Sa., 15.08.2026
Die Gratiszeitung für Lampertheim und das hessische Ried
  • Startseite
  • Sport
  • Termine
  • Stellenmarkt
  • Fr., 08. Mai 2026, 17:30 Uhr
    SICHERHEIT IM STRASSENVERKEHR: Unfall zwischen Schulkind und Pkw an Lampertheimer Kreuzung wirft Fragen auf / Signalanlage wiederholt defekt / Eltern üben Kritik

    Defekte Ampel als Dauerzustand nicht akzeptabel

    Ampelanlagen an Kreuzungen gelten, wie hier im Bereich Bürstädter- und Hagenstraße in Lampertheim aufgrund ihrer komplexen Verkehrsströme häufig als neuralgische Punkte im Straßenverkehr. Sind die Signalanlagen nicht in Betrieb, erhöht sich das Unfallrisiko.
    Foto: Steffen Heumann

    LAMPERTHEIM – Montagmorgen im Kreuzungsbereich Bürstädter und Hagenstraße in Lampertheim. Die Ampelanlage in diesem neuralgischen Bereich ist zum wiederholten Mal defekt. Ein Junge wurde beim Überqueren der Straße mit seinem Fahrrad von einem Autofahrer erfasst. Die gute Nachricht vorweg: Dem 10-jährigen Schüler der 4. Klasse fühlte sich am Tag nach dem Unfall wieder besser. Er klagte über eine Verletzung am Knie und Schürfwunden. „Für meine Frau, meine 8-jährige Tochter und mich ein schrecklicher Moment, der uns so schnell nicht wieder loslassen wird“, berichtet ein Augenzeuge gegenüber dem TiP. Der Familienvater zeigt sich besorgt: Der Defekt an der Ampelanlage sei ein Dauerzustand! Eltern und Anwohner hätten die Verwaltung bereits mehrfach schriftlich auf diesen Missstand hingewiesen. Wiederholt habe man E-Mails verfasst und auf die Gefährdungssituation aufmerksam gemacht sowie um eine dauerhafte, verlässliche Lösung gebeten. Eine nachhaltige Verbesserung nicht in Sicht. 

    Viele Kinder seien auf eine funktionierende Querungshilfe angewiesen, um sicher zur Schule zu gelangen. Wenn diese regelmäßig nicht gegeben sei, entstehe eine gefährliche Situation, die nun in diesem Unfall ihren traurigen Höhepunkt gefunden habe, beklagen Eltern. Bemerkenswert sei in diesem Zusammenhang, dass zwei Techniker der Stadt Lampertheim am Unfalltag sehr schnell vor Ort sein konnten – nur unwesentlich langsamer als der Rettungswagen, fügt der Augenzeuge an. Dass stattdessen weiterhin auf kurzfristige und unzureichende Maßnahmen gesetzt werde, kann der Bürger nicht nachvollziehen. So sucht das Ordnungsamt freiwillige Verkehrshelfer unter den Eltern der Schüler für einen Zeitraum am Morgen von 7.25 bis 8 Uhr – ein Ansatz, der das eigentliche Problem nicht löse, sondern lediglich verlagere, zudem Eltern Gefahren und Anfeindungen aussetze, meint der Lampertheimer. Die Verantwortung für die Sicherheit im öffentlichen Straßenverkehr dürfe jedoch weder auf Ehrenamtliche noch auf Kinder und deren Eltern abgewälzt werden, gibt der Familienvater zu bedenken. 

    Auch die Situation rund um die Goetheschule, insbesondere in der Hagenstraße, verschärfe die Problematik zusätzlich. Blockierte Gehwege durch parkende Fahrzeuge sowie das konsequente Ignorieren von absoluten Halteverboten würden zu gefährlichen Situationen beitragen – ohne dass hier spürbar eingegriffen werde. Der Unfall mache deutlich, dass dringender Handlungsbedarf bestehe. Daher stelle sich mit Nachdruck die Frage: Wann wird die Stadt Lampertheim endlich konsequent handeln und für eine dauerhaft funktionierende Ampelanlage, aber vor allem wirklich sichere Schulwege für die Kinder sorgen?

