Jahreshauptversammlung endete ohne einen neuen Vorstand für den Verein / Motivierte Lampertheimer wollen helfen – schaffen dies aber nicht ohne die alten Vereinsmitglieder
Dem AZ Vogelpark droht das Aus
Schließen bald endgültig die Pforten des AZ Vogelpark in Lampertheim? Engagierte Neumitglieder wären zur Hilfe bereit, es fehlt aber an einem erfahrenen 1. Vorsitzenden. Archivfoto: Hannelore Nowacki
LAMPERTHEIM – Bezeichnend war das stürmische Wetter am vergangenen Sonntag im Hinblick auf die bevorstehende Jahreshauptversammlung des AZ Vogelparks Lampertheim. Als wolle der Wettergott die missliche Lage des Vereins noch einmal unterstreichen peitschte er den Wind drohend über die Felder. Seit Jahren kämpfen die Vereinsmitglieder um den Erhalt Ihres geliebten Parks. Doch fehlt es hier leider an fast allem. Vor allem an helfenden Händen. Und wer hier helfen möchte muss neben Motivation und Tierliebe vor allem Zeit mitbringen. Doch die Suche nach alten und neuen Vereinsmitgliedern, die eben diese Attribute mitbringen wollen und können, ist bislang gescheitert. Das nun auch die langjährigen Vorstandsmitglieder zu einer erneuten Wahl und Amtszeit nicht zur Verfügung stehen werden, lässt die Zukunft des Vereins nicht rosig erscheinen. Händeringend suchte man intern wie extern nach Nachfolgern. „Man kann uns nicht nachsagen, dass wir nicht alles versucht hätten“, so Monika Alberstadt, seit 16 Jahren Vereinsmitglied und Schriftführerin. Neben Aufrufen in den Medien wurde auch die Öffentlichkeit regelmäßig zu „Freitagstreffen“ eingeladen, um den Verein näher kennen lernen zu können. Leider ohne Erfolg.
So verwundert es nicht, dass man bei der Jahreshauptversammlung ausschließlich in besorgte Gesichter blickte. Aktuell zählt der Verein 265 Mitglieder. Davon waren 38 stimmberechtigte Mitglieder der Einladung zur Jahreshauptversammlung gefolgt, um einem neunen Vorstand ihre Stimme und dem Vogelpark damit noch eine Chance zu geben.
Und tatsächlich könnte der Park diese Chance noch einmal bekommen – und zwar durch das Ehepaar Germann, wohnhaft in Lampertheim seit 2003 und gewillt, seine Kraft und Zeit in den AZ Vogelpark zu investieren.
Mahnende Worte an die motivierten Neuzugänge
Nachdem die ersten acht der insgesamt zwölf Punkte umfassenden Tagesordnung relativ schnell durchgesprochen und der alte Vorstand nach den jeweiligen Berichten entlastet werden konnte, kam die Versammlung bei Tagesordnungspunkt 9 ins Stocken: „Neuwahlen“. Versammlungsleiter Steffen Schweiker bat um Vorschläge aus der Runde für das Amt des 1. Vorsitzenden. Stille im Raum, bis schließlich Stephan Germann um das Rederecht bat. Er stellte sich den Mitgliedern als jemand der hier gerne mit anpacken würde vor. Er und seine Frau Sarah seien bereit, auch Vorstandsposten zu übernehmen und dem Verein ihre Zeit zur Verfügung zu stellen, wenn ein Vereinsmitglied bereit wäre, den ersten Vorsitz zu übernehmen um sie „anzulernen“.
Auch die Schwägerinnen Michelle und Nancy Lenhardt waren zur Jahreshauptversammlung gekommen, um dem Verein Ihre Unterstützung anzubieten. „Ich bin heute als Gast hier, mit dem Willen mich einzubringen“, sagte Michelle Lenhardt in die Runde. Sie und ihre Schwägerin seien auch bereit, nochmals die Schulbank zu drücken und die Prüfungen für die dringend benötigten Sachkundenachweise abzulegen um damit den neuen Vorstand zu unterstützen. Gerade die fehlenden Sachkundenachweise sind, neben der fehlenden Manpower, eines der größten Probleme des Parks. Dringend werden engagierte Leute gesucht, die, wie die Lenhardts, bereit sind, diese Mühe und Arbeit auf sich zu nehmen. Die Kosten, in Höhe von 500 Euro pro Prüfung würde der Verein übernehmen. Nur bei einem zeitnahen wieder Austreten aus dem Verein müssten die Kosten dem Park erstattet werden.
