Friseur-Innung fordert schnelle Finanzhilfen für Friseurbetriebe und Öffnung der Salons / Kritik an „schwarzen Schafen”
„Das Friseur-Handwerk ist kein Hotspot”
Friseursalons müssen bis 14. Februar geschlossen bleiben – nicht nur finanziell eine harte Geduldsprobe. Doch es gibt auch vereinzelt schwarze Schafe, die von zahlreichen Betreibern von Friseursalons hart kritisiert werden. Foto: www.pixabay.com
KREIS BERGSTRASSE – „Der andauernde Lockdown für Friseure und Kosmetiker führt aktuell zunehmend zu akuten Notsituationen für viele Unternehmen und auch für viele BetriebsinhaberInnen aus unserer Branche. Friseur-und Kosmetikbetriebe können derzeit keinerlei Einnahmen erzielen. Viele Kollegen und Kolleginnen gehen nach den letzten Wochen nun die liquiden Mittel aus. Bisher ist nicht absehbar, wann die Finanzhilfen des Bundes auf den Konten landen werden”, schreiben die Präsidenten der Friseurverbände und der Handwerkskammern in Rheinland-Pfalz an die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer. In Hessen ist die Situation für das Friseurhandwerk ebenso schwierig – dabei sei das Friseurhandwerk kein Hotspot. Daher fordert auch die Friseur- und Kosmetiker-Innung Kreis Bergstraße die umgehende Wiedereröffnung: „ Dringend benötigte Finanzhilfen, aktuell die Überbrückungshilfen Teil 3, wurden zwar von der Politik in Aussicht gestellt, sind aber im kleinstrukturierten Friseurhandwerk nur ein „Tropfen auf den heißen Stein“ – eine Antragstellung ist fünf Wochen nach dem Lockdown immer noch nicht möglich! Im besonders kleinstrukturierten Friseurhandwerk, in dem die Betriebsinhaber über wenige bzw. gar keine Rücklagen verfügen, stellt der zweite Lockdown das Aus dar, wenn die Überbrückungshilfen Teil 3 nicht branchenspezifisch oder besser gesagt auf das Friseurhandwerk angepasst werden. Ein Fixkostenzuschuss berücksichtigt zwar den Betrieb im engeren Sinn, aber was ist mit dem Unternehmerlohn, den sich der Betriebsinhaber monatlich für seine private Existenz auszahlt? Dieser findet keine Berücksichtigung! Die Rücklagen, sofern sie überhaupt vorhanden waren, wurden bereits in der ersten Schließungsphase im März/April 2020 vollständig aufgebraucht. Aktuell gibt es keine Rücklagen mehr. Die private Existenz der Inhaber/innen ist jetzt schon bedroht und diese Bedrohung wird mit jedem Tag der Schließung verstärkt! Damit ist derjenige wiederum benachteiligt, der fleißig war, den Umsatzverlust im Dezember so gering wie möglich gehalten hat und viele Stammkunden noch zufrieden gestellt hat. Wir fordern daher die Politik eindringlich auf, die Überbrückungshilfen Teil 3 auf das Friseurhandwerk anzupassen und nicht nur die Fixkosten bei der Auszahlung zu berücksichtigen, sondern auch einen Unternehmerlohn. Sollten Finanzhilfen nicht schnellstens an die Friseurbetriebe ausgezahlt werden, sind tausende Entlassungen und Insolvenzen unausweichlich, da die Betriebsinhaber/Innen keinen anderen Ausweg mehr sehen.”
Kritik an Verstößen
Auch Inhaber von Friseursalons im Kreis Bergstraße stehen kurz vor dem Aus – dabei kommt von diesen auch Kritik an „schwarzen Schafen”. So erklärte die Inhaberin eines Friseursalons gegenüber dem TIP, dass sie durchaus verwundert sei, dass während des Lockdowns immer wieder Fußballspieler, Politiker oder Personen des öffentlichen Lebens mit frisch geschnittenen Haaren zu sehen seien. Gleichzeitig gibt es immer wieder Berichte darüber, dass Personen und sogar ganzen Familien die Haare geschnitten wurden – während des Lockdowns und damit eindeutig Schwarzarbeit. Trotz der Umsetzung aller Hygienebestimmungen müssen dahingegen Friseursalons weiterhin zubleiben – Hausbesuche sind ebenfalls nicht erlaubt und werden strafrechtlich verfolgt. Dennoch finden diese offensichtlich immer wieder statt, hier stellt sich die Frage, warum diese nicht intensiver verfolgt und unterbunden werden – besonders auch angesichts des Infektionsschutzes.
Ebenso wie zahlreiche ihrer Kolleginnen und Kolleginnen nimmt die Inhaberin des Friseursalons, die das Gespräch mit dem TIP suchte, als Gewerbetreibende die Maßnahmen des Lockdowns ernst, da diese der Gesundheit dienen – genauso wie übrigens Restaurantbetreiber und Einzelhändler. Und ebenso viele halten sich an die Vorschriften und schneiden oder färben gewerblich keine Haare, während dies untersagt ist. Denn Haareschneiden in den heimischen Wohnzimmern entbehrt für sie und ihre Kollegen, die sich an die Regeln halten, jeder Moral – und ist sowohl gegenüber den eigenen Kolleginnen und Kollegen als auch gegenüber der gesundheitlichen Verantwortung aller nicht zu verantworten. Denn durch die Hausbesuche wird das Coronavirus im schlimmsten Fall von Haus zu Haus getragen und sorgt so für erneut steigende Infektionszahlen und damit für eine mögliche Verlängerung des Lockdowns. Im Sinne der Verantwortung und der Gesundheit sollten sich alle, auch wenn die Zeiten noch so schwer sind, an die Maßnahmen halten. Zum Wohle aller.red