    Auf TiP-Anfrage zum Vorfall in der Bürstädter-/Hagenstraße antwortete die Verwaltung wie folgt: „Im konkreten Fall am Montag ist die Anlage ausgefallen, weil eine Glühbirne defekt war. Die Anlage schaltet in so einem Fall ab, da die Lichtsignalfolge nicht mehr eingehalten werden kann. Neben der Problematik mit den Glühbirnen kommt es seit geraumer Zeit zu Stromschwankungen im Netz, sodass teilweise Ampelanlagen ausfallen (unter anderem auch die Anlage von Hessen Mobil auf der B44). Die Anlage wurde bereits gestern (also am Montag – Hinweis der Redaktion) wieder unverzüglich in Gang gesetzt. Sobald Ausfälle mitgeteilt werden, werden diese kurzfristig behoben. Außerdem steht die Verwaltung mit dem Hersteller im Austausch, um die Anlage so schnell wie möglich auf LED umzurüsten und so die genannten Fehlerquellen künftig zu umgehen. Die Stadt Lampertheim klärt mit dem Kompass-Programm regelmäßig und sehr ausführlich über die Sicherheit auf Schulwegen auf. Im Rahmen der personell vorhandenen Ressourcen überwacht auch die Stadtpolizei punktuell die Schulwege. Aufgrund der Anzahl der Einrichtungen ist es aber unmöglich, überall gleichzeitig vor Ort zu sein. Darin liegt auch die Anfrage der Verwaltung nach freiwilligen Elternlotsen begründet. Diese sollten eine ergänzende Maßnahme darstellen aber keineswegs die bisherigen Maßnahmen ersetzen.“

    Wer trägt die Verantwortung?

    „Wenn die Ampel defekt ist, haftet die Kommune für Unfallschäden“, berichtet der Deutsche Anwaltsverein auf seiner Homepage. Verbirgt sich hinter dem Freifahrt­signal ein technischer Fehler, sprechen Juristen vom „feindlichen Grün“. Für das haftet die öffentliche Hand. Die Beweislast liegt jedoch beim Geschädigten. Zeugen sind entscheidend: Aussagen von Zeugen, die den Defekt beobachtet haben, sind notwendig. 

    Prävention – Wie lassen sich ähnliche Vorfälle verhindern? 

    Störungen der Straßenbeleuchtung oder Ampeln in Lampertheim können der SRM StraßenBeleuchtung Rhein-Main GmbH gemeldet werden oder eben direkt beim Rathaus-Service unter 06206/935-100. Eine gute Verkehrserziehung ist ein wesentlicher Eckpfeiler und eine gemeinsame Aufgabe zwischen Eltern, Schule, Polizei und Ordnungsbehörde. Der erste Schulmobilitätsplan im Kreis Bergstraße wird derzeit für die Lindenhofschule in Groß-Rohrheim entwickelt. Ziel: Den Schulweg sicherer und übersichtlicher zu gestalten. Das Thema „Sicherheit von Schulwegen“ wird im Rahmen der „Kompass“-Initiative (KOMunalProgrAmmSicherheitsSiegel) auch von der Stadt Lampertheim unterstützt. Eine Broschüre „sicherer Schulweg“ soll Schulanfänger für das Thema Verkehrssicherheit sensibilisieren. Ein Restrisiko für einen Unfall lässt sich in allen Bereichen des Lebens leider nicht verhindern.

    Steffen Heumann 

     

    Meine Meinung: Defekte Ampelanlage in der Bürstädter Straße

    Das Dilemma mit der defekten Ampelanlage erinnert mich an das Schicksal der leidigen „Starekästen“, die hinsichtlich einer modernen Verkehrsüberwachung nicht mehr zeitgemäß waren und durch digitale Technik ersetzt wurden. Die neue Blitzergeneration ist leistungsfähiger. Mit dem Effekt, dass die Kommune bei ungehorsamen Fahrzeuglenkern damit reichlich Beute machen kann.

    Moderne Ampelanlagen sind ebenfalls komplexe und intelligente Systeme. Der Unterschied zum „Blitzer“: Hohe Anschaffungskosten! In Zeiten klammer Kassen werden Prioritäten verschoben. Defekte Glühbirnen austauschen, technisch versierte Mitarbeiter in die Spur schicken oder die Polizei den Verkehr regeln lassen – das ist sicher nicht die Lösung. Vielmehr muss die schnellstmögliche Umrüstung auf sparsame LED-Technik forciert werden. Auf vier oder fünf Arbeitstage schätzen Experten den zeitlichen Aufwand.  

    Ampelanlagen dienen primär der Verkehrssicherheit aller Verkehrsteilnehmer, indem sie Verkehrsströme ordnen, Konfliktpunkte an Kreuzungen minimieren und das sichere Überqueren der Fahrbahn für Fußgänger sowie Radfahrer ermöglichen. Sie regeln den Fluss, reduzieren Unfälle und erhöhen die Effizienz im Straßenverkehr. Der bedauerliche Unfall des Schulkindes am Montag sollte dem hehren Wunsch, die Anlage endlich mit LEDs auszustatten, Flügel verleihen. Wie gesagt, meine Meinung!

    Steffen Heumann
    Redaktion TiP Südhessen

     

     

    Beitrag aus der Rubrik

    » Lampertheim und Stadtteile
    Anzeige Online StellenmarktAnzeige dkge 1x1Anzeige dkge 2x2
    Anzeige TicketshopAnzeige NK Worms und RheinhessenAnzeige 3 Anzeige - 1