Mo., 12. Juli 2021, 10:06 Uhr
Ensemble Cuvée begeisert in der Gustav-Adolf-Kirche
Das kommt mir spanisch vor

Foto: ehr
HÜTTENFELD - Die evangelische Kirchengemeinde Hüttenfeld hatte zum Auftakt einer neuen kulturellen Konzertreihe unter dem Motto „Klassik Zwische Bergstroß un Rhoi“ - angelehnt an das Hüttenfelder Lied – das Ensemble Cuvée zu Gast.
Das Ensemble Cuvée ist ein seit Jahren musikalisch sehr flexibles Ensemble, das sich die unterschiedlichsten Programme und Musikstile vornimmt und in seinen Konzerten vorstellt. Die beiden Brasilianer Vitor Diniz (Flöte) und Mateus Dela Fonte (Gitarre) sind als „Latinos Classicos“ bereits bestens bekannt. Petra Fluhr ist von Hause aus Oboistin bei der Deutschen Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz in Ludwigshafen und widmet sich nebenbei auch dem Gesang.
Manches ist echt, manches kommt einem spanisch vor. Das Programm des Ensembles wählte unter dem Titel der oft zizierten Redewendung spanisch-rhythmische, temperamentvolle aber auch mal sentimentale Werke verschiedener Komponisten aus.
Viele Komponisten nutzten Charakteristika spanischer Volksmusik als Kolorit für Werke mit spanischer Anmutung. Dabei war Bizet kein Spanier, ebensowenig Ibert oder Ravel. Dennoch schaffen sie es, den Zuhörer musikalisch auf die iberische Halbinsel zu entführen. Manchmal klingt ihre Musik spanischer als die "echte", auf jeden Fall immer hochromantisch und energiegeladen.
Nach der Begrüßung des Gemeindepfarrers Thomas Höppner-Kopf der unter Coronabedignungen voll besetzten Gustav-Adolf-Kirche bezauberte Petra Fluhr mit einer Weise aus dem 16. Jahrhundert und ihrem klaren Mezzosopran das Publikum. Die beiden Herren hielten sich hier noch dezent, aber filigran im Hintergrund. Das änderte sich bei Marain Marais’ Variationen über La Follia, einem Satzmodell eines portugiesischen Tanzes, das von unzähligen Komponisten schon bearbeitet wurde. Hier oblag dem Gitarristen Mateus Dela Fonte die Begleitung der immer wieder kehrenden Harmonien, während Vitor Diniz auf der für diese Nummer speziellen Barockflöte mit feurig schnellen Variationen brillierte.
Die Künstler führten selbst durch’s Programm und erläuterten die präsentierten Stücke. Auch wenn sie so bekannt waren wie die „Alhambra“des wegweisenden Gitarristen Francisco Tárrega aus dem 19.Jahrhundert. Hier zeigte Dela Fonte auf seiner 7-saitigen Klassikgitarre mit einem astreinen Tremolo sein ganzes Können. Obwohl „Cuvèe“ dieses Programm bisher nur einmal präsentierten, zeigten Mateus Dela Fonte zusammen mit Petra Fluhr bei den Canciones Espanolas Antiguas des Dramatikers Frederico Garcia Lorca (1898 – 1936) bemerkenswerte Harmonie.
Dann begann der „französische“ Teil des Abends, zumindest was die Auswahl der Komponisten begtraf. Die Komposition „Entr‘ Acte“ des Franzosen Jacques Ibert trug jedoch ebenso spanische Elemente wie das Werk George Bizets, das wie kaum ein anderes für uns Mitteleuropäer das feurige Temperament Spaniens verkörpert - Carmen.
Die Habanera, ein Tanz aus Kuba, dessen typisches Merkmal im 2/4-Takt die starke Betonung am Taktanfang und die Punktierung der ersten Achtelnote ist, präsentierte Cuvèe gleich von 2 französischen Komponisten. Natürlich der Ohrwurm von Bizet, bei dem Petra Fluhr mit beeindruckender Sicherheit den chromatischen Melodielauf interpretierte, als auch eine Version von Maurice Ravel, wo Vitor Diniz mit der Flöte bezauberte.
Den furiosen Abschluss eines unvergesslichen Abends machte das Ensemble dann mit der Carmen-Fantasie und einem Zigeunerlied von Francois Borne. Die Zuhörer spendeten frenetisch Applaus und bekamen auch die geforderte Zugabe.
Das 2. Konzert der Reihe „Klassik zwische Bergstroß‘ un Rhoi“ gibt es bereits am 25. Juli um 18 Uhr in der Kapelle am Waldfriedhof in Neuschloß mit dem Ensemble KLAZZIXX. zg