Die vier Gäste sind sich der drückenden Lage des Vereins bewusst und bekundeten, sie seien nicht hier, wenn sie es nicht ernst meinen würden. Mit ruhiger Miene hielten sie den kritischen Blicken der alten Vereinsmitglieder stand. Lange Zeit haben diese auf ein solches Engagement von außen gewartet und hinterfragen nun kritisch „warum ausgerechnet jetzt“. Viel Missmut hat sich angestaut – und auch eine gewisse Erschöpfung ist den Mienen zu entnehmen. Doch auch auf die mahnenden und teils sehr klaren Worte der alten Vorstandmitglieder reagieren die Germanns und Lenhardts ruhig und mit viel Motivation. Man gebe sich auf, erklärt Simone Schweiker, die seit über zehn Jahren bei jeder Gelegenheit im Vogelpark mit anpackt, ihre Zeit und Leidenschaft in den Verein investiert hat. „Wenn du ausfällst, gibt es keinen Ersatz für dich,“ erklärte sie.
Auch Annekatrin Geyer, Leiterin des unweit entfernten Tierheims, möchte den Neuzugängen vermeintliche Illusionen nehmen: „Wissen Sie eigentlich was es heißt, sich um Tiere zu kümmern“?, fragte sie mit Nachdruck. Dies sei mit harter Arbeit verbunden – mit „nur mal vorbei kommen und Tiere streicheln“ sei es dabei nicht getan.
Doch die vier Gäste lassen sich nicht beirren und bekunden weiterhin ihre Bereitschaft, für den Vogelpark alles zu investieren, was nötig ist – sofern auch dienoch übrigen Vereinsmitglieder bereit seien mitzuwirken und dem Park neues Leben einzuhauchen – vor allem in Form eines 1. Vorsitzenden. „Ohne die Alteingesessen geht es nicht“, so Michelle Lenhardt, „und vor allem – wenn nur Neumitglieder den Verein führen, werden die alten Mitglieder damit glücklich?“ Berechtigte Frage. Doch viele Vereinsmitglieder sind schon älter oder gesundheitlich eingeschränkt und können schlichtweg keine Posten und Arbeiten mehr übernehmen. Keinem fällt dieser Schritt leicht und als Gerhard Hartl seinen letzten Abschlussbericht verließt, kommen ihm auch ein paar Tränen. 20 Jahre Vorstandsarbeit liegen hinter ihm, in denen er den Verein geprägt und zusammengehalten hat. Seine Frau Gerlinde führte in diesen Jahren die Kasse und muss wegen der teils stark gestiegenen Kosten ausgerechnet in ihrem letzten Jahr ein Minus in vierstelliger Höhe verzeichnen. „Es war eine schöne aber auch arbeitsreiche Zeit“, erklärte sie rückblickend. Und auch ihr Mann betont: „Es hat immer Spaß gemacht. Ich war zum Teil jeden Tag hier und nicht weil ich musste“. Beiden täte es sehr leid, sollte der Vogelpark nicht weiter bestehen.
Ebenso wie allen anderen. Spartenleiterin Tierpflege Bärbel Kissel ist ebenfalls jeden Tag im Park, um die Tiere zu versorgen. Sie mache weiter, bis alle Tiere anderweitig gut untergebracht seien, aber dann müsse auch sie sich von Ihren Pflichten zurückziehen. Keine leichten Einstiegsbedingungen für die Neuzugänge.
Bereits mehrfach hat das Ehepaar Germann man mit den Familien Hartl und Alberstadt zusammen gesessen und die Lage und Möglichkeiten besprochen. „Nach ein bis zwei Treffen hat sich das Ausmaß der Probleme gezeigt“, beschreibt Sarah Germann die doch eher demotivierenden Gespräche, denn natürlich wollten die alten Vorstandsmitglieder den Neuzugängen auch nichts vormachen, „aber es ist lösbar“, stellt sie fest. Er kenne den Verein und die Strukturen noch nicht, erklärt Stephan Germann. Außerdem bedürfe es hier einer gewissen Erfahrung, die einfach aus den alten Riegen heraus kommen müsse. Auch Versammlungsleiter Steffen Schweiker stimmte dieser Einstellung zu: „Ich gehe da mit Herrn Germann. Als Neuzugang kann man keinen Verein führen“, bekräftigte Schweiker und bat nochmals um Vorschläge oder Bewerbungen für den ersten Vorsitz. Vergebens. „Das Amt bleibt vakant“, erklärte der Versammlungsleiter schlussendlich. Somit sei der Verein nicht mehr rechtsfähig. Eine außerordentliche Mitgliederversammlung wird nötig sein um das weitere Vorgehen zu besprechen und noch einmal alles dafür zu tun, ein Vereinsmitglied für das Amt des 1. Vorsitzenden zu begeistern und alle weiteren Posten zu besetzen - denn nicht nur der geschäftsführende Vorstand muss neu besetzt werden, auch alle Beisitzer, unter anderem für Technik, Küche und Ringwart werden benötigt.
Noch immer peitscht der Wind von außen gegen das Vereinsheim. Die Stimmung im Innern angespannt, als die Sitzung ohne neuen Vorstand und somit mit einer sehr ungewissen Zukunft für den Verein beendet wird. Bleibt zu hoffen, dass sich der Wind noch einmal dreht und der AZ Vogelpark, wie der Phoenix aus der Asche wieder auferstehen kann. Franziska Hartmann