KONZERT: Klangerlebnisse von Beethoven bis Alpenglühen mit Kollegium der Musikschule
Das Auge hört mit bei „Tach, Herr Bach 2023“
Finale bei „Tach, Herr Bach 2023“ – Musikschulleiter Joachim Sum dirigiert. Foto: Hannelore Nowacki
LAMPERTHEIM – Weiter auf der gewohnten Erfolgsroute lief am Samstagabend das 6. Konzert der Reihe „Tach, Herr Bach“. Das begeisterte Publikum belohnte die Musiker mit viel Applaus und auch kulinarisch waren verschiedene Schmankerl geboten. Zweimal eine halbe Stunde innerhalb von dreieinhalb Stunden hatten die Konzertbesucher Zeit, sich an Sekt und anderen Getränken im Zusammenspiel mit delikat belegten Häppchen, alpenländischer Brotzeit mit Brezen, Kümmel und Kochkäs‘ zu laben. Den spritzigen musikalischen Cocktail in abwechslungsreicher Mischung von Stilen und Epochen servierte das Kollegium der Musikschule, bei einigen Stücken gemeinsam mit Gastmusikern. Der Erlös aus der Bewirtung kommt der Musikschule zugute, zudem verzichteten alle Künstler auf ihre Gage. Lang ist’s her seit 2019 das fünfte Konzert in diesem Rahmen im vollbesetzten Saal der Notkirche stattfand – die Coronapandemie hatte zur vorübergehenden Pause genötigt. Vor drei Jahren stand bereits das Programm fest, die Eintrittskarten waren verkauft und der eingekaufte Wein lagerte schon in Erwartung eines unterhaltsamen Abends. Doch vier Tage vor dem Lockdown entschieden sich die Veranstalter, der Lions Club und Rotary Club in Zusammenarbeit mit cultur communal der Stadt Lampertheim wegen des Corona-Risikos gegen die Durchführung. Das Geld für die zurückgegebenen Karten wollten die verhinderten Konzertbesucher vielfach als Spende für die Musikschule verstanden wissen. Dafür dankte ihnen der Erste Vorsitzende des Musikschulvereins Dr. Nikolaus Selzer, der mit dem Präsidenten des Rotary Clubs Franz-Josef Diehlmann und Bürgermeister Gottfried Störmer als Schirmherr der Veranstaltungsreihe die Begrüßung der Besucher übernahm. Einige Stücke von damals wurden am Samstagabend wieder erweckt. Die Lehrkräfte der Musikschule haben einen akademischen Abschluss und konzertieren auf Bühnen im In- und Ausland, darauf wies Selzer hin. Musikschulleiter Joachim Sum wurde 2019 mit dem Kulturpreis der Stadt Lampertheim ausgezeichnet. Bekannt ist er auch als Meister der heiteren und wahnwitzigsten Ideen bei der Moderation, darauf dürften sich viele Konzertbesucher ebenso gefreut haben wie auf die Musik. In den Überleitungen zu den Stücken blickte Sum hier und da auf die Pandemie zurück, den Ernst mit Humor verträglich gestaltend. Aber wo ist Herr Bach geblieben? Aus „Tach, Herr Bach“ ist nicht „Tschüß, Herr Bach“ geworden, denn Sum zeigte sich überzeugt, dass Johann Sebastian Bach schon längst informiert ist und im Grunde schon immer dabei war.
Traditionelle Volksmusik in der Alpenregion bringt die Ruhe der Berge und Täler zum Ausdruck – gespielt von Hans-Joachim Rieß (Gitarre), Susanne Weinacker (Harfe) und Joachim Sum am Hackbrett, einer besonderen Zither. Foto: Hannelore Nowacki
Stücke von 14 Komponisten enthielt das Programm, von Beethoven über Ravel bis zu den Eigenkompositionen von Joachim Sum mit dem stürmischen „Don’t“ und von Karsten Opitz, der sein Herz an die seelenstreichelnde alpenländische Volksmusik verloren hat und sein Walzer-Stück „Quatterpätsch Woiza“ nennt. Zart klingt das Hackbrett, wenn Sum wie beim Hackbrettwalzer aus Alpbach von Peter Moser die Saiten mit den grazilen Klöppeln anschlägt, in inniger Harmonie mit dem Harfenspiel von Susanne Weinacker und Hans-Joachim Rieß an der Gitarre. In „Good Times“ zündet Opitz ein Jazz-Pop-Feuerwerk. Gastmusiker an der Gitarre war Hans-Joachim Rieß, Sums Vorgänger als Musikschulleiter und seit über zwanzig Jahren Landesverbandsgeschäftsführer deutscher Musikschulen in Hessen. Ein überraschendes Einschweben ins ländliche Leben unter hohen Bergen und in tiefen Tälern erlebte das begeisterte Publikum mit den Alphornbläsern Klaus und Birgit Steube und Dr. Walter Seelinger, die ihre dreieinhalb Meter langen Instrumente virtuos spielten und auf den mittleren Musikblock mit der traditionellen Volksmusik im Alpenraum einstimmten. In Lampertheim gebe es nur einen Problemberg, den Sodabuckel, meinte Moderator Sum. Hannelore Nowacki
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Die mitwirkenden Musiker waren: Georg Burghardt (Horn), Christine François (Querflöte), Elena Haag (Akkordeon), Martin Jungkunz (Gast, E-Bass), Svitlana Karikh (Flügel), Chiara Metzner (Violine), Gabi Noe-Müller (Kontra-Bass), Claudia Nicolai (Gesang), Nina di Noto (Gast, Gesang), Ju-Hee oh (Flügel), Karsten Opitz (Gitarre/Gesang), Andreas Pilder (Schlagzeug), Sven Pudil (Saxofon), Dr. Hans-Joachim Rieß (Gitarre), Dr. Walter Seelinger (Gast, Alphorn), Birgit Steube (Gast, Alphorn/Trompete), Klaus Steube (Gast, Alphorn), Joachim Sum (E-Gitarre/Gitarre/Hackbrett), Maurizio Viggiani (Flügel), Rudi Weinacker (Gitarre), Susanne Weinacker (Harfe).