DEMOKRATIE STÄRKEN: Ausstellung in der Stadtbücherei über Demokratie und Rechtsextremismus bis 3. Juni bei freiem Eintritt
„Demokratie und Menschenrechte immer zusammen denken“
Die Ausstellung in der Stadtbücherei mit informativen Stellwänden kann zu den üblichen Öffnungszeiten erkundet werden. Foto: Hannelore Nowacki
LAMPERTHEIM – Was tun, um die Demokratie zu stärken und Rechtsextremismus zu bekämpfen? Im Rahmen der Veranstaltungsreihe „75 Jahre Grundgesetz 1949 – 2024“ der Stadt Lampertheim werden Informationen vermittelt, Antworten gesucht und präsentiert sowie Anregungen für das eigene Verhalten gegeben, wie man Menschen mit rechtsextremen Ansichten begegnen kann. Durch ihr Projekt „Engagierte Stadt“ ist die Stadt Lampertheim an die Ausstellung „Demokratie stärken – Rechtsextremismus bekämpfen“ der Friedrich-Ebert-Stiftung gekommen, die in der Stadtbücherei zu den üblichen Öffnungszeiten präsentiert wird.
Die Besichtigung ist dienstags und donnerstags von 10 bis 18 Uhr, mittwochs von 14 bis 17 Uhr, freitags von 10 bis 14 Uhr und samstags von 9 bis 12 Uhr möglich. Der Eintritt für Besucher ist frei. Die 58-seitige Broschüre der Friedrich-Ebert-Stiftung zur Ausstellung mit dem Titel „Rechtsextremismus? Nicht mit mir!“ liegt zur Mitnahme aus. Die von innen beleuchteten Stellwände fassen die Informationen übersichtlich zusammen, zusätzlich leitet ein interaktiver, berührungsfreundlicher Bildschirm nach Wahl zu weiteren Themenbereichen.
„Demokratie ist keine Selbstverständlichkeit. Sie muss fortwährend neu gelernt und erarbeitet werden“, ist die zugrundeliegende Auffassung. Daher ist diese Ausstellung auch für Schulklassen besonders geeignet, wie Silke Reis vom Fachbereich Bildung und Kultur erklärt. Denn diese Ausstellung zeige, was Demokratie eigentlich bedeutet, welche Vorteile sie für jeden Einzelnen mitbringt und „warum wir sie verteidigen müssen“. Für die Thematik zu sensibilisieren und Menschen zu demokratischem Engagement zu motivieren wird als Ziel genannt. Anmeldungen zu Führungen sind unter vhs@lampertheim.de möglich. Die Stadtbücherei ist barrierefrei zugänglich. Ein Büchertisch bietet aktuelle und historische Informationen an.
Bürgermeister Gottfried Störmer lädt ein, das Angebot der Veranstaltungsreihe zum 75-jährigen Jubiläum des Grundgesetzes zu nutzen. Foto: Hannelore Nowacki
„Was tun?“
Zur Ausstellungseröffnung war die Bevölkerung zu einem Vortrag mit Diskussion über „Rechtsextremismus, die aktuellen Erscheinungsformen, kritischen Perspektiven und demokratischen Handlungsoptionen“ eingeladen. „Was tun?“ war die Frage, auf die in der Diskussion gemeinsam Antworten gesucht wurden. Allerdings war nur eine Hand voll Zuhörer gekommen, unter ihnen Erich Maier, früherer Bürgermeister und Vorsitzender der Bürgerstiftung, der Grünen-Fraktionsvorsitzende Stefan Nickel und Norbert Fuchs vom DGB-Ortsverband. Maier zeigte sich enttäuscht, dass nicht mehr Vertreter der demokratischen Parteien gekommen waren.
Bürgermeister Gottfried Störmer, der die Veranstaltung eröffnete, erinnerte daran, dass das Phänomen Rechtsextremismus schon seit Jahrzehnten bekannt sei – auch in Lampertheim wie der frühere Bürgermeister Maier und Gewerkschafter Fuchs zu berichten wussten. Bei einer Brandstiftung habe es 1992 mehrere Tote gegeben, doch die damalige Stadtverwaltung habe nur einen unabsichtlichen Brand durch eine weggeschnippte Zigarettenkippe sehen wollen.
Der Referent sprach im Auftrag der Friedrich-Ebert-Stiftung, wollte jedoch seinen Namen und Foto nicht in der Presse veröffentlicht sehen. Als Gründe nannte er negative Erfahrungen und Befürchtungen zur Zielscheibe rechtsextremer Kreise zu werden. Zu seiner Tätigkeit gehöre die Beratung von Kommunen und Schulen im Sinne der Stärkung einer demokratischen Kultur und Umgang mit Rechtsextremismus. Als Bezugsrahmen nannte der Referent untrennbar Demokratie und Menschenrechte. „Menschenrechte brauchen Menschen, die sie verteidigen“, zitierte er den Politiker Gerhard Baum. „Wie wollen wir leben?“ Diese Frage ordnet der Referent als „Glücksfrage“ ein. Auch um direkte und strukturelle Diskriminierung ging es im Vortrag und in der Diskussion. Der Referent sprach an, dass vielfach rechtsextreme Vorfälle oder Äußerungen im eigenen Umfeld nicht als Problem wahrgenommen werden – ein Harmoniebedürfnis könne der Grund sein oder auch die Sorge, als Nestbeschmutzer zu gelten, wenn man Hinweise gebe. „Demokratie und Menschenrechte immer zusammendenken“, betonte der Referent und gab zu bedenken, dass Schweigen auch keine Lösung sei: „Schweigen ist nicht neutral“.