich der diesjährigen bundesweiten Aktionswoche für Kinder aus suchtbelasteten Familien COA (Children of Addict and Alcoholics) veranstaltet die AWO Bergstraße am 1. März den Aktionstag „Jetzt rede ich!” geben. Hierfür erhält die AWO mit ihrem Fachbereich Suchthilfe und Prävention eine finanzielle Unterstützung seitens der Sparkassenstiftung Starkenburg in Höhe von 800 Euro. Mit diesem Betrag konnte das Saalbaukino in Heppenheim für einen Tag angemietet werden, um am Vormittag für Schulklassen ab Stufe 7 eine Filmaufführung mit anschließendem Reflexionsgespräch anzubieten. Zudem gibt es am Abend eine öffentliche und kostenfreie Veranstaltung, zu der alle Bürger, Familien und pädagogische Fachkräfte des Kreis Bergstraße eingeladen sind.
Gezeigt wird dabei sowohl morgens als auch abends der Kinofilm „Zoey”. Grundlage des Films ist die Lebensbeschreibung betroffener Jugendlicher. Durch die differenzierte Darstellung der Lebenswelt von Kindern aus suchtbelasteten Familien kann Verständnis und Empathie hergestellt werden, um Familien besser unterstützen zu können. Die Film wurde durch das Medienprojekt Wuppertal im Auftrag des Blauen Kreuz Deutschland e.V. produziert.
Einlass am 1. März ist für die Abendveranstaltung um 17.45 Uhr, Beginn um 18 Uhr durch ein Grußwort der Ersten Kreisbeigeordneten Diana Stolz. Es folgt ein kurzer fachlichter Input von Nikita Girard von der Suchthilfe und Prävention PRISMA der AWO Bergstraße. Danach beginnt der Film mit einem darauffolgenden Publikumsgespräch unter Einbindung verschiedener Netzwerkpartner. Hierbei wird die Möglichkeit geboten, sich fachlich auszutauschen, im Kreis vorhandene Hilfsangebote kennenzulernen, neue Netzwerke knüpfen und bestehende aufzufrischen. An der alkoholfreien Cocktailbar kann man sich ebenfalls in angenehmer Atmosphäre austauschen und kennenlernen. Als Ziel nennen die Veranstalter, die möglichen Hilfsangebote im Kreis sichtbar werden zu lassen, und einen persönlichen als auch fachlichen Austausch zu fördern, um so wirksame Hilfsmöglichkeiten für betroffene Kinder und Jugendliche zu schaffen.
Freude über gute Resonanz
„Wir freuen uns, dass bereits 450 Anmeldungen von Schülerinnen und Schülern vorliegen – weitere Reservierungen sind aber noch möglich, da wir den Film über den Vormittag gestaffelt zeigen”, erläuterte Vanessa Schalk von PRISMA. Nach dem Film besteht für die Schulen die Möglichkeit, in einem Workshop das Thema zu vertiefen. Und auch Schulen, die am 1. März nicht können, haben die Möglichkeit, dieses wichtige Thema aufzugreifen und den Film vor Ort in den Schulen zu zeigen – unter fachlicher Begleitung von PRISMA und auch den Schulpsychologen, die bei der Filmvorführung am 1. März ebenfalls mit dabei sein werden.
„Familien mit Sucht leiden häufig unter Stigmatisierung und Ablehnung, dies spüren die Kinder und reden dann nicht mehr darüber. Es ist wichtig, dass Familien nicht stigmatisiert werden, denn Sucht ist eine Erkrankung, die behandelt werden muss, dabei spielt Empathie eine große Rolle”, wissen Nikita Girard und Vanessa Schalk. „Es geht uns mit diesem Projekt „Sei nicht still!” darum, Kindern und Jugendlichen Mut zu machen, darüber zu reden und so Hilfe zu erlangen. Denn es gibt immer wieder Kinder, die auf die Sucht ihrer Eltern aufmerksam machen. Bei unseren Besuchen in Schulen merken wir dies immer wieder deutlich. Wir bieten für Jugendliche eine kostenfreie Beratung an, sprechen aber nicht mit den Eltern, sondern motivieren die Jugendlichen, dies selbst zu tun. Bei uns erfahren die Jugendlichen Schutz und Akzeptanz, was sehr wichtig in diesen Situationen ist.”
Andrea Heim von der Sparkassenstiftung Starkenburg hofft, dass diese sinnvolle Veranstaltung auch in anderen Bereichen des Kreises wie Viernheim, Rimbach oder Wald-Michelbach gezeigt wird, um möglichst viele Menschen zu erreichen.
Einen Wunsch hat Adrian Steier-Bertz, Fachbereichsleiter von PRISMA: „Für noch anstehende und zukünftige Kinderfastnachtsveranstaltungen wäre es wichtig, dass bei diesen kein Alkohol angeboten wird – gerade um Kinder aus betroffenen Familien zu schützen und ihnen bei diesen Veranstaltungen, die Freude bereiten sollen, diese auch zu ermöglichen.” Benjamin Kloos