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Fr., 28. April 2017, 08:38 Uhr
„Tag gegen den Lärm“ – BILA machte in Neuschloß gegen die Bahnpläne mobil
„Demonstrieren, was auf uns zukommt, wenn wir uns nicht wehren“
An den Schautafeln der BILA wurde gefragt und erklärt, auch interessiert diskutiert. Foto: Hannelore Nowacki
NEUSCHLOSS – Ein Genuss ist es nicht, wenn aus den Lautsprechern der tosende Lärm eines vorbeifahrenden Güterzuges mit 75 Dezibel auf die Ohren drückt, auch ein ICE mit 69 Dezibel macht viel Lärm und die Regionalzüge sind auch keine Flüsterer. Dann will man schon lieber den Tönen des Waldes lauschen. Dennoch hörte sich am späten Mittwochnachmittag auf Einladung der „Bürgerinitiative Lebensraum vor ICE-Trasse Lampertheim“ (BILA) eine beachtliche Menschenmenge auf dem Ahornplatz in Neuschloß nervtötende Lärmkostproben aus dem Lautsprecherwagen an, die BILA-Mitglied Hans Schader interpretierte. An diesem „Tag gegen den Lärm“ in Deutschland hatte die BILA die Bevölkerung zu ihrem Lärmaktionstag in Neuschloß eingeladen. Aus einem sehr naheliegenden Grund, denn hier könnte eine mehr als hundert Meter breite Schneise für die ICE-Neubaustrecke in Sichtweite der Wohnhäuser in den Wald geschlagen werden. Das zweistündige Programm begann mit Grußworten von BILA-Sprecher Karl Hans Geil, der deutlich machte: „Das wäre der absolute Lungenschuss für den Lampertheimer Wald, das wäre das Ende des Waldes in unserer Umgebung“. Mittlerweile gehe der Kampf nicht mehr allein gegen die Zerschneidung des Waldes durch die ICE-Neubaustrecke, es gehe zusätzlich um die „Verlärmung“ der Stadt Lampertheim durch die geplante Steigerung der ICE- und Güterverkehre auf den Bestandsstrecken auf bis zu 350 Güterzüge täglich. Außerdem gebe es keinen gesetzlichen Anspruch auf Lärmschutz bei den bestehenden Strecken. Ein Ziel der Aktion auf dem Ahornplatz: „Demonstrieren, was auf uns zukommt, wenn wir uns nicht wehren“. Bürgermeister Gottfried Störmer wünschte sich, dass sich alle mit dem Thema Lärmschutz auseinandersetzen, es sei aktueller denn je. Der BILA dankte er für diesen Aktionstag und beschrieb den Einsatz der Aktiven bei der Vorbereitung von Sitzungen als tagelange „Arbeit“. Gegen Lärm zitierte Störmer einen Satz: „Nur die Ruhe ist die Quelle jeder großen Kraft“. Carola Biehal, Vorsitzende der Bürgerkammer in Neuschloß, machte deutlich: „Wir geben nicht auf“. Allerdings hätte sie sich gefreut, wenn noch viel mehr Menschen gekommen wären. Zukünftig werden die Einwohner der Stadt Lampertheim, ganz stark am Europaring und Rosenstock, sowie die Einwohner von Neuschloß einiges auf Ohren bekommen – wenn die Pläne der Deutschen Bahn AG umgesetzt werden. Die Gesundheit der Menschen wird leiden, der Wald zwischen Lorsch und Lampertheim wird als Naherholungsgebiet für immer zerstört, die Landwirte verlieren Existenz bedrohend wertvolle Flächen, ein bedeutender Lebensraum für Tiere und Pflanzen geht verloren. Dagegen positioniert sich die „Bürgerinitiative Lebensraum vor ICE-Trasse Lampertheim“ (BILA) seit 2009. Auf die Unterstützung der Stadt Lampertheim mit Bürgermeister Gottfried Störmer, Erstem Stadtrat Jens Klingler und der Stadtverordneten kann die BILA zählen. Landtagsabgeordneter Norbert Schmitt zeigte nach eigenem Bekunden durch seine Anwesenheit ebenfalls seine Solidarität. Auch haben sich die regionalen Bürgerinitiativen verbündet, um ihre Ziele gemeinsam zu erreichen.
Vor allem Einwohner des Stadtteils Neuschloß waren zum BILA-Lärmaktionstag auf den Ahornplatz gekommen. Foto: Hannelore Nowacki
An den Schautafeln entwickelten sich zahlreiche Gespräche von Bürgern mit den BILA-Mitgliedern. Gut besucht war der Vortrag „Lärm macht krank“ von Dr. Günter Weidenauer zu den gesundheitlichen Folgen von Lärmeinwirkung, die Kinder noch stärker treffen als Erwachsene. Herbert Kerkhoff zeigte im Saal der Johannesgemeinde mehrfach den von ihm produzierten Film „Lebensraum vor ICE-Trasse“ mit Informationen zur Streckenführung und Stellungnahmen aus der BILA und Politik gegen die geplante Neubau-Streckenführung „direkt an unserem Gartenzaun“ vorbei. Den musikalischen Schwung brachte Chorleiter Stefan Spiesberger mit einem Remake des BILA-Songs in die Veranstaltung. Textblätter wurden zum Mitsingen ausgeteilt. Ein kleiner Chor aus Mitgliedern des Chors Joyful und einigen Kindern erhielt für seinen Auftritt viel Applaus. BILA-Sprecher Ulrich Guldner berichtete anhand der Schautafeln von den fünf Arbeitsgruppen, die aus dem Beteiligungsforum in Darmstadt hervorgegangen sind, zum Teil auf Druck der Bürgerinitiativen auf die Deutsche Bahn. Zu einem Projektbeirat mit Verhandlungsmacht auf Augenhöhe hat sich die Bahn bis jetzt nicht bereitgefunden. Ein Ziel der Bürgerinitiativen und betroffenen Kommunen sei der gleiche Lärmschutzstandard an der Riedbahn wie an der Neubaustrecke. Auch sollen die Bestandsstrecken zugunsten des Nahverkehrsausbaus entlastet werden. Gefordert werden streckenweise gedeckelte Tröge oder Tunnel. Die Streckenführung soll gebündelt und umweltschonend entlang der Autobahnen erfolgen. Die nächsten Arbeitsgruppensitzungen seien im Juni geplant. Hannelore Nowacki