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Mo., 10. Dezember 2018, 14:53 Uhr
Verein für Heimatgeschichte präsentiert Sonderausstellung im Burg-Stein-Museum
„Das Ende des Ersten Weltkrieges und die 20er Jahre in Nordheim“
Bürgermeister Felix Kusicka (von rechts) eröffnete die Sonderausstellung „Das Ende des Ersten Weltkrieges und die 20er Jahre in Nordheim“ am Sonntag in Anwesenheit von Ortsvorsteherin Renate Weissbrodt, Günter Mössinger, Vorsitzender des Vereins für Heimatgeschichte Nordheim, der das Leben damals schilderte, und Dietmar Borries, Vorsitzender des Vereins für Briefmarken und Münzenkunde Biblis. Foto: Hannelore Nowacki
NORDHEIM – Geschichte ist dokumentiertes Leben, wie es später einmal für diejenigen interessant wird, die nicht dabei waren, auch weil sie noch gar nicht das Licht der Welt erblickt hatten. Aber auch das Sterben und Leiden gehört zur Geschichte, wie die Sonderausstellung des Vereins für Heimatgeschichte in Zusammenarbeit mit dem Verein für Briefmarken und Münzenkunde Biblis zum Thema „Das Ende des Ersten Weltkrieges und die 20er Jahre in Nordheim“ deutlich macht. Im Ausstellungsraum drängten sich die zahlreichen Besucher, die sich interessiert mit den Exponaten befassten, die zum Teil seit Jahrzehnten in den Vereinsarchiven ruhten, einige wurden von Nordheimer Bürgern als Leihgabe für die Sonderausstellung zur Verfügung gestellt. Vor hundert Jahren, am 9. November 1918, endete der Erste Weltkrieg, der auch in Nordheim tiefe Spuren hinterließ. Feldpostbriefe sind an den Stellwänden zu lesen, Fotos von der Front und aus der Heimat, Fahnen und Dokumente von Soldatenvereinen, die in Nordheim nach dem Krieg 1870/71 starken Zulauf hatten, sind hinter Glas zu sehen.Auch der Versailler Vertrag in Buchform liegt aufgeschlagen in einer Vitrine, damals jeder Gemeinde in Deutschland zugeschickt. Notgeldscheine sind zu sehen, die in der Inflationszeit nach dem Ersten Weltkrieg von einem Tag auf den anderen an Wert verloren. Im Ganzen entsteht ein Eindruck vom damaligen Leben im kleinen Nordheim. Am Sonntagnachmittag eröffnete Bürgermeister Felix Kusicka die Sonderausstellung im Burg-Stein-Museum mit einer Rückschau auf einen „menschenverachtenden“ Ersten Weltkrieg und besorgtem Blick in die Zukunft. Denn nur hundert Jahre nach der ersten großen Kriegskatastrophe gebe es wieder Menschen, die aus der Geschichte nicht lernen. Günter Mössinger, Vorsitzender des Vereins für Heimatgeschichte habe ihn vorab über die Vorgänge damals in Nordheim informiert. „Für mich war es etwas erschreckend, man hat dem Krieg gefrönt und ist mit wehenden Fahnen in den Krieg gezogen“. Dabei habe der Erste Weltkrieg als Familienfehde der Königshäuser begonnen, die für Europa in einer ganz großen Katastrophe endete. In seinem lebendigen Vortrag ließ Vereinsvorsitzender Mössinger die Zuhörer teilhaben am damaligen Leben, wie er es aus den zur Verfügung stehenden Quellen herausarbeiten konnte. Zeitzeugen vom Ersten Weltkrieg gebe es nicht mehr, betonte auch Bürgermeister Kusicka, umso wichtiger sei eine solche Ausstellung. Das kleine Nordheim mit damals 850 Einwohnern habe im Ersten Weltkrieg 47 Soldaten verloren - 5,5 Prozent der Einwohnerschaft. Biblis traf es mit 72 Kriegstoten, teilte Mössinger mit, der einen zeitlichen Bogen spannte von der wilhelminischen Zeit seit dem gewonnenen Krieg 1870/71 gegen Frankreich, über den Ersten Weltkrieg bis ins Jahr 1929, als die Partei Hitlers in Nordheim bei den Reichstags-, Provinzialtags- und Kreistagswahlen höchstens sechs Stimmen verbuchen konnte. Das Vereinsleben habe sich nach dem Krieg wieder belebt, Gaststätten seien in Nordheim eröffnet und durch Tanzmöglichkeiten erweitert worden. Ein Bauer schaffte sich für sein Hobby eine Klappkamera an und fotografierte mit den damals üblichen Glasplatten. Eine Nordheimerin wurde 100 Jahre alt, die schriftliche Gratulation des Reichspräsidenten und ihr Lebenslauf sind ausgestellt. „Die Menschen wollten wieder leben“, erklärte Mössinger.Jedoch habe die französische Besatzung in Rheindürkheim den Rhein kontrolliert. Aus Mannheim-Waldhof seien viele bettelnde Kinder nach Nordheim gelaufen. Ein nächtlicher Tauschhandel von Lebensmitteln gegen Kohlen begann am Rhein in Nordheim.
Die Ausstellung ist zu den üblichen Öffnungszeiten des Burg-Stein-Museums, Rathausstraße 1, im Januar und Februar jeweils am ersten und dritten Sonntag im Monat von 10 bis 12 Uhr zu sehen (nicht in den Ferien).Hannelore Nowacki