Das 4. Rennhof-Jazz-Festival begeisterte die Zuschauer
Das junge „Color Jazz“ Ensemble war einer der vielen Programmpunkte beim Jazz-Festival im Schloss Rennhof. Foto: Ehret
HÜTTENFELD - Jazz ist die universelle, uns alle verbindende Freiheitssprache. Es sind Emotionen, Leidenschaft und die Freiheit zur Kreativität. So kann man diese Musikrichtung wohl am treffendsten umschreiben. Die Zuhörer im überfüllten Festsaal des Schlosses Rennhof in Hüttenfeld, in dem die litauische Gemeinschaft und das litauische Gymnasium beheimatet ist, konnten sich davon überzeugen und waren restlos begeistert, was die jungen Musikerinnen und Musiker aus dem baltischen Land im Rahmen des Rennhof-Jazz-Festivals, das heuer zum vierten Mal stattfand, darboten. Eröffnet wurde der Abend von vier jungen Damen des Eduardas-Balsys-Gymnasiums aus Klaipeda. Dieses Gymnasium ist zudem eine Kunstschule der drittgrößten Stadt Litauens. Die drei Vokalistinnen, eine junge Dame spielte den Bass, präsentierten Stücke der populären klassischen Jazzmusik und modernisierte volkstümliche Musikstücke. Zunächst als Trio, dann aber auch solistisch brachten sie das Publikum zu wahren Begeisterungsstürmen. Hier hätten sich die Zuhörer gerne etwas mehr gewünscht. Als Gastensemble waren ,,Die Original Blütenweg Jazzer“ mit von der Partie. Das sind gestandene Musiker aus Bensheim, die unter der Leitung von Prof. Dr. Bruno Weis als Bandleader stehen. Sie begeisterten mit dem klassischen Dixiland-Jazz. Klassiker wie „Route 66“ oder „Down by the riverside“ in einem Satz von King Cole wurden nicht nur instrumental mit Banjo, Klarinette, Trompete, Klavier und Schlagzeug interpretiert. Auch sängerisch konnten die Herren, die schon seit 40 Jahren mitenander musizieren, überzeugen. Mit „Ice-creame“ beedneten die fünf Musiker ihren begeisterten Auftritt vor der Pause und stimmten das Publikum schon einmal darauf ein, was nach der Pause folgen sollte. Zunächst trat die gastgebende Band des litauischen Gymnasiums auf, wo die junge Monika Poveliunaite mit einem kessen Vokalsolo begeisterte. Danach kam der Höhepunkt des Abends. In diesem Jahr war die a-capella Gruppe „Color Jazz“ von der Jazzschule aus Vilnius unter der Leitung von Arturas Novikas zu Gast. Das ist gewissermaßen die Jugendabteilung der Gruppe „Jazz Island“, die im letzten Jahr das Publikum begeisterte. Direkt nach der litauischen Unabhängigkeit 1991 eröffnete Novikas das erste Jazzstudio für Schüler und begann mit ihnen zu singen. „Color Jazz“ kann auf viele Auftritte in aller Welt zurückblicken. In Riga wurden die Gruppe gar mit der Goldmedaille in der Kategorie Jazz ausgezeichnet. Die zehn Mädchen und zwei Jungs im Alter zwischen zwölf und 17 Jahren sangen zusammen mit ihrem Chorleiter Stücke aus unterschiedlichen Genres, die von Novikas selbst arrangiert wurden. Von Melodien aus „Hello Dolly“ über das bekannte Thema aus dem Film „Der dritte Mann“ und dem berühmten „Mister Sandman“ zeigten die jungen Musiker auch in gekonnter Choregraphie und mit anmutender Mimik, dass sie sich fast professionell auf dem Gebiet der modernen Chormusik präsentieren können. Doch sie überzeugten auch mit Volksliedern aus ihrer litauischen Heimat, und mit dem bekannten Menuett von Luigi Boccherini zeigten sie sich auch auf dem klassichen Parkett als wahre Könner. Nach drei Stunden ging ein atemberaubender Abend zu Ende. Der zeigte einmal mehr, dass die litauische Gemeinschaft kulturelle Veranstaltungen auf hohem Niveau im Schloss Rennhof präsentieren kann. ehr